Yoga und Erziehung

Der Wert von Yoga für ein gutes Erziehungs- und Bildungssystem

Es grenzt an ein Wunder, dass moderne Unterrichtsmethoden die natürliche Neugierde und den Wissensdurst von Kindern noch nicht völlig erstickt haben. Denn was das zarte kleine Pflänzchen neben einer ersten Stimulierung am meisten braucht, ist Freiheit; ohne diese wird es mit Sicherheit zerstört.

Albert Einstein

Während der letzten zwanzig Jahre war all mein Bemühen darauf gerichtet, Yoga in die Häuser und Schulen zu bringen. Während meiner Kindheit wurde Yoga fälschlicherweise als etwas angesehen, das nur für Menschen wichtig sei, die an ihrem Lebensende angekommen sind. Übte jemand bereits in jungen Jahren Yoga, so wurde dies häufig mit dem Kommentar begleitet: "Yoga, jetzt schon?" Selbst heutzutage glauben viele Menschen noch immer, dass Yoga eine Freizeitbeschäftigung für Rentner sei. Ich war jedoch immer schon der Überzeugung, dass es bei Yoga hauptsächlich um die Entwicklung von Körper und Geist geht. Als Kind war mein Verständnis der Yoga Lehre natürlich noch begrenzt.

Den Geist vorbereiten

Wie gehst du vor, wenn du einen Garten anlegen, Blumen und Bäume anpflanzen willst? Streust du einfach überall Samen aus? Viele Menschen machen möglicherweise genau das. Aber dann wird nichts wachsen. Als erstes musst du den Boden vorbereiten, ihn lockern und das Unkraut herausziehen. Erst dann kannst du die Samen aussäen und erst dann werden sie sich zu schönen Blumen, Pflanzen und Frucht tragenden Bäumen entwickeln. Die gleichen Gesetze gelten für den menschlichen Geist. Der Geist muss vorbereitet werden, damit die Samen Wurzeln schlagen können.

Der Geist kann sich in unterschiedlichen Zuständen befinden. Es gibt Zustände, in denen einfach nichts vom Geist angenommen wird. Dir sind sicherlich solche Menschen in deinem Leben schon begegnet. Was immer du ihnen sagst, trifft auf taube Ohren, nichts scheint in ihr Gehirn einzudringen. Sie gleichen einem harten Boden, wo die fruchtbarsten Samen nicht aufgehen und gedeihen können, egal wie sehr du dich bemühst. Es gibt aber auch einige Menschen, die wie ein weicher, lockerer Boden sind. Sie sind für das, was du ihnen sagst, offen und empfänglich. Sie verfügen über einen sogenannten rezeptiven, einen aufnahmefähigen Geist. Daher ist es in der Übung und in der Vermittlung von Yoga von zentraler Bedeutung, dass wir uns bemühen, die Qualität des Bewusstseins zu transformieren. Dann kann alles im Geist Wurzeln schlagen, es gibt keinerlei Hindernisse.

Als mir dies vor vielen Jahren bewusst wurde, begann ich mit Yoga zu experimentieren. In meinen ersten Projekten erprobte ich die Wirkung von Yoga Übungen auf zahlreiche Kinder. Ich war zwar nicht immer und überall erfolgreich, aber ich konnte mit Hilfe dieser Experimente bestimmte Schlussfolgerungen über den Einfluss von Yoga Übungen auf den menschlichen Geist ziehen.

Das Erhalten einer aktiven Zirbeldrüse

Meine erste Schlussfolgerung bezog sich auf eine bestimmte Drüse im menschlichen Körper, die sogenannte Zirbeldrüse oder Epiphyse. Diese winzige, am oberen Ende der Wirbelsäule befindliche Drüse hat eine große Bedeutung. So spielte diese Drüse vor Millionen von Jahren eine aktive Rolle bei der Entwicklung des menschlichen Gehirns. Daher verfügten die Menschen damals über größere übersinnliche und spirituelle Kräfte und waren besser in der Lage, ihre Emotionen zu steuern. Im Laufe der Zeit jedoch verkümmerte die Zirbeldrüse. Heutzutage ist sie nur noch in rudimentärer Form vorhanden und wenn wir keine geeigneten Maßnahmen ergreifen, um sie zu erhalten, wird sie in einigen tausend Jahren völlig verschwunden sein.

