Ananda Verlag
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Über Yoga Nidra

Yoga Nidra ist eine systematische Methode, um physische, mentale und emotionale Entspannung herbeizuführen. Der Begriff Yoga Nidra wird von zwei Sanskritwörtern abgeleitet: Yoga bedeutet Vereinigung oder auf einen Punkt gerichtet sein; Nidra bedeutet Schlaf. Während der Yoga Nidra Übung scheint man zu schlafen, auf einer tieferen Ebene jedoch ist Bewusstheit vorhanden.

Daher wird Yoga Nidra auch als psychischer Schlaf oder Tiefenentspannung mit innerer Bewusstheit bezeichnet. Auf dieser Schwelle zwischen Wachen und Schlafen wird unwillkürlich die unter und die unbewusste Dimension berührt.

Schnellübersicht Yoga Nidra

Yoga Nidra ist ein ganz bestimmter Bewusstseinszustand, in dem wir uns auf der Grenzlinie zwischen äußerer und innerer Welt befinden, nicht ganz wach, aber auch nicht im tiefen Schlaf. In diesem kraftvollen Zustand erfahren wir körperliche Ruhe, emotionalen Frieden, mentale Klarheit, Aufblühen unseres kreativen Potenzials, tiefes Einssein mit unserer inneren Persönlichkeit und die Kraft und Kreativität unseres Geistes.

Sankalpa ist ein Sanskritwort und kann als Entschluss oder Vorsatz übersetzt werden. Es ist eine wichtige Stufe von Yoga Nidra und gleichzeitig eine kraftvolle Methode, um deiner Persönlichkeit und deinem Lebensweg eine positive Richtung zu geben. Das Sankalpa kann Schöpfer deines Schicksals sein; ob du nun ein Maler, Dichter, Sänger oder spiritueller Führer sein möchtest, du brauchst in jedem Fall zuerst eine Richtung.

Das Sankalpa ist eine kurze mentale Aussage, die in das Unterbewusste gelegt wird. Dies geschieht in einem Moment, in dem das Unterbewusste entspannt und aufnahmebereit ist, und das ist es im Zustand von Yoga Nidra. Der Entschluss, den du am Anfang von Yoga Nidra fasst, ist wie das Säen eines Samens in einen gut vorbereiteten Boden; am Ende von Yoga Nidra pflegst und gießt du den Samen.
Nachdem der Same in Form des Sankalpas tief in das Unterbewusste gelegt wurde, zieht er die dort ruhenden unendlichen geistigen Kräfte in sich zusammen, um sie aufblühen zu lassen. Keine Persönlichkeit ist unveränderbar, keine Angst ist so tief verwurzelt, dass sie nicht durch eine solche Kraft ausgerissen werden kann.

Ein Sankalpa ist ein äußerst kraftvolles Instrument in den Händen der Menschheit. Sein Sinn liegt nicht darin, sich Wünsche zu erfüllen, sondern die Struktur des Geistes zu stärken. Sankalpa ist die Willenskraft. Wähle ein Sankalpa, das deine ganze Persönlichkeit derart verändert, dass dein Leben harmonisch und erfüllt sein wird. Wenn das Sankalpa zur richtungsgebenden Kraft wird, wird alles, was du im Leben beginnst, erfolgreich sein.

Die von Swami Satyananda entwickelte Yoga Nidra Übung dauert etwa zwanzig bis vierzig Minuten. Es gibt unterschiedliche Übungsgrade, z.B. für Menschen, die an Bluthochdruck oder anderen Krankheiten leiden oder für Menschen, die tiefer in den spirituellen Bereich von Yoga eindringen möchten. Yoga Nidra ist sehr einfach und lässt sich auch mithilfe einer CD erlernen.

Suche dir zunächst einen ruhigen Platz, schließe Fenster und Türen und schalte Fernseher und Radio aus. Der Raum darf nicht zu warm und nicht zu kalt sein, und der Körper sollte nicht im Durchzug oder unter einem Ventilator liegen. Da die Körpertemperatur während der Übung sinkt, sollte man sich leicht oder wärmer zudecken. Liegen mehrere Menschen eng zusammen, sollte trotzdem keinerlei körperliche Berührung stattfinden. Die Kleidung ist leicht und bequem.

