Hatha Yoga – eine Einführung

Hatha Yoga – eine Einführung

Dieser Artikel ist Hatha Yoga gewidmet, dieser so oft missverstandenen Yogaform, die von Yogi Swatmarama in der Hatha Yoga Pradipika niedergeschrieben wurde. Auch dieser Yoga war einstmals eine geheime Lehre, die dem Jünger vom Guru direkt vermittelt wurde.

Die meisten der Hatha Yoga Übungen sind hier im Westen auch heute noch völlig unbekannt. Dort, wo Asanas gemacht werden, spricht man fälschlicherweise von Hatha Yoga und verbindet die Vorstellung von Körperakrobatik, von Schön- und Schlankwerden, vom Heilen körperlicher Leiden. Das alles mögen Beiprodukte dieser Yogaform sein, der tiefere Sinn war und ist jedoch immer gewesen, den spirituell Suchenden so vorzubereiten, dass er den königlichen Yogapfad, Raja Yoga, betreten kann.

 Dieses Werk ist sehr umfassend und enthält äußerst praktische Ratschläge für den Yogaschüler, die jeden Aspekt unseres Lebens einbeziehen, z.B. wie und wo man schlafen soll, welches die beste Nahrung ist, wie man die sexuelle Kraft erhalten kann u.a. Die Hatha Yoga Pradipka ist im Original mit Kommentaren von Swami Muktibodhananda unter der Anleitung ihres Gurus Swami Satyananda in der Bihar School of Yoga erschienen. Wir werden in diesem Artikel die einleitende Rede von Swami Satyananda veröffentlichen.

Swami Satyananda spricht über Hatha Yoga

In der yogischen Literatur existieren einige zuverlässige Texte über Hatha Yoga. Die Hatha Yoga Pradipika von Yogi Swatmarama ist sehr bekannt. Außerdem gibt es die Goraksha Samhita von Yogi Gorakhnath und die Gherand Samhita von dem großen Weisen Gherand. All diese Schriften entstanden zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert n.Ch.

Es gibt auch Hinweise auf Hatha Yoga in den Upanishaden und den Puranas, die vor der Buddhistischen Periode im 6. Jahrhundert v.Ch. entstanden sind und darauf deuten lassen, dass die Wissenschaft von Hatha Yoga noch viel weiter zurückreicht.

In Amerikas vorkolumbianischer Kultur muss es ebenfalls das Wissen über Hatha Yoga gegeben haben; große Steinfiguren und Skulpturen in St. Augustin deuten darauf hin. Die systematische Form von Hatha Yoga hat jedoch im Indien des 6. Jahrhunderts n.Ch. ihren Ursprung.

Dies soll nur einen Einblick in den historischen Aspekt von Hatha Yoga geben. Viele Jahrhunderte hindurch sind diese Bücher ein Führer für spirituelle Anwärter gewesen. In Indien, Nepal und Tibet wurden viele Sekten auf der Basis von Hatha Yoga begründet. Was ist das Thema dieser Bücher? Wollte man einen jugendlichen Körper erhalten oder magische Kräfte (Siddhis) erlangen oder die Kundalinikraft erwecken oder das höchste Bewusstsein (Samadhi) erlangen? Durch Analyse wird uns das klar werden.

In alten Zeiten machte man Hatha Yoga zur Vorbereitung auf ein höheres Bewusstsein. Heute ist dieses Ziel in Vergessenheit geraten; die von den Weisen und Heiligen entwickelten Übungen, die die Evolution des Menschen vorantreiben sollten, werden heute nicht in diesem Sinne geübt und verstanden. Sehr oft hört man Worte wie: 'Oh, ich meditiere nicht, ich mache nur Körper-Yoga, Hatha Yoga.' Diese Anschauung möchte ich korrigieren, denn Hatha Yoga ist für den heutigen Menschen eine sehr wertvolle Wissenschaft.

Das Entstehen von Hatha Yoga

Im sechsten Jahrhundert n.Ch. lebte Indien schon viele Jahrhunderte lang in spiritueller Blüte. Im 6. Jahrhundert vor Ch. lebten in Indien zwei große Männer: Buddha und Mahavir, der Begründer der Jain-Sekte. Sie lebten in strenger Einfachheit und predigten beide die Gewaltlosigkeit, 'Ahimsa'.

Schließlich fasste Buddha seine Lehren in den 'Vier edlen Wahrheiten' zusammen, und die beiden Wege 'Vipassana' und 'Anapanasati' sind heute überall auf der Welt bekannt. Die Basis hierfür war der 'Achtstufige Pfad', ähnlich den ethischen Regeln des 'Yama' und 'Niyama' im Raja Yoga.

Buddha war so populär, dass Meditation die entscheidende spirituelle Übung auf dem ganzen Subkontinent wurde. Die vorbereitenden Übungen wurden jedoch ignoriert; Ethik und Moral wurden überbewertet. Indiens Denker und Philosophen begannen damit, das buddhistische System zu überholen, denn, obwohl Meditation für sie der höchste Weg ist, glauben sie doch nicht, dass man sofort damit beginnen kann - man muss sich erst vorbereiten.

Fünfhundert Jahre nach Buddha und hundert Jahre vor Christus entstand in Nalanda in Bihar eine große Universität in der Buddhistischen Tradition. Hier wurde das Hinayana System gelehrt, was so viel bedeutet wie 'der enge Pfad', also der orthodoxe Buddhismus. Tausende von Studenten aus der ganzen Welt studierten hier Religion.

Es gab jedoch eine andere Richtung unter den Buddhisten, Menschen, die mit der orthodoxen Interpretation der Lehren nicht einverstanden waren. Sie glaubten nicht daran, dass Buddha seine Lehren so gepredigt hat. Sie gründeten eine andere Universität, Vikram Shila, etwa achtzig Meilen östlich von Munger in Bihar, und an dieser Universität wurde die Mahayana Tradition gelehrt. 'Mahayana' bedeutet 'Der große Pfad', sie waren liberal und offen. In diese Lehre floss auch Tantra mit hinein, worüber Buddha nicht direkt gesprochen hat und daher von den orthodoxen Buddhisten abgelehnt wurde. In Vikram Shila wurden die sexuellen Beziehungen zwischen Mann und Frau mit einbezogen. (In Indien sind die Menschen davon überzeugt, dass Jesus an diesen bedeutenden Universitäten gelernt und gelehrt und lange Zeit in Indien gelebt hat. Anm. d. Übers.)

Nach ungefähr fünfhundert Jahren ließen Popularität und Einfluss des Buddhismus nach, und damit erloschen auch die tantrischen Sekten und ihre Übungen. Als die buddhistische Dekadenz in Indien im 4., 5., 6. Jahrhundert allmählich überwunden war, begannen einige große Yogis damit, diese Wissenschaft wieder hervorzuholen und das tantrische System zu reinigen. Matsyendranath, Gorakhnath und andere Yogis glaubten, dass diese wichtige Wissenschaft von einigen ignoriert, von anderen falsch gelehrt war, und so trennten sie 'Hatha Yoga' und 'Raja Yoga' aus dem Tantrasystem von dem Übrigen, d.h. tantrische Rituale ließen sie ganz heraus, erwähnten sie nicht einmal mehr. Sie wählten nützliche, praktische und edle Yoga-Übungen aus dem tantrischen System heraus.