In der Yoga Lehre gilt die Zirbeldrüse als physische Entsprechung des Ajna Chakras. Mystiker und Okkultisten bezeichnen sie als drittes Auge und Philosophen betrachten sie als den Sitz des Überbewusstseins. Im Kindesalter ist die Zirbeldrüse sehr aktiv. Doch im Alter von acht bis zehn Jahren beginnt sie zu verkalken, und bei älteren Menschen hat sie nur noch einen geringen oder gar keinen Einfluss auf ihr Leben.

Dies ist sehr bedauerlich, da die Zirbeldrüse in der Yoga Lehre als das Organ gilt, das die Abläufe im Gehirn steuert und überwacht. So wie ein Flughafen einen Kontrollturm hat, so hat auch das menschliche Gehirn ein Steuer- und Regulierzentrum, das auch blockiert, also eines, das alle Funktionen des Gehirns steuert. In der Yoga Lehre wird dieses Kontrollzentrum als das Ajna Chakra bezeichnet. Das Wort 'Ajna' bedeutet überwachen, befehlen oder regulieren.

Beginnt die Zirbeldrüse allmählich zu degenerieren, tritt die Hirnanhangsdrüse in Aktion und die Emotionen schießen in die Höhe. Aus diesem Grund sind so viele Kinder in der Zeit der Vorpubertät und Pubertät emotional unausgeglichen und gestört. Die Zirbeldrüse hat eine ausgleichende Wirkung auf die Hirnaktivitäten und sorgt dafür, dass das Gehirn insgesamt aufnahmefähig ist. Ich konnte erkennen, dass Kinder, bei denen die Zirbeldrüse immer noch als Kontrollorgan tätig war, weit aufnahmebereiter waren als jene, deren Zirbeldrüse nicht länger aktiv war.

Meine zweite wichtige Erkenntnis betraf die Nebennieren und zwar, welch wichtigen Einfluss sie auf das moralische Verhalten eines Kindes haben. Kinder mit kriminellen Tendenzen haben gewöhnlich ein überaktives Nebennierensystem. Bei der Erziehung von Kindern spielt dies eine wichtige Rolle.

Stufen der geistigen Entwicklung bei Kindern

In der Yoga Lehre gibt es ganz bestimmte Zweige, die Funktionsweise, Verhalten und Aufnahmefähigkeit des Gehirns steuern. Auch wenn das Gehirn ein hocheffizientes Instrument der Erkenntnisgewinnung ist, unterliegt es auch zeitweise einer Rezession. In bestimmten Fällen arbeitet das Gehirn sehr langsam. In anderen Fällen ist es zwar hochentwickelt, aber der Geist ist zerstreut.

So treffen wir auf Kinder, deren Geist träge ist. Andere wiederum sind sehr intelligent, aber ihre Gedanken sind nicht zielgerichtet. Wieder andere Kinder sind sehr schwankend in ihrer geistigen Tätigkeit - in einem Augenblick reagieren sie auf intelligente Weise und im nächsten Moment wirken sie fast schwachsinnig. Es gibt aber auch andere Kinder, die gleichbleibend sehr intelligent sind.