Schalte den CD-Player an, lege dich in Shavasana und höre auf das, was dir die Stimme sagt. Diesen Anweisungen folgst du gedanklich, ohne dich zu konzentrieren oder den Atem kontrollieren zu wollen, höre einfach nur zu. Es ist notwendig, dass du während Yoga Nidra nicht schläfst. Wenn du schläfst, dann verlierst du die Bewusstheit, die du in der Übung aufrechterhalten willst.

Yoga Nidra ist eine einfache und doch äußerst fundierte Meditation, entwickelt von Paramahamsa Satyananda Saraswati, welche auf dem traditionellen tantrischen Nyasa basiert.

In Yoga Nidra wird der Zustand der Entspannung durch das Zurückziehen von der Außenwelt erreicht, verbunden mit einem Sich-Nach-Innen-Wenden. Kann das Bewusstsein von der äußeren Wahrnehmung und gleichzeitig vom Schlaf getrennt werden, wird es sehr kraftvoll und kann auf vielerlei Arten genutzt werden, z.B. um das Gedächtnis zu schulen, um Wissen und Kreativität zu vertiefen oder um die ganze Persönlichkeit neu zu gestalten.

Patanjali spricht in den Raja Yoga Sutras von Pratyahara, einem Zustand, in dem der Geist von den Sinneskanälen losgelöst wird. Yoga Nidra ist einer der Aspekte von Pratyahara und führt in die höheren Stufen der Konzentration und in Samadhi.

In Yoga Nidra ist das Bewusstsein in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen, identifiziert sich jedoch mit keinem der beiden Zustände. In der modernen Psychologie kennt man dafür den Begriff hypnagogischer Zustand. In diesem Zustand ist der Geist äußerst aufnahmebereit, Sprachen und andere Lernstoffe können schnell gelernt werden. Durch Autosuggestionen, die zu diesem Zeitpunkt eingegeben werden, können unerwünschte Angewohnheiten und Neigungen erfolgreich eliminiert werden. Was man sich in Yoga Nidra vornimmt, wird sich erfüllen.

In Yoga Nidra kann die Grundstruktur des Geistes verändert werden, Krankheiten können geheilt, die kreative und schöpferische Kraft kann wiederhergestellt werden. Im Unter- und Unbewussten des menschlichen Wesens ruhen die machtvollsten Kräfte, und in diese Tiefen können wir durch die einfache Technik von Yoga Nidra gelangen. Das Unterbewusste ist ein sehr gehorsamer Schüler, der sofort die Befehle ausführt, die ihm gegeben werden. Beherrscht man die Technik von Yoga Nidra, kann man sein Unterbewusstes vollkommen schulen. Der Intellekt und das normale Wachbewusstsein werden dann willig folgen.

Yoga Nidra wirkt auf den Körper und auf den Geist. Der ganze Organismus wird sich entspannen, die Psyche erwacht, und es werden Erfahrungen im astralen Bereich möglich. Der gesamte Herzkomplex wird von Druck befreit. Die physische Substanz des Gehirns wird nachhaltig beeinflusst.

Mit Yoga Nidra versuchen wir, über das äußere Verhalten hinauszugehen, indem verschiedene Hirnzentren systematisch stimuliert werden. Erfahrungen, die wir dabei machen, werden uns immer vertrauter. Je sensibler der Geist während der Übung wird, desto mehr gleichen die gemachten Erfahrungen denen, die wir im Traum haben. Der fundamentale Unterschied in der Erfahrung liegt jedoch darin, dass sie viel lebhafter und klarer ist, als jene während des Träumens.

Die bestehenden Gemeinsamkeiten moderner Gehirnforschung und der vor langer Zeit durch erleuchtete Yogis und Rishis entwickelten Yoga Nidra Technik können nicht länger ignoriert werden. Die yogischen Wissenschaftler vergangener Zeiten haben diese kraftvolle Technik allerdings nicht nur zum Heilen von Krankheiten entwickelt, sondern in erster Linie, um ein höheres Bewusstsein zu erlangen.

