Manipura Chakra

Bild des Yantras von Manipura Chakra

Was ist das Manipura Chakra?

Das Wort Manipura setzt sich aus zwei Sanskritwörtern zusammen: mani„Juwel“ – und pura„Stadt“. Manipura bedeutet also: „Stadt der Juwelen“. In der tibetischen Tradition wird dieses Chakra Mani Padma genannt: „ein mit Edelsteinen besetzter Lotos“.

Für das Erwecken von Kundalini Shakti ist Manipura ein bedeutungsvolles Zentrum. Aus dieser Quelle schöpfen wir Dynamik, Energie und Willenskraft, dieser Quelle entspringt der Wunsch, etwas zu erreichen. Manipura kann mit der sengenden Hitze und der Kraft der Sonne verglichen werden, ohne die ein Leben auf Erden nicht möglich wäre. Genauso wie die Sonne unentwegt die Planeten erwärmt, so wird vom Manipura Chakra pranische Energie durch den ganzen Menschen geleitet und verteilt. Diese Energie steuert und stimuliert die Aktivität der verschiedenen Organe, Systeme und Lebensabläufe.

Zu schwache Energie erzeugt kein loderndes Feuer, sondern gleicht eher verlöschender Glut. Ist jemand in einem solchen Zustand, dann fehlt jegliche Vitalität und Energie. Eine labile Gesundheit wird ihn an allem hindern, er wird unter Depressionen und mangelnder Motivation leiden, und das Gefühl der Verantwortungsfreude wird ihm fehlen. Deswegen ist das Erwecken von Manipura vorrangig, nicht nur für den Sadhaka, sondern für jeden, der sich an seinem Leben erfreuen will. 

Die Lokalisierung des Manipura Chakras

Manipura Chakra befindet sich an der Innenwand der Wirbelsäule, in Höhe des Bauchnabels, während sich das Kshetram im Nabel befindet. Daher wird dieses Chakra auch Nabelchakra genannt. Anatomisch hat dieses Chakra eine Verbindung mit dem Sonnengeflecht (Solarplexus), das den Stoffwechsel und die Körperwärme reguliert und entsprechend für die Verdauung verantwortlich ist.

Die traditionelle Symbolik und Bedeutung des Manipura Chakras

Manipura wird als Lotos mit zehn leuchtend gelben Blütenblättern symbolisiert. In manchen der tantrischen Schriften wird die Farbe des Lotos mit schwer herunterhängenden Regenwolken verglichen. Auf jedem der Blütenblätter steht einer von den zehn folgenden Buchstaben aus dem Sanskrit in der Farbe eines blauen Lotos (Bija Mantras):

pham, dam, dhamnam, tam, tham, dam, dham, nam, pam

Den Mittelpunkt des Lotos bildet ein loderndes Feuer, was durch ein feurig rotes, nach unten gerichtetes Dreieck dargestellt wird und wie die aufgehende Sonne leuchtet. An jeder der drei Seiten des Dreiecks befindet sich das Zeichen des Swastika, das auch Bhupura genannt wird und die Form eines T hat. Im unteren Teil sieht man einen Widder, das Tiersymbol für Manipura.

Der Widder ist Ausdruck für Dynamik und unermüdliche Ausdauer. Über dem Widder ist das Bija Mantra für Manipura, ram. Im Bindu residieren die göttlichen Aspekte Rudra und Lakini. Rudras Farbe ist ein reines Zinnoberrot, und er ist mit weißer Asche beschmiert. Er hat drei Augen und sieht uralt aus. Lakini als die Wohltäterin aller hat vier Arme, eine dunkle Hautfarbe und einen leuchtenden Körper. Sie trägt ein gelbes Gewand, ist mit verschiedenen Ornamenten geschmückt und schwelgt im Genuss von Nektar.

Das Tanmatra ist das Sehen. Das Jnanendriya als Organ des Wissens sind die Augen, und das Karmendriya als Organ der Handlung sind die Füße. Augen und Füße sind in gleicher Weise eng miteinander verbunden, wie das Sehen und die vorsätzliche Handlung voneinander abhängig sind.

Manipura gehört zu Swaha Loka, der göttlichen Seinsebene. Es ist die letzte Stufe der sterblichen Existenz. Das vorherrschende Guna ist Rajas (Aktivität, Intensität, Habgier), während in den unteren Chakras Tamas vorherrscht (Trägheit und Negativität). Das Tattwa ist Agni, das Feuerelement, das in Kundalini Yoga eine wichtige Rolle spielt. Das zu Manipura gehörende Vayu ist Samana. Samana Vayu steuert die Verdauung und verteilt die Essenz der Nahrung im ganzen Organismus. Manipura ist zusammen mit Swadhisthana Chakra der Sitz von Pranamaya Kosha.