Trägheit, Zerstreuung, Schwankungen und Zielgerichtetheit sind unterschiedliche Stufen der Entwicklung des menschlichen Gehirns. Bei gleichbleibend intelligenten Kindern ist darauf zu achten, dass sie in der Entwicklung keine Rückschritte machen. Bei Kindern, die sich manchmal intelligent und manchmal dumm verhalten, muss diese Schwankung unterbunden werden. Intelligente Kinder, deren Denken nicht zielgerichtet ist, müssen lernen, wie sie ihre Denkmuster fokussieren können. Zudem müssen wir einen Weg finden, einen trägen Geist in einen intelligenten umzuformen oder zu verwandeln.

Das yogische Erziehungssystem

Es gibt unterschiedliche Methoden, mit deren Hilfe das menschliche Gehirn angeregt werden kann, Wissen aufzunehmen. Während der letzten Jahrzehnte sind immer wieder neue Methoden in das Bildungssystem eingeführt worden. Die älteste Methode ist natürlich die Wissensvermittlung im Klassenzimmer mit Hilfe eines Rohrstocks. Ist das Kind intelligent, erhält es eine gute Note, und ist es dumm, bekommt es ein Mangelhaft. Der Lehrer doziert vorne an der Tafel, schreibt die wesentlichen Punkte an die Tafel, und vom Schüler wird erwartet, dass er alles versteht. Ist dies nicht der Fall, dann fällt er durch. Hierbei handelt es sich um ein Lehrsystem, aber nicht um ein Erziehungssystem.

Wahre Erziehung erstreckt sich auf das Verhalten von Geist und Gehirn. In den letzten Jahrzehnten wurden modernere Lehrmethoden eingeführt, aber auch diese greifen zu kurz, entsprechen nicht den Anforderungen wirklicher Erziehung. Bei fast allen diesen Methoden findet der tatsächliche Lernprozess nur auf intellektueller Ebene statt. Im yogischen System ist der Prozess der Wissensaufnahme ein spontaner Vorgang, der sich auf den tieferen geistigen Ebenen abspielt.

In jedem einzelnen Augenblick unseres Lebens, von Geburt an, nehmen wir ständig Eindrücke auf, die jedoch nicht in der Form registriert werden, in der sie aufgenommen wurden. Sie werden in Form von symbolischen Schwingungen gespeichert. Haben Pädagogen ein System der Wissensvermittlung für Kinder entwickelt, das auf dieser Grundlage funktioniert?

Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Botanik oder irgendein anderes Wissensgebiet kann mit Hilfe von Symbolen unterrichtet werden. Diese Art der Wissensvermittlung muss bei Schülern angewendet werden, die minderbegabt sind. Einem intelligenten Kind kannst du ein bestimmtes Konzept erklären und es wird es begreifen. Ein minderbegabtes Kind versteht jedoch nicht, wovon du redest, denn sein Gehirn, sein Intellekt ist nicht in der Lage, das Wissen, das du ihm anbietest, zu verarbeiten. Daher musst du das Wissen in symbolischer Form direkt an sein Unterbewusstes weiterleiten. Dies entspricht genau der Art und Weise, wie das yogische Erziehungssystem funktioniert.

Ein Experiment mit Yoga Nidra

Das Prinzip von Yoga Nidra kann auf die Wissensvermittlung oder die Entwicklung der Hirnaktivitäten bei geistig trägen Jungen und Mädchen angewandt werden. Lehrer und Eltern sollten fähig sein, mit dem Unterbewussten des Kindes zu kommunizieren. Diese Kommunikation kann nur dann stattfinden, wenn du weißt, wie sich das kindliche Unterbewusstsein entwickeln lässt.

Ich habe viel mit Yoga Nidra experimentiert. So kam zum Beispiel 1964 ein vierjähriges Kind zu mir, um bei mir als Swami zu leben. Da der Junge noch viel zu jung war, konnte ich ihn nicht aufnehmen. Ich sagte ihm jedoch, er solle wiederkommen, sobald er sieben Jahre alt sei, und dann würde ich ihn als Schüler aufnehmen. Zu meiner großen Überraschung verließ der Junge an seinem siebenjährigen Geburtstag sein Zuhause und kam zu mir zurück. Dieses Verhalten verriet mir viel über seinen mentalen Charakter.