Dies kann geschehen, wenn die individuelle Wahrnehmung von ihrer Bindung an den physischen Körper und seine sinnlichen Funktionen frei wird. Sie kann sich dann zu den feinstofflichen, pranischen, psychischen und spirituellen Dimensionen ausdehnen, die tiefer liegen als die grobstoffliche Existenz.

Betrachtet man jedoch die Situation des modernen Menschen, der an einer Vielzahl von stressbedingten Krankheiten und Beschwerden leidet, dann lässt sich erkennen, dass sie aus einer übermäßigen Identifikation mit dem materiellen Körper, übermittelt von den Sinnesorganen an das Bewusstsein, resultieren. Das führt zu nervöser Erschöpfung bis hin zum totalen Zusammenbruch.

In Yoga Nidra wird diese destruktive psychosomatische Tendenz durch den gegensätzlichen somatopsychischen Weg (Wirkung vom Körper auf den Geist) gelindert. Ist der Pratyahara Zustand erreicht, wird die vitale Nervenenergie Prana von den Sinneskanälen und ihren Wirkungen abgezogen, und in diesem Moment kommt die psychosomatische Disharmonie wieder ins Gleichgewicht. Die dadurch freigesetzte pranische Energie kann zur Heilung und Revitalisierung überbeanspruchter Drüsen und Organe eingesetzt werden.

Im Bereich Seminare findest du die aktuellen Yoga Nidra Ausbildungen im deutschsprachigen Raum.

Yoga Nidra – Der bewusste Schlaf

Yoga Nidra als dauerhafter Zustand ist den Yogis seit undenklichen Zeiten bekannt und dieser Zustand ist universal, jeder kann ihn erlangen. Die Übung Yoga Nidra jedoch, so wie sie heute vielerorts bekannt ist, ist eine von Swami Satyananda entwickelte Übung oder Technik. Sie bildet praktisch die Essenz seines ganzen von ihm entwickelten Systems, das heute als Satyananda Yoga bekannt ist.

Die Mängel des modernen technologischen Lebensstils werden heute von vielen sensiblen Menschen wahrgenommen, was zur Folge hat, dass Entspannungsangebote wie Pilze aus dem Boden schießen. Nur wenige davon werden jedoch dem Anspruch gerecht, wissenschaftlich fundiert zu sein und eine tiefe und systematische Entspannung auf allen Ebenen zu ermöglichen. Genau das ist das Besondere der Tiefenentspannung Yoga Nidra.

Mit Yoga Nidra erhält der Einzelne etwas an die Hand, womit er grundlegende Veränderungen in seinem Leben vornehmen kann. Das hat zwangsläufig seine Auswirkung auf die Gesellschaft. Yoga Nidra ist der bewusste, der dynamische oder auch der psychische Schlaf, und diese Übung wird hier beschrieben.


Yoga Nidra – Einordnung in den klassischen Yoga Weg

Aus der Fülle der alten Yogaschriften nimmt ein Werk mit Sicherheit einen besonderen Platz ein. Es ist das "Yoga Sutra" von Patanjali. Über Patanjali ist wenig bekannt; er soll ein- oder zweihundert Jahre vor Christus gelebt haben. Jedoch ist er es, der in genialer Weise den bis dahin vielschichtigen Yoga als klaren Übungsweg in acht Stufen dargelegt hat, wofür er nur 196 Aphorismen (Verse) benötigte. Um menschliche Vollkommenheit zu erlangen, müssen die verschiedenen Elemente der menschlichen Natur erkannt und beherrscht werden, was durch einen systematischen Übungsweg möglich ist.

Zuerst soll der Körper von Rastlosigkeit und Unreinheit befreit werden, dann wird das Denken geläutert und beruhigt. So erst wird es möglich, sich den nächsten Stufen, Konzentration und Meditation, spannungsfrei und ohne Ablenkung zu widmen. Auf diese Weise kann der Mensch wahrhafte innere Freiheit erlangen. Die von ihm genannten acht Stufen müssen wir durchlaufen, wollen wir den höchsten Bewusstseinszustand und damit Freiheit erlangen.