Obwohl Buddha eine herausragende Persönlichkeit war, verblieb aus seinen Lehren nicht viel mehr als psychologische Erfahrungen, und so wurde es notwendig, die Meditation wieder systematisch einzuführen. So entstand Hatha Yoga. Matsyendranath gründete den Nath Kult, indem gelehrt wurde, dass man zuerst den Körper und seine Elemente reinigen muss, bevor man zur Meditation fortschreiten kann. Und das ist das Thema von Hatha Yoga.

Reinigung als Wissenschaft

Yogi Swatmarama ist die herausragende Persönlichkeit, er hat die 'Hatha Yoga Pradipika' verfasst. Es wurde mit 'Licht auf Yoga' übersetzt, wenngleich Pradipika eher Selbsterleuchtung bedeutet. In diesem Text wird eine Vielzahl von physischen, mentalen und spirituellen Problemen des Schülers beleuchtet. Der bedeutendste Jünger von Matsyendranath war Gorakhnath, er hat schon früher Bücher in seinem Dialekt über Hatha Yoga geschrieben. Swatmarama verfasste jedoch das gesamte Wissen über Hatha Yoga in Sanskrit. Er erklärt hier Asana, Pranayama und Shatkarma.

Die Schönheit der 'Hatha Yoga Pradipika' liegt darin, dass ein großes Problem eines jeden Suchenden gelöst wird: Swatmarama hat die Teile Yama (Moralkodex) und Niyama (Selbstbeschränkung) gänzlich herausgelassen; im Buddhismus und Jainismus und in Patanjali's Raja Yoga (und auch im Christentum, Anm.d.Übers.) ist dies der Anfang.

Patanjali war ein Zeitgenosse von Buddha, daher der Einfluss von Yama und Niyama aus der Buddhistischen Philosophie.

Die 'Yoga Sutras' sind in acht Stufen unterteilt:

  • Yama
  • Niyama
  • Asana
  • Pranayama
  • Pratyahara
  • Dharana
  • Dhyana
  • Samadhi

Er geht davon aus, dass man erst Yama und Niyama beherrschen muss, weil Asanas und Pranayamas sonst ohne Nutzen bleiben.

Was ist nun Yama und Niyama?

  • Selbstkontrolle und - beobachtung
  • Wahrheit
  • Gewaltlosigkeit
  • Enthaltsamkeit
  • Nichtstehlen
  • Nicht-Anhäufen
  • äußere und innere Reinheit
  • Zufriedenheit
  • u.a.

(ähnlich den 10 Geboten, Anm.d.Übers.). Die Autoren der Hatha Yoga Schriften waren sich jedoch darüber bewusst, dass die Menschen mit Yamaund Niyama große Schwierigkeiten hatten. Es sind wohl mehr religiöse Tugenden und spielen eine nicht so große Rolle im spirituellen Leben eines Menschen.

Die Erfahrung zeigte, dass Yama und Niyama (Disziplin und Selbstkontrolle) eine bestimmte Qualität des Geistes, des Bewusstseins voraussetzen. Wir können selber beobachten, wie wir durch Selbstkontrolle und Disziplin oft eine ganze Reihe Probleme im Bewusstsein und der Persönlichkeit schaffen. Statistiken zeigen, dass die meisten Patienten in der Psychiatrie religiös sind; Selbstdisziplin und Selbstkontrolle spalten die Persönlichkeit. Du musst dich also erst gut darauf vorbereiten.

Solange deine Persönlichkeit nicht harmonisch ist, werden diese Übungen eher Konflikte als inneren Frieden schaffen, und deshalb sollten sie nicht gelehrt werden. In der Philosophie und der Religion muss man sich damit auseinandersetzen, aber vom spirituellen Gesichtspunkt aus haben sie immer erbarmungslos versagt, dem Menschen dabei zu helfen, wenn er mit dem Dilemma seiner eigenen Evolution konfrontiert wird.

Die Betonung liegt auf den Shatkarmas

Es fällt sofort ins Auge, dass sich Swatmarama in der 'Hatha Yoga Pradipika' um Yama und Niyama nicht kümmert. Der Schwerpunkt ist ein anderer: zuerst sollst du deinen Körper reinigen - den Magen, die Därme, das Nervensystem und die anderen Systeme. Zuerst also Shatkarmasmit Neti, Dhauti, Basti, Kapalbhati, Trataka und Nauli. Hiermit beginnt Hatha Yoga.

Natürlich ist das allein nicht Hatha Yoga; hiernach kommen Asanas und Pranayamas. Selbstkontrolle und Selbstdisziplin sollte mit dem Körper beginnen. Sitze fünfzehn Minuten in Padmasana (dem Lotussitz), das ist Selbstdisziplin. Warum zuerst mit dem Geist kämpfen? Du hast keine Kraft, mit dem Geist zu ringen, trotzdem tust du es und erzeugst so eine Feindseligkeit gegen dich selbst.

Ein Teil des Geistes kämpft gegen die Disziplin, und der andere will sie aufrechterhalten. Es sind nicht zwei, sondern ein Geist, der sich in zwei Teile spaltet. Diese Spaltung findest du bei allen Menschen, und wenn sie zunimmt, dann nennen wir es Schizophrenie.

Die Hatha Yoga Meister erkannten diese Gefahr, und so begannen sie mit Disziplin für den Körper. Sie erklären genau, was sie mit dem Körper meinen: Die feinstofflichen Elemente (Tattwas) und die Energieleitungen (Nadis) im Körper müssen gereinigt werden; die vitalen Lebenskräfte (Prana), das ganze Nervensystem und die verschiedenen Sekrete des Körpers müssen richtig erhalten und harmonisiert werden.

Danach kommen die Mudras wie Vajroli, Sahajoli, Khechari, Shambavi, Vipareet Karani u.a. Auf diese Weise wird sich tiefe Meditation entwickeln. Durch diese Übungen entsteht Pratyahara, und das führt zu Dharana, Dhyana und Samadhi.

Das Ziel von Hatha Yoga

Um den Geist zu reinigen, muss der gesamte Körper einen Reinigungsprozess durchlaufen. Man kennt Hatha Yoga auch als die Wissenschaft der Reinigung, die nicht nur eine, sondern sechs Reinigungsformen beinhaltet. Sechs unterschiedliche Unreinheiten werden in sechsfacher Form gereinigt. Dann erst können die Nadis richtig funktionieren und die Energieblockaden lösen sich auf, so dass die Energien wie Wellenfrequenzen durch die Leitungen der Körperstruktur fließen können und bis hinauf zum Hirn gelangen.

Hatha Yoga betrachten wir deshalb als vorbereitende Übung für Tantra, Raja Yoga, Kundalini Yoga und Kriya Yoga. Die großen Meister der Vergangenheit betrachteten Hatha Yoga nicht als Therapie. Selbst wenn Yoga sehr effektiv in der Behandlung vieler unheilbarer Krankheiten ist, so ist der therapeutische Effekt von Yoga mehr zufällig und Nebensache.

Das Entscheidende in Hatha Yoga ist das absolute Gleichgewicht der ineinander greifenden Aktivitäten und Körperabläufe, des Geistes und der Energie. Erst wenn dieses Gleichgewicht hergestellt ist, werden Impulse erzeugt, die die zentrale Kraft (Sushumna Nadi), die für die menschliche Evolution verantwortlich ist, erweckt. Wenn Hatha Yoga nicht mit diesem Ziel verfolgt wird, dann ist seine wahre Bedeutung verloren.