Dieser Junge lebte ungefähr acht Jahre bei mir. Während dieser Zeit bereitete er mir zahllose Probleme und Schwierigkeiten. Tag für Tag brach er Dinge entzwei und spielte Besuchern unseres Ashrams Streiche. Er war nicht bereit, zur Schule zu gehen oder etwas zu lernen. Wie bin ich nun damit umgegangen? Ich griff versuchsweise auf die Prinzipien von Yoga Nidra zurück, um ihn zu unterrichten. Sobald er abends schlafen ging, achtete ich auf die Zeit. Fünf Minuten, nachdem er eingeschlafen war, fing ich an, ihm aus der Gita, den Upanishaden, der Bibel oder anderen Werken vorzulesen, entsprechend dem, was ich ihm beibringen wollte. Dies funktionierte sehr gut. Also ging ich in meinem Experiment noch einen Schritt weiter. Ich las ihm in Englisch vor und danach auch in anderen Sprachen. Ich beendete das Experiment nach zwei Jahren und heute ist er einer meiner brillantesten Swamis.

Die physiologische Basis von Yoga

Dieses Beispiel zeigt, wie einem Kind etwas vermittelt werden kann, auch ohne dass es ihm bewusst ist. Der Aufbau des Gehirns kann durch bestimmte praktische Methoden beeinflusst werden. Durch die Übung von Yoga Nidra, Pranayama, Surya Namaskara und das Rezitieren von Mantras können die inneren Bestandteile des Gehirns neu ausgerichtet und ausbalanciert werden. Daher sollte die Wirkung der Yoga Übungen von Pädagogen genau untersucht werden.

Moderne Bildungssysteme können diese Wahrheit nicht einfach ausblenden, indem sie Yoga als ein System körperlicher oder gymnastischer Übungen abstempeln oder behaupten, Yoga wäre die Wissenschaft der anderen Welt. Es wurden bereits viele wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Yoga sollte nicht als ein System betrachtet werden, das wissenschaftlicher Forschung nicht zugänglich ist.

Es wurde bereits erforscht, was sich während der Übung von Pranayama im Gehirn abspielt und auch die heilsame Wirkung von Hatha Yoga ist wissenschaftlich belegt. Die Hatha Yoga Lehre spricht von den Nadis Ida und Pingala, den kalten und warmen Energiewegen. Hierbei wird betont, dass diese Energiewege ihrer Natur nach physiologisch sind. Sie sind keine abstrakten oder symbolischen, sondern reale Energiewege. Diese beiden wichtigen Energiewege verlaufen entlang der Wirbelsäule. Der eine steuert das Gehirn und damit die Fähigkeiten des Bewusstseins, der andere die Lebensenergie und deren Wirkung auf die menschliche Existenz. Daher sollten beide Energiewege offen und ausgeglichen sein, damit sich das Kind in allen Bereichen ausgewogen entwickeln kann.

Tritt in einem der beiden Energiewege eine Blockade auf, dann wird das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen. Wie lässt sich der Zustand des kindlichen Gehirns eines geistig trägen Kindes mit wissenschaftlichen Methoden weiterentwickeln? Es genügt nicht, Kinder als geistig minderbegabt zu klassifizieren und es dabei zu belassen. Ein geistig träges Gehirn kann angeregt werden, indem der entsprechende Energieweg oder das Nadi regeneriert wird. Die Feststellung, dass ein Kind geistig minderbegabt ist, bedeutet nicht automatisch, dass sein Gehirn mechanische oder strukturelle Defekte aufweist. Die Ursache kann auch in einer mangelhaften Energieversorgung des Gehirns liegen. Hatha Yoga gibt hierauf eindeutige Antworten. Durch die Übung von Pranayama werden alle Bereiche des Gehirns mit Prana versorgt, wodurch die Hirnfunktionen in ihrer Gesamtheit erschlossen werden. Das Zirkulieren der Pranas ist daher nicht nur für physische, sondern auch für alle geistigen Aktivitäten von zentraler Bedeutung.