Das Stufenmodell nach Patanjali

  1. Yama – 5 Regeln für das äußere Verhalten
  2. Niyama – 5 Regeln für den inneren Umgang
  3. Asana – Erkennen des Körpers
  4. Pranayama – die Ausdehnung der Dimension von Prana, Lebensenergie
  5. Pratyahara – Loslösung des Geistes von den Sinneseindrücken
  6. Dharana – Konzentration
  7. Dhyana – Meditation
  8. Samadhi – Zugang zu allen Bereichen des Bewusstseins, Erleuchtung

 

Die Vrittis

Yoga Chitta Vritti Nirodaha
„Das Meer des Bewusstseins von den Mustern oder Wellen zu befreien, ist Yoga“.

Das Wort Vritti bedeutet Welle oder Ausprägung des Bewusstseins (Chitta). Die Chitta Vrittis sickern in das Gehirn, verursachen eine Veränderung seines elektrischen Potenzials, insbesondere in der Großhirnrinde, und bilden ein Gehirnwellenmuster.

Die fünf Grundmuster der Vrittis nach Patanjali

  1. Pramana – Rechtes Wissen
  2. Viparyaya – Falsches Wissen
  3. Vikalpa – Fantasie oder Einbildung
  4. Nidra – Schlaf oder Nichtbewusstheit
  5. Smriti – Erinnerung

Eines der fünf Vrittis ist also Nidra, Schlaf oder Nicht-Bewusstheit, das zweite Wort im Begriff Yoga Nidra. Schlaf oder Nicht-Bewusstheit ist nicht nur der vorherrschende Zustand in der Nacht. Unser ganzes Leben ist davon geprägt. Meist sind wir mit unseren Gedanken entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft, selten jedoch im Hier und Jetzt.

Da das jedoch der einzige Moment ist, in dem Leben wirklich stattfindet, in dem wir frei sind von Ängsten, Sorgen, Problemen, Stress und Überforderung, versuchten Weise und Seher von frühester Zeit an, Wege aufzuzeigen, um diesen bewussten Zustand zu erlangen. Und das genau ist der Sinn der Übung Yoga Nidra.

Die Elemente von Yoga Nidra

Die Übung Yoga Nidra bedeutet, "bewusster Schlaf" oder "dynamischer Schlaf", ein Zustand, in dem sich alle Ebenen des Bewusstseins bewusst betreten lassen. Yoga Nidra hat einen ganz bestimmten systematischen Ablauf. Die Übung führt von der äußeren Ebene der Wahrnehmung systematisch in tiefere Ebenen des Seins und von dort wieder systematisch zurück.

Darin eingebettet sind verschiedene Elemente mit einem klaren Aufbau, von den Anfängen bis zur hohen Schule von Yoga Nidra. Die einzelnen, logisch nachvollziehbaren Schritte der Übung bleiben selbst für den Übenden deutlich erkennbar. Die verbale Führung erfordert Übung, um sich mit dem so wichtigen monotonen Sprechen vertraut zu machen. Die Angaben von Swami Satyananda Saraswati in seinem Buch "Yoga Nidra" sind klar und präzise.

Auch wenn die einzelnen Elemente dem jeweiligen Übungsgrad entsprechend variiert werden können, bleibt die Grundstruktur immer erhalten:

  • Vorbereitung – Führung durch Shavasana, die Totenhaltung, Körperwahrnehmung, Atemwahrnehmung.
  • Entspannung – die von allein entsteht, wenn die Achtsamkeit durch den Körper, zum Atem, zu Geräuschen etc. gelenkt wird.
  • Sankalpa – Vorsatz, Entschluss.
  • Kreisen – der Wahrnehmung durch den Körper.
  • Atem – beobachtet auf unterschiedlichen Wegen.
  • Gegensatzpaare – Wachrufen von verschiedenen gegensätzlichen Empfindungen, z. B. schwer/leicht.
  • Bildgeschichten – Übung des Wachrufens verschiedener beweglicher Bilder.
  • Visualisierung – von Bilderfolgen in schneller Wiederholung aus einer großen Bilderauswahl.
  • Innerer Raum – Betreten von Chidakasha, dem Raum des Bewusstseins vor den geschlossenen Augen.
  • Sankalpa – zur Vertiefung.
  • Abschluss – systematische Rückführung in die äußere Welt.
  •  