Das Zusammenspiel der inneren Energie

Der Name Hatha entstand, um dieses Ziel deutlich zu machen; 'Ha' und 'Tha' Yoga, eine Kombination zweier Bija Mantras. 'Tha' ist Ausdruck für Prana, die vitale Lebenskraft, und 'Ha' symbolisiert den Geist, die mentale Energie. Hatha Yoga bedeutet demnach Harmonisierung der pranischen und der mentalen Kräfte, was zu einem höheren Bewusstsein führt.

Die Lebenskraft Prana Shakti und die Mentalkraft Manas Shakti sind die beiden Erzeuger. Jedes Objekt im Universum, vom kleinsten Atom bis zum größten Stern besteht aus diesen beiden Shaktis, diesen polaren Energien. Wenn diese beiden Shaktis sich miteinander verbinden, entsteht Schöpfung.

Wenn sie voneinander getrennt werden, oder wenn sie sich zum Ursprung hin auflösen, dann löst sich die Schöpfung auf. Auch in der Physik ist man sich dieser Tatsache bewusst.

Materie in dieser Schöpfung lebt. Das ist Punkt eins. Und sie hat Bewusstsein. Das ist Punkt zwei. In Yoga bezeichnet man Leben und Bewusstsein als Prakriti und Purusha; in Tantra sind es Shakti und Shiva; in Hatha Yoga sind die Namen Ida und Pingala und im Taoismus yinund yang. In der modernen Physik ist es Materie und Energie. Zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Philosophien gab man ihnen verschiedene Namen. Dieser physische Körper, wie wir ihn sehen können, ist die grobe Wahrnehmung. Wenn du ihn mit psychischen Augen oder mit einer spezialisierten, hoch entwickelten elektronischen Ausrüstung betrachtest, wird deutlich, dass er ein feinstoffliches Gegenstück hat.

Was geschieht innen, wenn du beginnst zu denken? Wenn du noch nie danach gefragt hast, dann tue es bitte jetzt. Was ist ein Gedanke? Was geschieht in uns, wenn ein Gedanke auftaucht und sich wieder auflöst, und wenn er von einem anderen Gedanken abgelöst wird, oder wenn Gedanken sich gegenseitig abschneiden? Das ist das Zusammenspiel von Shakti.

Harmonie zwischen den positiven und negativen Kräften

Das Konzept von Hatha Yoga ist es, die zweifachen Shaktis oder Energien im Menschen, die normalerweise in unharmonischer Form existieren, zu harmonisieren. Eine der beiden Kräfte ist meistens dominant, und durch dieses Ungleichgewicht entsteht entweder körperliche oder mentale Krankheit. Wenn die Mentalkraft zu stark wird, neigen die Menschen zu Geisteskrankheiten. Menschen, in denen die Vitalkraft dominiert, werden leicht zornig, sind streitsüchtig, verursachen Kriege, zeigen alle Anzeichen von gewalttätigem Verhalten.

Hatha Yoga ist der Weg, diese beiden großen Kräfte Ida und Pingala zu harmonisieren. Das geschieht zuerst durch die Reinigung des ganzen Körpers, der Körpermechanismen. Niemals sollten wir vergessen, dass Körper, Seele und Geist nicht drei Teile sind, sondern ein und dasselbe. Auf einer bestimmten Existenzebene siehst du nur den Körper, auf einer anderen nimmst du den Geist wahr. Der Körper und der Geist sind nicht voneinander getrennt, sie sind eins.

Transzendenz durch Training

Die Ursubstanz des Körpers ist göttlich. Durch Yogaübungen beginnt im Körper ein Prozess der Transmutation der physischen Elemente in nicht-physische Elemente. Materie lässt sich in Energie verwandeln und umgekehrt. Das ist das Grundkonzept. Und so verstanden lässt sich der Körper in Spirit und Spirit in Materie verwandeln. Man nennt es das ewige Spiel von Maya (die Kraft der Illusion) und Schöpfung, und dieses Spiel besteht seit ewigen Zeiten. Es gibt also keinen Grund zu glauben, dass dieser Körper unrein ist und man daher nicht meditieren kann. Das ist eine sehr unwissenschaftliche Denkungsart.

In der Geschichte gibt es Beispiele von großen Heiligen, die zu dem Zeitpunkt, wo sie ihre weltliche Existenz verlassen wollten, ihren Körper in Lichtteilchen transmutiert haben, die sich dann vollkommen auflösten. Von ihrem groben Körper blieb nichts übrig. Dieser Körper besteht nicht nur aus Fleisch und Knochen, Mark und Sekreten, nein er ist die grobe Manifestation der sehr feinen Shakti, die in Prana und Manas Shaktipolarisiert ist.

In Hatha Yoga kümmern wir uns zuerst um diesen Körper und reinigen ihn in sechsfacher Form. Entscheidend ist, dass die Nadis für die Meditation gereinigt werden. Unser Körper funktioniert sehr einfach: Genau wie eine Maschine produziert er Abfallstoffe, und zwar dreierlei - Schleim, Gas und Säure. Wenn wir den Körper von Zeit zu Zeit innerlich reinigen, kann der Überschuss dieser drei Stoffwechselprodukte entfernt werden, so dass das ganze Gebilde sich reguliert und ausgleicht. Auf diese Weise erhalten wir uns die vollkommene Gesundheit.

Aus diesem Grunde sind die Shatkarmas von so großer Bedeutung. Es ist ein so wichtiger Aspekt in Hatha Yoga und in der Therapie, dass der Körper von den drei Typen des Ungleichgewichts gereinigt wird. Jeder Teil des Körpers wird auf diese Weise trainiert: Die Nase, das Herz, der Atem, der Kreislauf usw. Der Körper muss zum Beispiel von jeder Unruhe im Herzen befreit werden, und das verlangt als Meditationsvorbereitung eine Veränderung in den unbewussten Reaktionen des Herzens. Es kann sonst geschehen, dass du dich in guter Meditation konzentrierst und plötzlich verändert sich das Herzverhalten. Dein ganzer Körper wird darunter zu leiden haben.

Auch das Nervensystem erfordert Training, denn es trägt Impulse durch die sinnlichen und die motorischen Nervenkanäle. Alle Blockierungen müssen entfernt werden, damit die Energie frei durch den ganzen Körper fließen kann. Wenn das nicht der Fall ist, wird deine Meditation unangenehm gestört.

Menschen, die solche Erfahrungen haben, wenden sich entsetzt von der Meditation ab, von der sie Schönes und Angenehmes erwarten und nicht schreckliche Horrorbilder. Ja, wenn vorher die korrekte Reinigung stattgefunden hat, dann ist die Meditation reine Seligkeit, innen und außen.