In den Yoga Schriften steht geschrieben, dass dem Mond ein Nektar, der Nektar der Unsterblichkeit, innewohnt, der in Bindu seine Quelle hat. Von dort tropft er zu Manipura hinunter und wird von der Sonne verzehrt. Das Ergebnis ist eine ständig fortschreitende Degeneration, die zu Alter, Krankheit und Tod führt. Dieser Prozess lässt sich jedoch im menschlichen Körper umlenken, indem die pranischen Kräfte durch bestimmte yogische Übungen von Manipura zum Gehirn hinauf geleitet werden. Wer diese Techniken nicht beherrscht, wird Vitalität schnell vergeuden und sich in weltlichen Angelegenheiten verlieren.

Die Meditation auf Manipura Chakra führt zu tiefem Verständnis des gesamten physischen Körpers. Ist dieses Zentrum gereinigt und erwacht, wird der Körper leuchtend und frei von Krankheit, und das Bewusstsein des Yogis fällt nicht mehr in die unteren Ebenen zurück. 

Das Zentrum des Erwachens

In der buddhistischen Tradition und auch in vielen tantrischen Schriften heißt es, dass Kundalini in Manipura erwacht und nicht in Muladhara. Einige tantrische Traditionen erwähnen Muladhara und Swadhisthana nicht einmal, weil diese beiden Zentren den höheren Bereichen des animalischen Lebens zugeordnet werden, während von Manipura aufwärts die höheren menschlichen Möglichkeiten zum Vorschein kommen.

Muladhara ist demnach der Sitz von Kundalini, Swadhisthana ihre Wohnstatt und Manipura der Ort ihres Erwachens. Das bezieht sich anscheinend darauf, dass der Erweckungsprozess von Manipura aus nicht mehr durch eine Regression des Bewusstseins gebremst werden kann. Bis zu diesem Punkt kann Kundalini viele Male erwachen und ein wenig aufsteigen, um sich dann jedoch wieder zurückzuziehen. Mit dem Erwachen in Manipura ist ein solcher Rückfall nicht mehr möglich.

Das Bewusstsein in Manipura zu festigen und das Erwachen aufrechtzuerhalten, ist nicht einfach. Der Sadhaka muss ernsthaft sein und sich um weiteres Erwachen bemühen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass sich Kundalini bei ernsthaft Suchenden meistens schon in Manipura aufhält.

Wenn du vom spirituellen Leben angezogen bist, Yoga praktizierst und den drängenden Wunsch verspürst, einen Guru zu finden und ein Leben mit höheren Idealen zu leben, gleichzeitig aber auch dein gewohntes Leben nicht missen möchtest, bedeutet das, dass sich Kundalini nicht mehr in Muladhara befindet, sondern bereits in Manipura oder in einem der höheren Zentren.

Zusammenlenken von Prana und Apana

Die tantrische und yogische Lehre enthält einen wichtigen Zweig, der Swara Yoga genannt wird und das ist die Wissenschaft vom Atem. Auch in Swara Yoga ist es das Ziel, Kundalini zu erwecken. Diesem System gemäß wird Prana als alles durchdringende Lebensenergie so aufgeteilt, dass verschiedene Bereiche des Körpers von ganz bestimmten Energieformen gesteuert werden. Es sind die fünf Vayus mit den Namen Prana, Apana, Vyana, Udana und Samana. Eine wichtige Verbindungsstelle der beiden Vitalkräfte Prana und Apana befindet sich im Bereich des Nabels.

Prana bewegt sich zwischen Nabel und Hals auf- und abwärts, Apana fließt zwischen dem Perineum und dem Nabel auf und ab. Diese beiden Energieströme sind normalerweise wie zwei Waggons eines Zuges aneinander gekoppelt. Mit dem Einatmen wird es so empfunden, als wenn sich beide Ströme gleichzeitig aufwärts bewegen, Prana vom Nabel zum Hals und Apana von Muladhara zum Nabel.

Mit dem Ausatmen ist es, als wenn sich beide Ströme abwärts bewegen, Prana vom Hals zum Nabel und Apana von Manipura zu Muladhara. Sie verändern ihre Richtung mit dem Ein- und Ausatmen. Auf diese Weise sind Prana und Apana eng aneinander gekoppelt, ohne sich vereinigen zu können.