    Eine verbale Führung mit Anleitung ist, zumindest für eine lange Anfangszeit, notwendig. Möchte man andere durch die Yogaübung führen, muss man sich zuerst über eine lange Zeit selbst führen lassen. Nur so wird es möglich sein, die Übung so anzusagen, als mache man sie selbst. Sie wird von innen in korrekter Reihenfolge abgerufen und nicht einfach vorgelesen. Die Haltung ist eher die eines unbeteiligten Zuschauers, die Stimme mehr oder weniger monoton. Das erfordert ein gutes Training.

    Betrachtet man den Aufbau der verschiedenen Stufen, lässt sich erkennen, dass mehr als ein Drittel der Übung der Wahrnehmung des Körpers gilt. Während dieser Zeit geht es darum, Körper und Geist zu einer Einheit zu führen, was sie auch sind, was wir jedoch im Alltag selten beachten. Ist die Wahrnehmung auf den Körper gerichtet, können die Gedanken nicht ausbrechen und eigene Wege gehen. Die Aufforderung, während der ganzen Übung achtsam zu bleiben, taucht immer wieder auf; es ist die einzige Regel für Yoga Nidra.

Kreisen der Wahrnehmung durch den Körper in Yoga Nidra

Wenn die Wahrnehmung durch den Körper geführt wird, von einem Körperteil zum nächsten, wird eine immer wiederkehrende Folge festgelegt, die sich nicht ändert. Der Name des Körperteils wird gedanklich wiederholt. Diese Praktik entspringt einer Jahrtausende alten Übung aus dem Tantra mit dem Namen Nyasa. Sie erhöht den Fluss pranischer Energie im Nervenkreis des motorischen Homunculus. Durch diesen Strom nimmt man subjektiv Entspannung, Erleichterung oder "Loslassen" wahr, denn es entsteht eine sofortige Trennung des Bewusstseins von den senso-motorischen Wahrnehmungskanälen.

Die Sinne ziehen sich von den Sinnesobjekten zurück. Das ist der so wichtige Zustand von Pratyahara, der fünften Stufe aus Patanjalis „Yoga Sutra“ (siehe Anfang). Jeder der berührten Körperteile hat einen Gegenpunkt im Gehirn, das sich durch diese Übung zutiefst entspannen kann. Gleichzeitig wird jeder Körperteil durch die gedankliche Wiederholung des Namens mit Energie aufgeladen.

Dieser Teil der Übung ist besonders wichtig und zeigt eine deutliche Verbindung zwischen der modernen Neurochirurgie und der Meditationstechnik Yoga Nidra, die der Tantra Lehre entspringt. Wer mit Yoga Nidra vertraut ist, wird die Markierungen auf der senso-motorischen Hirnrinde als genau die Teile des Körpers erkennen, die bei der Körperreise mit der Wahrnehmung berührt werden.

Das Gehirn ist unser Instrument, um Körper, Gedanken und Gefühle zu einer harmonischen Einheit zusammenzufügen. Der Neurochirurg wirkt auf den Körper ein, indem er das Gehirn stimuliert. Der Yoga Nidra-Schüler beginnt am anderen Ende des Nervenweges - er steigert die Körperwahrnehmung und stimuliert damit das Gehirn. Indem die Wahrnehmung zu den diversen Körperteilen getragen wird, entsteht nicht nur eine körperliche Entspannung, sondern gleichzeitig werden auch alle Nervenbahnen zum Gehirn gereinigt.

Ist zum Schluss dieser Stufe der ganze Körper in der Wahrnehmung, wird die gesamte Oberfläche des Gehirns berührt. In Yoga Nidra wird daher das Bewusstsein entspannt, indem sich der Körper entspannt.

Gegensatzpaare

Auch das Wachrufen gegensätzlicher Empfindungen hat einen harmonisierenden Einfluss auf das Gehirn. Bei einem ausgeglichenen, in sich ruhenden, offenen und kreativen Menschen sind die beiden Hirnhemisphären in Balance, beide können jederzeit abgerufen werden und arbeiten sogar zusammen. Auf die meisten Menschen trifft das nicht zu, weshalb sich unser Leben in einem ständigen Auf und Ab befindet.