Wieder andere Menschen behaupten: 'Oh, ich bin sehr spirituell, ich mache mir nichts aus dem Körper; Hatha Yoga macht dich nur körperbewusst.' Das ist Unsinn; auch wenn du sehr spirituell bist, wird sich dein Körper in dem Moment, wo du dich zur Meditation hinsetzt, massiv bemerkbar machen. Vielleicht musst du sogar einen Arzt aufsuchen, weil du ihn nicht unter Kontrolle bringen kannst. Die Transzendierung des Körpers bedeutet nicht, ihn einfach zu vergessen, sondern du musst ihn reinigen. Deshalb sind die sechs Kriyas von Hatha Yoga für den spirituellen Aspiranten so wichtig:

  1. Neti
  2. Dhauti
  3. Basti
  4. Nauli
  5. Kapalbhati
  6. Trataka

Die Konzentration hängt von der Reinigung ab

Durch diese Grundformen von Hatha Yoga werden die Energiemuster gereinigt und bringen sie in ein Gleichgewicht. Erst, wenn diese Muster unter deiner Kontrolle sind, kannst du dich auf einen Punkt konzentrieren. Andernfalls geschieht folgendes: Du willst dich auf einen Kreis konzentrieren, aber der Kreis verändert dauernd seine Form, bis er ganz auseinander bricht. Diese wichtige Übung ist dir unmöglich, weil es die Natur der Pranas ist, in Bewegung zu sein, und das ist auch das Charakteristische des Geistes.

Prana wird niemals bewegungslos sein; immer ist es in Bewegung, und der Geist verändert sich ebenfalls. Du glaubst gar nicht, wie schwer es ist, diese beiden höchst beweglichen Energien in einen ruhigen Zustand zu bringen. Konzentration ist wirklich sehr schwer. Mag sein, dass du dich selbst vollkommen vergessen kannst, mag sein, dass du wunderbare Visionen hast, aber das ist nicht Konzentration. Konzentration ist ununterbrochene Wahrnehmung eines Punktes, einer Linie in der Entfernung, die sich nicht dreht und wendet oder auseinander fällt. Eine Idee, immer die gleiche Idee, keine andere, kein anderer Gedanke. Das ist Konzentration und sollte ohne Anstrengung erfolgen.

Metamorphose vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen

Die beiden Kräfte Geist und Prana erhalten den Lebensrhythmus und das Bewusstsein. Wir befinden uns jetzt auf einer bestimmten Evolutionsstufe, aber die Menschheit muss sich weiter entwickeln. Wenn die Zivilisation sich nicht entlang der Evolutionslinie aufbaut, dann ist der Mensch Katastrophen, Tod und Zerstörung ausgesetzt. Die Evolution können wir nicht umgehen.

Alles im Universum entwickelt sich, selbst die Steine. Wenn diese Metamorphose überall in der Schöpfung auftritt, dann gilt das auch für das menschliche Bewusstsein. Diese Transformation ist keine Philosophie und kein Glaube, sondern wissenschaftlicher Tatbestand. Erst durch die Evolution entsteht eine Bedeutung im Leben. Unser ganzer Körper ist ununterbrochen dem Prozess der Veränderung ausgesetzt und beeinflusst jedes Molekül der materiellen Substanz.

Heute erkennen die Menschen, dass Materie letztendlich Energie ist. Das zwingt uns, neu zu überdenken, was der Körper ist und wieweit eine Transformation Auswirkungen hat. Können wir den Körper in reines Licht verwandeln? Wir sollten wissenschaftlich darüber nachdenken, nicht aufgrund unseres Glaubens, den wir bisher hatten (oder nicht hatten).

Wenn eine Metamorphose im Körper stattfinden kann, dann geschieht das durch Yoga. Er kann zum Feinstofflichen hin in einen yogischen Körper verwandelt werden, der weder Alter noch Krankheit ausgesetzt ist.

Hatha Yoga bringt die Transformation des physischen Körpers mit seinen pranischen und mentalen Kräften in Gang. Bevor nicht die physischen Moleküle transformiert sind, brauchen wir nicht von Mitleid, von Einheit und Liebe zu sprechen.

Wir haben die Möglichkeit einer großen Veränderung. Wenn Materie in seiner wahren Form Energie ist, dann kann dieser Körper durch die systematische Übung der sechs Hatha Yoga Reinigungstechniken in Energie transformiert werden. Hinzu kommen dann Asanas und Pranayamas.

Yoga bedeutet die Einheit von Geist und Körper

Einen wichtigen Punkt haben die Kommentatoren ausgelassen, dass nämlich Hatha Yoga nicht nur die Einheit zwischen Prana und Geist ist, sondern ebenso des Selbst. Im Rückenmark befinden sich drei wichtige Nadis: Ida, Pingala und Sushumna:

  • Ida ist die negative Kraft, der Bewusstseinsfluss
  • Pingala symbolisiert die die positive Kraft, den Fluss der Vitalenergie
  • Sushumna Nadi symbolisiert die neutrale Kraft, den Fluss der spirituellen Energie.

Die Verbindung zwischen diesen drei Flüssen vollzieht sich im Ajna Chakra (hinter dem Augenbrauenzentrum). Das Ziel ist das Zusammenführen dieser drei Nadis, was zum Erwachen des Mooladhara Chakras am Beckenboden führt. Hier befindet sich die Urenergie, Kundalini Shakti. Dieser Prozess wird durch Hatha Yoga in Gang gebracht, und Kundalini kann zu höheren Bewusstseinsstufen bis hin zum Sahasrara Chakra aufsteigen.

Wenn dies geschieht, dann ist das Yoga, nicht Hatha Yoga. Hier liegt der Unterschied zwischen Yoga und Hatha Yoga. Yoga bedeutet Vereinigung von Shiva (höchstem Bewusstsein) und Shakti (Energie).

Kundalini bewegt sich durch Sushumna nach oben, nicht durch Ida oder Pingala, und zwar durch alle Chakras hindurch, manchmal durch alle gleichzeitig und sehr schnell, manchmal sehr langsam. Wenn sie im Ajna Chakra mit Ida und Pingala zusammentrifft, dann ist das Hatha Yoga. Nach dieser ersten Vereinigung steigt sie weiter hinauf zum Sahasrara Chakra, wo sie sich mit Shiva, dem höchsten Bewusstsein, verbindet, und das ist Yoga. Das letztendliche Ziel von Hatha Yoga ist demnach, Yoga zu erfahren.

Die potentielle Energie aus dem Schlafe rütteln!

Das Erwachen von Kundalini ist ein Faktum, aber wichtiger ist das Erwecken von Sushumna; und noch wichtiger ist das Erwecken der Chakras. Die Menschen sind in diesem Punkt sehr unverständig. Zuerst müssen uns die Chakras bewusst werden, denn es sind wichtige Verbindungsstellen. Sie sind die Transformatoren, die die Energie in 72ooo verschiedene Kreisläufe verteilt. Wenn sie nicht richtig funktionieren, dann kann die Energie durch die Hindernisse nicht hindurchfließen. Wenn die Anschlussstelle in deinem Haus fehlerhaft ist, dann wirst du keine Elektrizität haben. In dem ganzen Haus wird es sehr viele Kreisläufe geben, nicht nur einen; wenn aber die Hauptverbindung kaputt ist, dann wird es im ganzen Haus keinen Strom geben. Die Chakras müssen also gereinigt und erweckt werden, und das geschieht hauptsächlich durch Pranayama und einige Asanas. Und dann verbleibt noch das Erwecken von Sushumna.