Diese Bewegung lässt sich gut nachvollziehen, wenn der Atem auf den psychischen Wegen in völlig entspanntem Zustand wahrgenommen wird. Die Wege befinden sich an der Vorderseite des Körpers zwischen den Zentren im Perineum, im Nabel und im Hals. Indem durch bestimmte Kriyas die bewusste Steuerung möglich wird, kann Apana von Prana losgelöst werden. Während Apana sich normalerweise von Manipura abwärts bewegt, wird der Fluss nun umgedreht, sodass Prana und Apana zueinander fließen und im Nabelzentrum zusammentreffen. Durch diese Vereinigung kann das Manipura Chakra erweckt werden.

Es heißt, dass Kundalini in Muladhara erwacht und sich wie eine zischende Schlange spiralförmig nach oben bewegt. Wenn sich der Prana Strom und der umgeleitete Apana Strom im Nabelzentrum treffen, kann Kundalini in Manipura mit voller Wucht erwachen. Zwei große Kräfte kollidieren miteinander und vereinigen sich dann an dieser pranischen Verbindungsstelle, dem Manipura Kshetram.

Durch ihre Vereinigung erzeugen sie Hitze und Energie, die vom Nabel (Solar Plexus) zum Manipura Chakra im Rückenmark geleitet wird. Es ist genau diese Kraft, die Manipura Chakra erweckt. Die Kraft dieses Sadhanas verursacht eine völlige Umorientierung des pranischen Stroms im Körper, sodass Muladhara überschritten werden kann und die neue Basis für Kundalini das Manipura Chakra wird.

Um das Manipura Chakra zu aktivieren und zu öffnen werden die Reinigungsübungen aus dem Hatha Yoga, verschiedene Asanas, Pranayama, Mudras und Meditation empfohlen. Weitere Informationen gibt es in den Büchern des Ananda Verlags.

Die Perspektive von Manipura

Die menschliche Evolution ist ein Durchschreiten von sieben Ebenen, in der gleichen Weise, wie Kundalini in sieben Chakras erwacht. Wenn sich das Bewusstsein von Manipura weiter entwickelt, wird der Sadhaka eine spirituelle Perspektive gewinnen. Er erhascht einen flüchtigen Blick auf die höheren Ebenen des Seins, die Lokas.

Von Muladhara und Swadhisthana aus ist der Blick auf die höheren Ebenen verstellt. Wegen der begrenzten Wahrnehmung auf diesen unteren Ebenen werden die psychischen Kräfte, die Siddhis, die dort in Erscheinung treten, missbraucht. Erst, wenn der Sadhaka Manipura erreicht, ist er in der Lage, die vor ihm liegende Unendlichkeit des Bewusstseins zu erkennen, das nun nicht mehr länger grobstofflich und empirisch ist.

Es dehnt sich unendlich vor ihm aus, vielversprechend, voller Schönheit und Wahrheit. Alle seine Vorstellungen werden sich mit diesem größeren Überblick völlig verändern. Die persönlichen Vorurteile, Komplexe und Abneigungen fallen in dem Moment ab, wenn die unendliche Schönheit und Vollkommenheit der höheren Welten im Bewusstsein auftauchen.

Solange der Evolutionsprozess auf den Ebenen von Muladhara und Swadhisthana im Gange ist, drehen sich die Gedanken um eigene mentale und emotionale Probleme, und dementsprechend wird die äußere Welt betrachtet. Sobald aber diese Ebenen überschritten sind und Manipura erreicht ist, werden noble Meinungen, geniale Ideen und ein größeres Potenzial des menschlichen Bewusstseins sichtbar. Natürlich wird dann alles, was ein solcher Mensch denkt und tut, von dieser höheren Einsicht geprägt.

Diese Veränderung tritt deshalb ein, weil der Sadhaka nach dem Erwachen von Kundalini in Manipura psychische Kräfte wie Wohlwollen und Mitgefühl erlangt, während die Kräfte, die sich in Muladhara und Swadhisthana zum Ausdruck bringen, noch von den dunklen Aspekten des niederen Geistes geprägt sind.

Die Fähigkeiten, die mit dem Erwachen in Manipura Chakra einhergehen, sind folgende: Kraft, zu erschaffen und zu zerstören, Selbstverteidigung, Veränderung der bis dahin gültigen Wertvorstellung, Furchtlosigkeit gegenüber Feuer, Verständnis für den eigenen Körper, Freisein von Krankheit und die Fähigkeit, die Energie zu Sahasrara zu lenken.

Quelle: aus dem Buch Kundalini Tantra von Swami Satyananda Saraswati

Swami Satyananda: Video mit geführter Meditation zum Manipura Chakra.


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