Während Yoga Nidra wird dazu aufgefordert, gegensätzliche Gefühle in schnellem Wechsel aus den Tiefen des Bewusstseins an die Oberfläche zu holen, sich zu erinnern. Mithilfe dieser Übung stellen wir die so notwendige Verbindung zwischen den beiden Hirnhemisphären her, wodurch ganz neue Fähigkeiten entdeckt und freigesetzt werden.

Visualisierungen in Yoga Nidra

Im letzten Drittel der Übung können Geübte die Kraft der Visualisierung einsetzen. In einem Moment, in dem der langsame Delta-Rhythmus zusammen mit dem Alpha-Rhythmus vorherrschend sind, das ganze Gehirn, das gesamte Bewusstsein zutiefst entspannt sind, lassen sich die tiefen Schichten des Unbewussten betreten. Das geschieht, in dem universale Bilder aufgerufen werden, was schnell geschehen muss, damit der Übende sich nicht in den Tiefen verliert. Alte Einprägungen kommen an die Oberfläche und werden noch einmal erlebt. Dieses erneute Erlebnis ist völlig wertfrei und die oftmals traumatische Fessel löst sich mühelos.

Sankalpa

Jeder Vorsatz, jeder Entschluss erfordert einen ausbalancierten Bewusstseinszustand, der mit innerer und äußerer Entspannung einhergeht. Oft wird das nicht beachtet, jeder Tag fließt über mit guten Vorsätzen, nur wenige jedoch lassen sich verwirklichen. Das erzeugt Unzufriedenheit. Sankalpa ist ein Sanskritwort und kann als Entschluss oder Vorsatz übersetzt werden. Es ist eine wichtige Stufe von Yoga Nidra und gleichzeitig eine kraftvolle Methode, um der Persönlichkeit eine positive Richtung zu geben.

Das Sankalpa ist eine kurze mentale Aussage, die in das Unterbewusste gelegt wird. Dies geschieht in einem Moment, in dem das Unterbewusste entspannt und aufnahmebereit ist, und das ist es im Zustand von Yoga Nidra. Nachdem der Same in Form des Sankalpas gelegt wurde, zieht er die dort ruhenden unendlichen geistigen Kräfte in sich zusammen, um sie aufblühen zu lassen. Keine Persönlichkeit ist unveränderbar, keine Angst ist so tief verwurzelt, dass sie nicht durch eine solche Kraft ausgerissen werden kann.

Der Sinn des Sankalpas liegt nicht darin, sich Wünsche zu erfüllen, sondern die Struktur des Geistes und die innere Willenskraft zu stärken. Das Sankalpa ist eines der wichtigsten Elemente von Yoga Nidra. Die daraus hervorgehende Kraft muss behutsam gepflegt werden.

Bewusstseinszustände in Yoga Nidra

Wachen, Träumen, Schlafen und Yoga Nidra

Einen größeren Zugang zu unserem Bewusstsein zu erlangen, von dem wir laut moderner Wissenschaft nur ein Zehntel nutzen, während neun Zehntel inaktiv sind, ist ein wichtiger Aspekt von Yoga Nidra. Yogis, Psychologen und Physiologen sind sich darin einig, dass es drei fundamentale und unterschiedliche Erscheinungsformen des individuellen menschlichen Bewusstseins gibt. Es sind die Zustände von Wachsein, Traum und Tiefschlaf. Jeder davon, auch der Grenzbereich von Yoga Nidra, konnte mit einem bestimmten Muster in der elektrischen Hirnaktivität, den Gehirnwellen, in Verbindung gebracht werden.

Während alle drei Zustände zum Leben gehören und zu unterschiedlichen Zeiten erfahren werden, halten die meisten Menschen den Wachzustand für den einzig realen. Über den Traumschlaf- und den Tiefschlafzustand ist sehr wenig bekannt. Die moderne Forschung hat uns jedoch inzwischen viele Hinweise auf die psycho-physiologischen Funktionen und Merkmale des Schlafs gegeben, und dies hat eine wissenschaftliche Analyse von Yoga Nidra in vielfacher Form möglich gemacht.