Du kannst den Geist durch Prana lenken

Es gibt noch einen Unterschied zwischen Patanjali's Raja Yoga und Hatha Yoga. Die Schwierigkeit, die Schwankungen des Geistes zu steuern, war den Hatha Yoga Autoren bewusst, und so entwickelten sie eine andere Methode. Sie sagen, dass der Geist automatisch dadurch gesteuert werden kann, indem man Prana zu Hilfe nimmt.

Durch richtig ausgeführtes Pranayama wird der Geist automatisch besiegt. Die Shatkarmas sind so wichtig, weil sie auf die höheren Pranayamas vorbereiten, indem sie Blockierungen in Ida und Pingala auflösen, was zur Folge hat, dass Prana sich im ganzen Körper ausdehnen kann.

Der praktische Aspekt

Hatha Yoga beinhaltet Regeln und Hinweise, die beachtet werden sollten. Das bedeutet nicht, dass du allen Vergnügungen im Leben entsagen musst, aber du weißt sehr gut, dass du 'niemals einen Kuchen gleichzeitig haben und essen kannst'. Wenn du beschlossen hast, in deinem Bewusstsein etwas zu verändern, dann musst du auch bereit sein, einige der Dinge zu opfern, die den Hatha Yoga Übungen und den Pranayamas diametral entgegenstehen.

Philosophie ist intellektuell, mit dem Intellekt kannst du den Evolutionspunkt nicht erreichen. Er wird zu einem Hindernis auf dem spirituellen Weg, deshalb müssen wir ihn transzendieren. In Hatha Yoga lässt du den Geist mit seinem Intellekt links liegen und arbeitest mit Prana, das macht den Weg so erfolgreich.

Hatha Yoga ist eine große Wissenschaft für jeden auf seinem jetzigen Stand. Einige dieser Übungen können mit Asanas und Pranayama zusammen jeden Tag ausgeführt werden. Erst wenn du diese Vorbereitung hinter dir hast, kannst du weitergehen. Aber wenn die Vorbereitung gut ist, dann brauchst du von niemandem die Meditation zu erlernen, denn eines schönen Morgens während deiner Pranayama Übung wird dein Geist dich in eine neue Bewusstseinsebene tragen

Der therapeutische Aspekt von Hatha Yoga

Hatha Yoga hat sich daneben auch als eine große Hilfe für die körperliche Gesundheit entwickelt. Yogis heilen durch sie alle Arten von Krankheiten, wenn es auch ein längerer Weg ist, als die konventionellen Behandlungsmethoden; aber die Ergebnisse sind von Dauer und es erfordert keine teuren Medikamente.

Die Tatsache, dass hier mit dem Prinzip von Harmonie und Vereinigung gearbeitet wird, und nicht mit Trennung, macht diese Behandlung so wertvoll. Die Therapie basiert auf den drei folgenden Prinzipien:

  1. Bringe einen Teil des Körpers in vollkommene Gesundheit, dann wirst du auch die anderen Körperteile beeinflussen.
  2. Ausgleichen der positiven und negativen Energiepole (Ida/Pingala, Prana/Apana).
  3. Das Reinigen des Körpers von den drei Formen der Abfallstoffe.

Wenn du 15 alte Großvateruhren zusammenstellst, alle mit verschieden langem Pendel und Gewicht, dann wirst du entdecken, dass alle ihre verschiedenen Pendel nach einiger Zeit im gleichen Rhythmus schlagen. Das beruht auf dem natürlichen Gesetz der Gegenseitigkeit von Rhythmus und Schwingung.

In diesem Körper hat jedes Organ und jedes System eine bestimmte Funktion, und doch sind sie alle miteinander koordiniert. Wenn nur ein Organ oder ein System mit den anderen nicht koordiniert, dann bedeutet das, dass nicht eins, sondern alle Organe und Systeme aus dem Gleichgewicht kommen. Bei Krankheit, ob nur körperlich oder seelisch, ist also keine Koordination mehr vorhanden. Indem du dir dieses Gesetz zunutze machst, stellst du Gesundheit in einem Teil her, und alle anderen werden selbstverständlich folgen.

Schlechte Gesundheit in einem Teil des Körpers verursacht schlechte Gesundheit im ganzen Körper. Du kannst nicht sagen, mein Magen ist krank, aber sonst bin ich gesund. Beginne also damit, ein Organ, ein System vollkommen gesund zu machen, dann wird allmählich der ganze Körper gesund. So sollte Hatha Yoga verschrieben werden.

Die meisten Yogalehrer halten sich leider nicht daran. Je nachdem, wie viel medizinisches Wissen sie haben, geben sie ihren Schülern eine endlos lange Übungsliste: eine gegen Verstopfung, eine gegen Nasenbluten, eine gegen Erkältung usw. Sie glauben, wenn sie einem Kranken für seine verschiedenen Beschwerden verschiedene Hatha Yoga Techniken zeigen, dass es ihm dann besser geht. Dieses System basiert auf dem allgemein gültigen Konzept, dass verschiedene Beschwerden zu verschiedenen Gruppen gehören. Der Zusammenhang des ganzen Organismus findet so keine Beachtung.

Die Energie im Körper zu konservieren, ist ein weiterer wichtiger Aspekt von Gesundheit, der von den meisten heilenden Wissenschaften ignoriert wurde. Es wird so viel Wert auf Ernährung gelegt, aber die Energiequelle, die darinnen enthalten ist, haben wir vergessen. Es ist wie die positive und negative elektrische Ladung, die ständig pulsiert. Wenn diese beiden Energieformen im Gleichgewicht sind, sind wir gesund. Wenn einer dieser Ströme blockiert, unterdrückt oder schlecht verteilt ist, dann entsteht Krankheit.

Durch Hatha Yoga wurde in der physischen und mentalen Therapie viel erreicht. Krankheiten wie Asthma, Diabetes und Blutdruck können durch Hatha Yoga erfolgreich behandelt werden, während hier die moderne Medizin versagt. Ebenso bei Epilepsie, bei Hysterie und Rheumatismusund vielen anderen Krankheiten chronischer oder konstitutioneller Natur kann durch Hatha Yoga Verbesserung eintreten.

Die psychischen Krankheiten, unter denen die Menschheit leidet, sind nichts weiter als eine Form der Disharmonie im Energiesystem. Wenn wir sie heilen wollen, müssen wir unseren Körper mit anderen Augen betrachten und die Dimension der modernen Medizin erweitern. Der Körper, die Klassifizierung in Krankheiten und das System der Diagnose müssen neu überdacht werden.

Durch Asana und Pranayama können wir den ganzen Körper steuern; mit ihnen können wir nicht nur den Mechanismus eines Elementes verändern, sondern wir gewinnen Kontrolle über die gesamte Hirnstruktur und den Geist, das Kontrollsystem. So werden wir fähig, unser Leben und die Energie in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Der tiefere Sinn von Hatha Yoga

In den letzten vierzig Jahren hat sich Hatha Yoga überall auf der Welt einen therapeutischen Namen gemacht, viele wissenschaftliche Untersuchungen wurden auf diesem Gebiet gemacht. Der Mensch ist krank, und die Medizin ist überfordert. Durch Hatha Yoga kann jedem geholfen werden, und das sollten wir nicht unterschätzen; trotzdem ist es nicht das letztendliche Ziel.