Mit Hilfe von Pranayama werden bestimmte elektrische Aktivitäten im Körper generiert. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass bei der Übung von Pranayama das Gehirn spezielle elektrische Energien aussendet. Bei der Übung von Yoga Nidra, keinesfalls vergleichbar mit dem Vorgang des Schlafens, geschieht Ähnliches. Es wurde nachgewiesen, dass während Yoga Nidra die Alphawellenaktivität intensiviert wird, wohingegen im Schlaf Delta Wellen vorherrschen. So kann also mit der Messung der Hirnaktivitäten eindeutig nachgewiesen werden, ob jemand fest schläft oder sich im Zustand von Yoga Nidra befindet, je nachdem ob Delta oder Alpha Wellen vorherrschen.

Hormonelle Blockaden

Ein weiterer wichtiger, bei der Ausbildung des kindlichen Gehirns zu berücksichtigender Faktor ist die Beseitigung hormoneller Blockaden. So kann eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse Ursache für mentale Dysfunktion sein. Oder die Funktionsweise der Keimdrüsen ist nicht harmonisch, was zu mentaler Trägheit führen kann. Viele Kinder weisen bis zum Alter von 12 oder 13 Jahren eine hohe Intelligenz auf und zeigen danach plötzlich massive Ausfälle. Hier ist die Ursache besonders bei einer Dysfunktion der Keimdrüsen zu suchen. Der Körper nimmt eine bestimmte Menge von Hormonen auf und daraufhin werden bestimmte Abfallprodukte ausgeschieden. Ist dieser Ausscheidungsprozess gestört, dann werden sie erneut vom Körper aufgenommen und das wirkt sich negativ auf die Hirnfunktionen aus.

Den Geist unserer Kinder befreien

Essentiell in der Erziehung von Kindern ist ein Faktor, gegen den leider zumeist verstoßen wird, was eine traurige Tatsache ist. Kinder dürfen sich nicht frei entwickeln, sie unterliegen Zwängen und einer strikten Kontrolle. Ihnen werden Verhaltensweisen aufgezwungen, die ihrer Natur in keiner Weise entsprechen. All dies geschieht, weil wir den Geist unserer Kinder mit unserem eigenen Schatten besetzen. Wir machen uns ein Bild von uns selbst und unseren Kindern, während diese ein anderes Selbstbild haben. Sind die Kinder klein, dann bleibt ihnen keine andere Wahl, als unsere Vorstellung zu übernehmen. In dem Maße, wie sie heranwachsen, beginnen sie sich dagegen aufzulehnen.

Kinder revoltieren in Wirklichkeit nicht gegen ihre Eltern, sondern gegen die Vorstellungen und Denkstrukturen, die diese in ihre Köpfe eingepflanzt haben. Ist dein Zimmer voll mit überflüssigem Mobiliar, dann schmeißt du es raus, nicht weil du daran etwas auszusetzen hast, sondern weil es dich in deiner Bewegungsfreiheit behindert. Genauso wollen Kinder nicht durch die Vorstellungen ihrer Eltern eingeschränkt werden. Sie wollen frei sein, so denken und handeln, wie es ihrer eigenen Natur und ihren eigenen Vorstellungen entspricht. Eltern sind letzten Endes ganz normale Menschen, keine Übermenschen. Nur die wenigsten sind Yogis, Gurus oder sonstige vorbildhaft handelnde Menschen. Eltern streiten sich mit ihren Kindern, da sie emotional reagieren und dies nicht immer kontrollieren können. Sie sind mit ihren Kindern zufrieden oder unzufrieden, weil dies in der Natur von Eltern liegt und sie nicht wissen, dass sich dies auf den Geist ihrer Kinder auswirkt. Wie kann man also Kindern in dieser Situation helfen? Durch die Übung Antar Mouna können die tief im Geist der Kinder eingegrabenen Vorstellungen hervorgeholt und eliminiert werden. Kindern sollte gestattet werden, ihre eigenen Vorstellungen, Phantasien, Gedanken in absoluter Freiheit zu entwickeln. Zuvor muss ihnen jedoch bewusst werden, was sich in ihren Köpfen befindet. Sie sollten Antar Mouna nicht auf sich alleingestellt üben und nicht über längere Zeiträume. Sie sollten diese Methode unter deiner Anleitung und jeweils nur für kurze Zeit üben. Dann werden sie sich nach und nach der Vorstellungen entledigen, die ihnen nicht gefallen oder die ihnen nicht gut tun.