Bewusstseinsebenen durch Yoga Nidra wahrnehmen

Um in den Zustand des bewussten Schlafs zu gelangen, muss sich das Muster der Gehirnwellen ändern. Das menschliche Gehirn befindet sich in einem fortwährenden Zustand elektrischer Aktivität, die von einem EEG (Elektroenzephalograph) in Form von Gehirnwellen gelesen werden kann. Durch das Anbringen von Elektroden auf der Kopfhaut und die Weiterleitung über Verstärker zu einem Kathodenstrahl-Oszillographen wird die elektrische Aktivität des Großhirns aufgezeichnet.

Im Wachzustand ist das Bewusstsein durch die Sinneserfahrung mit der Außenwelt beschäftigt. Hier herrschen die Betawellen vor, es ist ein schneller Rhythmus, die Frequenz beträgt 14 – 20 Hz und mehr (Schwingungen pro Sekunde).

Während der Traumphase ist das Unterbewusste vorherrschend, unterdrückte Wünsche, Ängste, Verbote und tief sitzende Eindrücke (Samskaras) werden aktiv; Thetawellen treten als große "Zwischenwellen" mit einer Frequenz von 4 bis 8 Hz auf.

Im Tiefschlaf zeigt sich das Unbewusste, die Quelle aller Instinkte und Triebe sowie tief eingegrabener Erfahrungen aus früheren Evolutionsstufen. Im Gegensatz zum Traumzustand gibt es keinerlei mentale Aktivitäten, alle Schwankungen verschwinden. Die Samskaras und die Vasanas (die latenten Wünsche) sind inaktiv, Bewusstsein und Körper sind wie gelähmt. Sowohl Bewusstsein als auch Prana (Lebensenergie) ziehen sich aus den physischen und mentalen Bereichen zurück und richten sich zur nicht sichtbaren kreativen Quelle. Hier zeigen sich die langsamen Deltawellen (Frequenz 0,5 bis 4 Hz); es ist die fundamentale rhythmische Schwingung des sichtbaren Universums.

Der hypnagogische Zustand

Die Rhythmen Beta, Theta und Delta gehören somit zu den uns bekannten drei Bewusstseinsebenen – Wachbewusstsein, Unterbewusstsein und Unbewusstsein. Zwischen Wachzustand und Traum liegt eine weitere bedeutungsvolle Bandbreite der Wahrnehmung und der Erfahrung; in der Psychologie wird dies als der "hypnagogische Zustand" bezeichnet. Es sind Alphawellen (8 – 14 Hz), die dann auftauchen, wenn wir bewusst sind. Auch im Alltagsleben sind sie präsent, werden jedoch völlig von den Betawellen überlagert, wenn wir uns im Zustand des Nichtbewusstseins (Nidra) verlieren.

Der Alpha-Zustand ist darüber hinaus charakteristisch für den Übergang vom Wachen zum Schlafen und zurück. Diese Übergangsphase dauert meist nur wenige Sekunden. Hier zeigt sich eine tiefe und wachsende Entspannung, die Muskeln lockern sich, Haltungsverspannungen lösen sich, die Wahrnehmung der Außenwelt verliert sich. Während die Realität des Wachzustandes langsam erlischt, tritt an ihre Stelle der Zustand des Tiefschlafs oder der Traumerfahrungen; am Morgen nach dem Aufwachen ist der Weg umgekehrt. Der Yoga Nidra-Zustand entsteht somit auf der Grenzlinie zwischen Wachen und Schlafen.

Verharren wir wachsam und bewusst zwischen Wachen und Schlafen im Alphazustand, erlangen wir eine tiefe und vollkommene Entspannung. Das ist nicht nur sehr viel wirkungsvoller und wohltuender als normaler Schlaf, sondern es ist auch ein hilfreicher Weg zur Heilung vieler Störungen und Krankheiten, besonders dann, wenn es sich um psychosomatische Erkrankungen handelt. Es ist der ideale Zustand für Lernen, und ein großes Arbeitspensum kann mühelos erledigt werden. Weiterhin ist es die Pforte zu einer höheren Bewusstseinsebene.