Hinter jedem Kranken steht ein spiritueller Mensch. Hinter jedem Diabetiker ist ein Yogi. Hinter dem Menschen, der an Depression leidet, ist ein spirituell Suchender. Wenn jemand dich um Hilfe fragt, dann empfehle ihm Yoga, so dass er sich besser fühlt. Aber Yoga sollte nicht damit enden, sondern den Menschen in das spirituelle Reich seines Lebens weiter getragen werden.

Diesen Fehler machen die meisten Yogalehrer im Westen. Sie lehren ihre Schülern mit Arthritis, Rheuma oder Schlaflosigkeit einige Übungen, und das ist alles. Sie unterlassen es, die ganze Persönlichkeit zu behandeln, so kann die Ebene der Schüler nicht angehoben werden. Nur allein die Gesundheit zu verbessern, reicht nicht aus, auch die Mentalität muss gesunden, die Natur, die Persönlichkeit, die ganze psychologische und psychische Struktur muss sich verwandeln. Du solltest nicht nur frei von Krankheit sein, sondern die Freiheit von den Fesseln des Geistes erleben. Der wahre Geist von Hatha Yoga sollte heute von allen Yogalehrern weiter getragen werden.

Hatha Yoga - das Fundament der Tantralehre

Hatha Yoga ist eine sehr bedeutende Wissenschaft. In früherer Zeit übte man Hatha Yoga als Vorbereitung, um höhere Bewusstseinsstufen erklimmen zu können. Der wahre Sinn dieser großen Lehre ist heute fast in Vergessenheit geraten. Die Rishis und Eingeweihten der Vergangenheit sahen in den Hatha Yoga Übungen eine Hilfe für die Evolution der Menschheit, aber der tiefere Einblick und das Verständnis dafür sind heute minimal. Man kann immer wieder hören: 'Oh, ich übe nicht die Meditation, ich mache nur körperlichen Yoga, Hatha Yoga.' Es ist an der Zeit, diese Vorstellung zu korrigieren.

Ida und Pingala

Hatha Yoga beinhaltet zwei wichtige und vitale Systeme des Körpers - die Kräfte von Sonne und Mond, die in Tantra und Hatha Yoga als Idaund Pingala bekannt sind. Ida ist Symbol für die Mentalkraft und Pingala ist Symbol für die pranische Kraft. Diese beiden Kräfte arbeiten in Wechselwirkung miteinander, d.h. sie steuern, führen und lenken die Sinne der Handlung und des Erkennens. Durch sie leben wir, bewegen uns, denken und wissen.

Die pranische und die mentale Kraft werden durch die Nadis Ida und Pingala geleitet, die sich in der Struktur der Wirbelsäule befinden. Sie entspringen aus jedem Chakra und gelangen auf dem Wege des Nadinetzes zu den jeweiligen Organen und Körperteilen. In den alten tantrischen Schriften kann man lesen, dass im physischen Körper zweiundsiebzigtausend dieser Nadis existieren. Ich glaube, dies ist nur eine vorsichtige Schätzung. Ein Nadi ist kein Nerv, sondern bedeutet Fluss oder Strom, sowie Elektrizität, eine Radiowelle oder ein Laserstrahl ein Strom ist. Auf zweiundsiebzigtausend Bahnen werden diese zwei in Wechselwirkung miteinander stehenden Energien Ida und Pingala von einer Pore des menschlichen Körpers zur anderen getragen. Es gibt nicht einen einzigen Punkt in diesem Körper, wo diese beiden Kräfte nicht in Wechselwirkung miteinander stehen.

Die Hatha Yoga Übungen sind dazu gedacht, ein Gleichgewicht zwischen Ida und Pingala - Prana und Gemüt - herzustellen. Wenn die Prana Kraft überhand nimmt und die Mentalkraft geschwächt ist, gerät der Leib durch Prana Überschuss in Unordnung. Wenn jedoch die Mentalkraft überhand nimmt und die Prana Kraft nachlässt, dann entstehen Gemütskrankheiten. Hier liegt die Erklärung für psychosomatische und somatischpsychische Erkrankungen. Nicht jede Krankheit entspringt im Gemüt, sie können auch im Körper ihren Ursprung haben. Der Körper ist Teil des Gemüts und das Gemüt ist Teil des Körpers, es sind keine voneinander getrennten Existenzen. Sie manifestieren sich unterschiedlich, nämlich als Körper und Gemüt, aber in der Essenz sind sie eins.

Shatkarma - die Lehre der Reinigung

Um das Gemüt zu läutern, ist es notwendig, den Körper als Ganzes einer totalen Reinigung zu unterziehen. Hatha Yoga ist auch als Reinigungslehre bekannt, in der es nicht nur eine, sondern sechs verschiedene Reinigungsarten gibt. Man kann einen Einlauf machen, was eine gewisse Art der Reinigung ist; Shankhaprakshalana ist ebenfalls eine. Die Reinigung des gesamten Nervensystems ist ebenfalls Teil von Hatha Yoga. Außer der Reinigung des Körpers müssen wir die Nadis reinigen. Auf sechs verschiedenen Wegen werden sechs verschiedene Unreinheiten des Körpers gereinigt. Wenn wir den Körper von diesen Unreinheiten befreien, können die Nadis wieder arbeiten und Energieblockaden werden gelöst. Die Energien können sich dann wie Wellenfrequenzen auf dem Wege des Leitungsnetzes im Körper bewegen und sich bis zum Gehirn fortsetzen.

Aus diesem Grunde betrachten wir Hatha Yoga als vorbereitende Übung zu Tantra, Kundalini Yoga und Kriya Yoga. Für die Rishis war Hatha Yoga keine Yogatherapie. Wenn Yoga auch eine sehr wirkungsvolle Behandlungsmethode bei vielen unheilbaren Krankheiten ist, so sehe ich diesen therapeutischen Effekt doch mehr als nebensächlich und zufällig. Das Hauptanliegen von Hatha Yoga besteht darin, eine absolute Ausgewogenheit der miteinander in Wechselwirkung stehenden pranischen und mentalen Kräfte herzustellen. Erst wenn dieses Gleichgewicht hergestellt ist, werden Impulse erzeugt, die Sushumna Nadi in unser Bewußtsein holen. Dieses ist die wichtigste Kraft, die dafür vorgesehen ist, höhere Zentren des menschlichen Bewusstseins zu erleuchten. Der wahre Sinn von Hatha Yoga besteht also nicht darin, den Körper zu kräftigen und die Gesundheit zu verbessern, sondern die höheren Zentren, die für die Evolution des menschlichen Bewusstseins verantwortlich sind, zu erwecken und mit Energie zu füllen. Wenn Hatha Yoga nicht in diesem Sinn genutzt wird, dann geht man am eigentlichen Sinn vorbei.

Die Basis einer Transformation

Die Solarkraft symbolisiert die Sonne oder auch Prana, die Lunarkraft symbolisiert den Mond oder auch das Gemüt. Diese beiden Kräfte erhalten den Rhythmus von Leben und Bewusstsein. Dieses ist eine Stufe der Evolution, aber die Menschheit muss sich weiterentwickeln. Wenn eine Zivilisation sich nicht auf evolutionären Linien aufbaut, dann ist der Mensch mit Krankheit, Tod und völliger Auslöschung konfrontiert. Wir können die Evolution nicht ignorieren.