Eltern sind in den Köpfen ihrer Kinder sehr dominant. Es ist jedoch wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder, dass sich die Eltern verabschieden. Solange die Vorstellungen der Eltern das Denken und Fühlen ihrer Kinder dominieren, sind diese nicht in der Lage, selbständig zu werden und zu wachsen. Elterliche Sorge kann bei der Entwicklung des kindlichen Gehirns ein Hindernis sein. Natürlich müssen Eltern für ihre Kinder sorgen. Sie können sie nicht einfach aus dem Haus werfen oder ihr Handeln stillschweigend ignorieren. Es kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem eine vollständige Reinigung des kindlichen Gehirns von den Vorstellungen der Eltern stattfinden muss, was durch Antar Mouna möglich ist.

Mantra und Gedächtnis

Als letztes gilt es, das Problem des Gedächtnisses zu bewältigen. Für Kinder ist alles schwierig, was mit dem Gedächtnis zu tun hat, d.h. das Verschlüsseln, Speichern und Abrufen von Informationen. Diese Prozesse werden zusammengenommen als Gedächtnis bezeichnet. Können die Probleme mit dem Gedächtnis gelöst werden, dann löst sich das größte Bildungshindernis. Eine Methode zur Stärkung des kindlichen Gedächtnisses zu finden, wäre eine wirklich revolutionäre Verbesserung im Bildungssystem. Es wurden bereits die unterschiedlichsten Methoden erprobt. Meine eigene Erfahrung ist, dass das Rezitieren von Mantras der ideale Weg ist, das kindliche Gehirn zu entwickeln. Mantras wirken unmittelbar auf den unterbewussten und unbewussten Ebenen. Mit Hilfe von Mantras, Antar Mouna und Yoga Nidra lässt sich das Gedächtnis bei Kindern entwickeln.

Wie lässt sich Yoga in der Erziehung realisieren

Kinder sollten von Pädagogen sorgfältig in die Yoga Übungen eingeführt werden. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, alle überall auf der Welt durchgeführten Experimente im Bildungssystem zusammenzufassen und auszuwerten. Es wurde bereits viel darüber geschrieben und viel getan. Die wissenschaftlichen Aussagen bzgl. der Wirkung von Yoga auf das Gehirn sowie auf das Bewusstsein und den Charakter sind eindeutig. Es ist an der Zeit, dass Pläne gefasst werden, wie dies in die Praxis umzusetzen ist. Bei dieser Aufgabe sind jetzt die Pädagogen gefragt.

Yoga und Probleme bei Kindern

In Indien werden Kinder traditionell im Alter von acht, neun oder zehn Jahren in die Yoga Übung eingeführt. In der vedischen Tradition geschieht dies in Form einer Einweihung. Dabei werden sie mit Surya Namaskara, Nadi Shodhana Pranayama und dem Gayatri Mantra vertraut gemacht. Auch heute findet diese traditionelle Zeremonie in kleinem Rahmen statt. Wichtig ist jedoch auch, den Yoga Unterricht in den allgemeinen Lehrplan der Schulen aufzunehmen.

Kinder haben viele Probleme, die sie aber nicht erklären können. Sie können ihre Probleme nicht richtig ausdrücken, da ihre Ausdrucksmöglichkeiten und ihre Kenntnis der eigenen psychischen Verfassung noch begrenzt sind. Somit bringen Kinder Probleme gewöhnlich durch ihr Verhalten zum Ausdruck, was nur von Psychoanalytikern richtig gedeutet werden kann.

Den meisten Eltern fällt es sehr schwer, auf solche Probleme in der richtigen Weise zu reagieren, da sie nicht psychologisch geschult sind und eine subjektive Sichtweise auf die Probleme ihrer Kinder haben. Verhält sich zum Beispiel ein Kind arrogant und unfolgsam, dann stempeln seine Eltern es vielleicht als 'ungehorsam' ab und forschen nicht weiter nach, was die Ursache für ein solches Verhalten sein könnte. Will das Kind nicht zuhause bleiben und stattdessen ständig mit seinen Freunden draußen 'herumhängen', ob in guter oder schlechter Gesellschaft, wird es von seinen Eltern vielleicht als Herumtreiber oder Gammler beschimpft. Ein Psychoanalytiker würde versuchen, den Grund für ein solches Verhalten herauszufinden, aber den meisten Eltern ist das nicht möglich. Nicht, weil sie dazu nicht in der Lage wären, sondern einfach, weil sie die Eltern und damit voreingenommen sind.

Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sind häufig emotional unausgeglichen. Ihr körperliches und seelisches Wachstum verläuft nicht in gleichen Schritten. Manchmal ist das physische Wachstum in Bezug auf Gehirn, Nerven- und Hormonsystem größer als die mentale Reife und häufig verhält es sich genau umgekehrt. Hier liegt die Hauptursache für viele Schwierigkeiten, die Kinder in diesem Alter haben.

Wir sollten unangemessenes Verhalten bei Kindern nicht nach ethischen und moralischen Maßstäben beurteilen. Bei einem Überschuss an Nebennierenhormonen z.B. neigt das Kind zu ängstlichem Verhalten. Es ist nicht in der Lage, sich gegenüber Menschen, die ihm Angst machen, zu behaupten. Hat es einen strengen Lehrer in der Schule, so wird es diesen Lehrer meiden und auch das Fach nicht mögen, das dieser unterrichtet. Die Ursache des Problems liegt weder in ethischem oder moralischem noch sozialem Fehlverhalten, sondern ist psycho-physiologischen Ursprungs. Die Adrenalinausschüttung der Nebennierenrinden muss lediglich in ein Gleichgewicht gebracht werden, um den Charakter des Kindes zu verändern und zu stabilisieren. Wer sich mit problematischem Verhalten von Kindern beschäftigen will, sollte die Wirkung der Hormone auf das Gefühlsleben von Kindern studieren. Ähnliche Probleme werden auch durch ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone verursacht. Im Alter von sieben oder acht Jahren beginnt der Degenerationsprozess der Zirbeldrüse. Ist dieser Prozess bis zu einem bestimmten Grad fortgeschritten, dann beginnt im Körper die Produktion von Sexualhormonen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat die Zirbeldrüse das sexuelle Bewusstsein des Kindes ebenso blockiert wie das rasche Wachstum seiner emotionalen und mentalen Persönlichkeit. Sobald die Rückbildung der Zirbeldrüse abgeschlossen ist, nimmt das emotionale Wachstum enorm zu und das Kind ist starken Gefühlsschwankungen unterworfen. Lässt sich jedoch das emotionale Wachstum auf die körperliche Wachstumsrate reduzieren, trägt dies enorm zur Stabilisierung des Kindes bei. Hierzu muss die Rückbildung der Zirbeldrüse aufgehalten werden, was durch die Übung von Shambhavi Mudra (Konzentration der Augen auf das Augenbrauenzentrum) ermöglicht wird.