Alles in diesem Universum entwickelt sich weiter, selbst ein Stein. Wenn es Metamorphose in jedem Teil der Schöpfung gibt, warum nicht auch im menschlichen Bewusstsein? Transformation ist ein wissenschaftlicher Tatbestand, es ist nicht Philosophie, Vertrauen oder Glaube. Es ist der Weg der Evolution und gibt dem Leben überhaupt erst Bedeutung. Der physische Körper durchläuft fortwährend verschiedene Transformationsprozesse, die jedes einzelne Molekül der materiellen Substanz beeinflussen.

Die Menschen erkennen heute, dass Materie letztendlich gleich Energie ist. Deshalb müssen wir auch neu analysieren und beschreiben, was der Körper ist und wie weit sich eine Transformation auswirken kann. Kann der Körper in Lichtteilchen verwandelt werden? Denke einmal mit wissenschaftlichem Hintergrund darüber nach, nicht mit dem Glauben, den du bis heute hattest.

Wenn dieser Körper einen Zustand der Metamorphose durchlaufen kann, müssen wir fragen, wie es zu machen ist und erhalten die Antwort: Durch Yoga. Durch den yogischen Prozess wird der Körper so fein und rein geputzt, dass er in einen yogischen Körper transformiert wird, der durch Krankheit und Alter unbeeinflusst bleibt.

Wir üben Hatha Yoga, um einen Prozess im physischen Körper in Gang zu bringen, durch den pranische Moleküle und Mentalkräfte, die in jedem Moment unseres Lebens und unserer Existenz in Wechselwirkung stehen, transformiert werden können. Solange die physischen Moleküle nicht transformiert sind, ist es wertlos, über Mitleid und Einheit zu diskutieren.

Eine große Herausforderung ist uns offen! Wenn Materie in seiner Urform Energie ist, dann kann dieser physische Körper durch die sechs Reinigungstechniken von Hatha Yoga in Energie verwandelt werden.

Diese Techniken sind:

  • Neti
  • Dhauti
  • Basti
  • Nauli
  • Kapalbhati
  • Trataka

Danach folgen Asanas und Pranayamas.

Die Dimensionen von Prana

Hatha Yoga ist die Vorbereitung für Pranayama. Die meisten Menschen halten Pranayama für reine Atemübungen, obwohl sie sehr viel mehr beinhalten. Das Sanskritwort 'ayama' bedeutet Dimension, nicht Kontrolle. Pranayama wird also geübt, um die Dimensionen von Prana auszudehnen.

Vor Jahren wollte ich über diese Dimensionen etwas wissen. Hat Prana viele Existenzebenen und auf welcher dieser Ebenen fließt es? Was geschieht, wenn Prana nicht fließt? Zu dieser Zeit hatte ich einen Traum: Ich sah eine wunderschöne Stadt; die breiten Straßen waren mit Beleuchtungskörpern ausgerüstet; ich ging in die Häuser und fand Lampen, Telefone, Fernseher und vieles mehr, aber es gab keine Elektrizität. Die ganze Stadt war in vollkommener Finsternis.

Auch in uns gibt es Ebenen der Existenz, Bereiche des Bewusstseins, die in vollkommener Finsternis sind. Diese Ebenen sind sehr viel schöner und schöpferischer als die, auf denen wir heute leben. Aber wie können wir in sie eindringen und sie erleuchten? Es bringt uns nicht weiter, wenn wir über die verschiedenen Ebenen des Bewusstseins reden, wir müssen in der Lage sein, sie zu erfahren, so wie wir Traum oder Schlaf erfahren. Wenn die pranische Energie durch Pranayama Übungen erwacht und aufsteigt, dann kreist sie zu den dunklen Bereichen des Bewusstseins. Dann wird die innere Stadt erleuchtet, der Mensch wird in einer neuen Dimension seiner Existenz, einem neuen Erfahrungsbereich wiedergeboren.

Die praktische Seite von Hatha Yoga

Wenn man diese umwandelnden Erfahrungen machen möchte, dann muss man die Übungen von Hatha Yoga und Pranayama vervollkommnen. Natürlich sollte man auch die Regeln und Empfehlungen beachten. Das bedeutet nicht, dass man nun alle Freuden des Lebens aufgeben muss, aber wie du weißt, kannst du nicht den Kuchen haben und gleichzeitig essen. Wenn du dich daher entschließt, einen anderen Bereich deines Bewusstseins zu betreten, dann musst du bereit sein, einige der Dinge zu opfern, die mit den Übungen von Pranayama und Hatha Yoga nicht zu vereinbaren sind. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt, der einbezogen werden muss. Ich möchte aus diesem Grunde nochmals daran erinnern, dass die Übungen von Hatha Yoga, Asanas und Pranayama in ihrer ursprünglichen Form dafür gedacht waren, die Qualität des menschlichen Bewusstseins zu entwickeln, nicht nur das Gemüt und mit dieser Einstellung können wir durch die Übungen Fortschritte machen.

Neti ist eine einfache Übung; warmes, mit Meersalz gesalzenes Wasser wird durch ein Nasenloch hineingegossen und zum anderen Nasenloch läuft es heraus. Durch Übung wirst du lernen, einen Becher mit kaltem Wasser direkt in beide Nasenlöcher zu nehmen und du wirst fühlen, wie kühlend und erfrischend das ist.

Die verschiedenen Übungen von Dhauti betreffen hauptsächlich die Reinigung des Verdauungstraktes. Kunjal, die Magenwäsche, führt man so aus, dass man Salzwasser trinkt und es wieder ausbricht. Durch Vastra Dhauti wird die Speiseröhre und der Magen von Schleim gereinigt, indem man einen langen Stoffstreifen schluckt und ihn wieder herauszieht. Shankhaprakshalana gibt dem ganzen Verdauungstrakt eine vollständige Wäsche und Überholung. In dieser Übung trinkt man ca. 16 Glas Salzwasser und macht eine Serie von fünf Asanas zwischen jeweils zwei Glas Wasser. Dadurch wird der ganze zersetzte und faul riechende Schleim aus den Därmen entfernt.

Basti ist das yogische Klistier. Hier wird Wasser oder Luft durch den Anus eingesogen und wieder ausgestoßen.

Nauli, das Rollen des Unterleibs, stärkt den Unterleib und entfernt alle Arten von Unterleibserkrankungen.

Kapalbhati, die vordere Blasebalgatmung, reinigt den vorderen Bereich des Gehirns und bereitet das Gemüt auf die Meditation vor.

Trataka ist eine Konzentrationsübung, in der du das Gemüt unter Kontrolle bringst, indem du die Pupillen steuerst. Hierbei fixiert man einen Konzentrationspunkt, z.B. die Flamme einer Kerze oder einen schwarzen Punkt. Starre eine Minute auf diesen Punkt, schließe dann deine Augen und visualisiere den Gegenpunkt im Augenbrauenzentrum.

Hatha Yoga und Pranayama sind die Grundfesten von Kundalini Yoga und Tantra. Ich komme aus der Vedantatradition, aber ich erkenne, daß Philosophie intellektuell ist, wir aber den Punkt der Evolution durch den Intellekt niemals erreichen können. Der Intellekt wird für das spirituelle Erwachen zu einer Barriere. Es gibt sehr gute Wege, ihn zu transzendieren, von denen ich viele ausprobiert und Pranayama als den besten erkannt habe.