Die Zirbeldrüse ist von großer Bedeutung. In der Yoga Lehre wird sie als das Ajna Chakra bezeichnet und liegt im Gehirn oberhalb der Medulla Oblongata. Es ist eine sehr kleine Drüse, die als Verschluss dient. Solange die Zirbeldrüse voll funktionsfähig ist, entsteht kein unangemessenes sexuelles Verhalten. Sexualität sollte erst dann in das Bewusstsein des Kindes treten, wenn es fähig ist, seine Reaktionen mental zu steuern und auszugleichen. Steigen sexuelle Phantasien in ihm hoch, bevor es dafür Ausdrucksmöglichkeiten besitzt, kann das emotionale Gleichgewicht des Kindes stark gestört werden. Möglicherweise leidet es dann unter wirren Träumen oder gar Albträumen und ist im Alltag damit beschäftigt, sie aus seinem Bewusstsein zu verdrängen. Gleichzeitig wird es versuchen, in seinem Alltagsleben seine sexuellen Gefühle durch ein Verhalten zu überspielen, das vielleicht das Missfallen anderer Menschen erregt. Erwachen sexuelle Gefühle zu einem zu frühen Zeitpunkt, kann dies den Geist eines Kindes völlig verstören. Bei Ausschüttung weiblicher Sexualhormone beispielsweise treten beim Mädchen Brustdrüsen, Eierstöcke und Uterus gleichzeitig in Funktion. Ist nun die Zirbeldrüse zu früh abgeschaltet, steigen alle diese verwirrenden Gefühle zum falschen Zeitpunkt hoch. Das Kind wird unruhig, da es physisch noch nicht reif genug ist, auf diese neue Entwicklung angemessen zu reagieren.

Daher ist es förderlich für Kinder, Shambhavi Mudra zu üben, um so innerlich auf das Ajna Chakra einzuwirken und den sexuellen Reifungsprozess solange aufzuhalten, bis der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Um diese Übung interessanter zu gestalten, fordern wir das Kind auf, sich gleichzeitig mehrere Dinge vorzustellen. Wir nennen etwa fünfzig Gegenstände und bitten das Kind, die entsprechenden Bilder nacheinander aufzurufen. Seine Achtsamkeit wandert von einem zum anderen, indem es jedes benennt und sich dabei eine Vorstellung macht von einer rosa Rose, einem dahinfließenden Fluss, einem schneebedeckten Berg, einem fahrenden Auto, einem fliegenden Flugzeug, einer Guave, einer Kirche usw.

Es gibt drei Bereiche von Gegenständen, die visualisiert werden können: solche, die das Kind bereits gesehen hat, die es noch nicht gesehen hat, sowie abstrakte Begriffe, wie Liebe/Hass. Diese Übung hilft dem Kind nicht nur, sein psychisches und emotionales Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, sondern entwickelt auch seine Fähigkeit zu visualisieren. Ist es dann später in der Schule gefordert, Geographie, Geschichte und Mathematik zu erlernen, stehen ihm dazu nicht nur die Denkfähigkeit sondern auch die Vorstellungskraft zur Verfügung.

Auch wenn es dazu keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt, bin ich der festen Überzeugung, dass auch andere Yoga Übungen den Degenerationsprozess der Zirbeldrüse aufhalten und sie länger funktionstüchtig erhalten können. Aus diesen Gründen unterrichten wir Kinder in Indien in Surya Namaskara (einer dynamischen Yoga Übung), Nadi Shodhana Pranayama (um die Zirbeldrüse gesund und im Gleichgewicht zu erhalten), Mantras (um den zerstreuten Geist des Kindes herauszufordern) und Shambhavi Mudra, kombiniert mit Visualisierungen (zur Erhaltung der Zirbeldrüse).


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