Pranayama und Hatha Yoga

Es gibt viele Schriften über die Pranayamalehre. Nadi Shodhana Pranayama ist die Reinigung der Energiebahnen. Zuerst atmet man durch das linke Nasenloch ein (was die rechte Hirnhemishpäre anregt); nun hält man den Atem an; dann atmet man durch das rechte Nasenloch aus (was die linke Hirnhemisphäre anregt); wieder hält man den Atem an. Ein- und Ausatmen ist ein automatischer Vorgang. Kumbhaka, das Anhalten des Atems, ist das, was man unter Pranayama versteht und es braucht Jahre, bis man diese Übung vervollkommnt hat. Wenn du durch das Üben von Pranayama Fortschritte gemacht hast und den Atem bequem anhalten kannst, dann fügst du die Bandhas hinzu: Moola Bandha (die Kontraktion des Perineums), Uddiyana Bandha (Unterleibskontraktion) und Jalandhara Bandha (den Kinnverschluss). Hierdurch wird die erhöhte Energiezufuhr im ganzen Körper unter Kontrolle gehalten und ausbalanciert.

Wenn du Pranayama übst, brauchst du dich um das Gemüt nicht zu sorgen, auch wild herum springende Gedanken brauchst du nicht zu beachten. In dem du einfach weiter übst, treibst du pranische Kraft in die verschiedenen dunklen Bereiche deines Bewusstseins und das Gemüt löst sich in Luft auf. Der Gedankenschwall ist beendet. Gedanken sind Eindrücke. Du liest diesen Artikel, das ist ein Eindruck. Du nimmst diese Eindrücke nacheinander wahr und glaubst deshalb, dass sie sich bewegen. Aber Gedanken bewegen sich nicht - sie reisen nicht in die Vergangenheit, in die Gegenwart, in die Zukunft - sie sind einfach da, das ist alles.

Wenn du die Struktur des physischen Stoffes veränderst, dann verändert sich automatisch die mentale Substanz. Das Gemüt ist eine weitergehende Manifestation des Körpers und wenn du das Gemüt beeinflusst, dann beeinflusst du damit auch den Geist. Körper, Gemüt und Geist sind also nicht 'die Dreiheit' - sie sind Einheit, Eins. Dieses zu begreifen verbirgt sich hinter den Übungen von Pranayama und Hatha Yoga.

In Indien kennt man die Übung Bhoo Samadhi (Untergrund Samadhi). Der Yogi wird unter der Erde begraben und bleibt dort im Trancezustand für einige Tage, wobei sein Atemrhythmus und sein Metabolismus beachtlich sinken.

Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass ein normaler Mensch in einer solchen Situation nach zwei Stunden sterben würde. Aber einige Yogis können das Tempo ihrer physischen Prozesse willentlich reduzieren, so dass damit auch der Sauerstoffverbrauch erheblich sinkt.

1977 wurde der einhundertzwei Jahre alte Swami Satyamurti für neun Tage unter der Erde begraben. Nach sechs Tagen wurde er klinisch für tot erklärt. Instrumente, die seinen Puls aufzeichneten, zeigten an, dass sein Herz stille stand, was bedeutete, dass sein Gehirn ohne Sauerstoffversorgung war. Am neunten Tag stand er aus seinem 'Grab' auf und war bei bester Gesundheit, was von Ärzten und Wissenschaftler bestätigt wurde, die dieser Demonstration beiwohnten.

Das war eine Meisterleistung. Vielleicht nicht unbedingt eine spirituelle, aber für die Wissenschaft ganz sicher. Durch Pranayama kann man die unwillkürlichen Prozesse von Körper, Gehirn und Gemüt unter Kontrolle bringen. Kontrolle über diese Prozesse befähigen dich, den Verlauf und das Schicksal deines Lebens zu bestimmen und ebenso deines Todes.

Hatha Yoga ist eine große Wissenschaft, jeder kann sie nach seinen Möglichkeiten üben. Vielleicht nicht alles davon, aber zumindest einige der Techniken kann man jeden Tag machen. Hatha Yoga Techniken zusammen mit Asanas und einigen der Pranayama Übungen reichen für die meisten Menschen aus. Ich achte die Meditation sehr, aber ich glaube, es ist notwendig, diese drei vorbereitenden Glieder zuerst zu machen. Wenn es notwendig ist, kann man dann weitergehen. Wenn die Vorbereitung vollkommen ist, ist es nicht mehr nötig, Meditation von irgendjemandem zu lernen. Eines schönen Morgens, während du Pranayama übst, wird dein Gemüt empor getragen in ein neues Reich des Bewusstseins.

(Aus: Yoga Heft Nr. 24) - Swami Satyananda Saraswati

Shatkarmas - eine alte Reinigungstechnik für den modernen Menschen

Das Wort Gesundheit kommt von dem Begriff Ganzheit. Es ist sicher nicht verkehrt zu behaupten, dass bis vor kurzem die Vorstellung von Gesundheit in der Abwesenheit von Krankheit bestand. In der westlichen Medizin ist man dieser Frage in Teilbereichen näher gekommen. Man weiß heute sehr viel mehr über die Körperfunktionen, die Physiologie, sowie die gröbere und feinere Körpergestalt, der Anatomie; ganz besonders, was das Gehirn, das Nerven- und das endokrine Drüsensystem betrifft. Sehr detaillierte Forschungen betreffen eine Vielzahl der Krankheitsverläufe (Pathologie) des Menschen. Aber trotzdem hat man kaum versucht, all diese Forschungsarbeit über den Körper in Zusammenhang zu bringen mit den mentalen Abläufen, ausgenommen in dem Gebiet der Endokrinologie.

Anderseits sind intensivste Forschungen mit den mentalen Abläufen auf dem Gebiet der Psychologie und der Psychiatrie betrieben worden, aber meistens ohne die Körperabläufe miteinzubeziehen. Der Schwerpunkt ist einfach falsch gesetzt – anstatt unsere Anstrengung auf die Erforschung gesunder Menschen zu legen, studieren wir Krankheit, Störungen, die den Körper oder den Geist befallen können. Wir sollten lebendige Körper studieren und nicht tote; wir sollten gesunde und befreite Gemüter studieren und nicht gestörte und begrenzte. Wir sollten unsere Anstrengungen in eine positive Richtung legen, und das ist der Weg von Yoga.

Vor vielen tausend Jahren haben die Yogis sich einem Prozess der Selbsterforschung unterzogen, der spirituellen Frage nach dem Sinn des Lebens und der Entfaltung aller menschlichen Potentiale; und dabei erkannten sie, dass diese Frage nur auf guten Grundmauer wachsen kann – auf strahlender Gesundheit; nicht nur auf der Abwesenheit von Krankheit, sondern auf Fülle und Überfluss von Vitalität und Energie. So entwickelten sie Techniken der Selbstbehandlung und Krankheitsvorsorge, um ihrer Frage weiter nachgehen zu können, ohne durch Schmerz und Krankheit daran gehindert zu werden.

Im Mittelpunkt dieser Techniken steht eine Übungsgruppe, die das Entscheidende in den Hatha Yoga Shatkarmas ist, den Reinigungsmethoden. Zusammen mit Asanas, Pranayama, kreativer Meditation und Entspannung sind dies die Übungen, die sich als Yoga-Therapie verselbständigt haben.


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