Die meisten Menschen schlafen, ohne ihre drei Spannungsarten, die Muskelverspannungen, die Mentalverspannungen und die Gefühlsverspannungen, vorher aufzulösen, weil sie sofort vom Beta-Zustand in den Deltazustand hineingleiten, ohne vorher die Alphaplattform mit der Möglichkeit der ganzheitlichen Entspannung zu durchlaufen. Das erklärt, warum so viele Menschen am Morgen müde und zerknirscht aufwachen.

Auch während des Schlafs kann tiefe Entspannung nur dann entstehen, wenn sich die Alphawellen verstärken und ein geringes Maß an Bewusstheit vorhanden ist. Im Unterschied zum ungeübten Schlaf, in dem die Alphawellen gänzlich absinken, wird in Yoga Nidra eine Zwischenstufe errichtet, auf der die Alphawellen konstant bleiben, weil die Bewusstheit erhalten bleibt und somit tiefe Entspannung vorherrscht; es ist die Stufe zwischen dem betadominanten Wachzustand und dem langsamen Delta-Rhythmus des Tiefschlafs.

Durch Yoga Nidra schaffen wir eine hohe und wirkungsvolle Qualität des Ausruhens; der Körper wird erfrischt und der Geist rein und klar.

Die Erfahrung des Alpha-Zustands ist für die meisten Menschen kurz vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen möglich. Oft sind es jedoch nur wenige Sekunden oder Minuten. Diese Zeiten systematisch auszudehnen und den Bewusstseinsfaden festzuhalten, von wenigen Sekunden auf fünfzehn, dreißig oder mehr Minuten, wird durch die Übung möglich. So können wir mit bewusster Wahrnehmung schlafen und bewusst unseren Alltag leben. Durch bewusstes Schlafen und Träumen lässt sich die psychische Ebene betreten.

Wir erhalten Zugang zu ungeahnten Fähigkeiten und erkennen, wer wir sind, was der Sinn unserer Existenz ist. Es lässt sich der vierte yogische Bewusstseinszustand (Turiya) erfahren, der über dem individuellen Bewusstsein liegt. Durch Yoga Nidra bekommen wir Kontakt zu der Quelle der Selbsterkenntnis und der Inspiration, die in jedem von uns ruht.

Bild Yoga Übung

Gehirnwellen

Abbildung der Gehirnwellen im Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf: während Yoga Nidra befinden wir uns im Bereich der Alphawellen, dem Hypnagogischen Zustand.

„Neurophysiologisch spiegelt sich diese erhöhte Bewusstheit in der elektro-physiologischen Hirntätigkeit wider, durch die sich die Tätigkeit der höheren Hirnrinde (Kortex) verbessert - dies ist das zuschauende, das "bewusste Gehirn"; gleichzeitig erhöht sich die Kontrolle über das "emotionale Gehirn", mit dem limbischen System, und seine Erregbarkeit reduziert sich. Ein Mensch mit einem hohen Grad innerer und äußerer Wahrnehmung und einer gleichzeitig sinkenden emotionalen Reaktion ist Ausdruck für diese Weiterentwicklung.

Yoga Nidra führt somit zu immer höherer Selbstwahrnehmung, durch die sich ein Kontroll- und Regulierungsmechanismus im Gehirn aufbaut. Sie zeigt sich durch größere autonome Stabilität und verbesserte emotionale Steuerung sowie einer wachsenden Kraft, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“

Yoga Nidra ist der Schlüssel, Yoga zu verstehen

Yoga verstehen bedeutet sich selbst verstehen.

Entspannung ist nicht gleich Entspannung. Die Suche nach einer Methode, die wissenschaftlich bestätigt ist und das Leben nachhaltig in all seinen Aspekten positiv verändert, ist groß. In der Übung Yoga Nidra finden wir eine Lösung.

Hier soll über eine Übung gesprochen werden, die weit über Entspannung hinaus in den meditativen Bereich geht und trotzdem einem wissenschaftlichen und spirituellen Anspruch gerecht wird. Sie ermöglicht, dass der mit Ballast angefüllte Geist in kurzer Zeit frei werden kann, und dass sich festsitzende Verspannungen in den verschiedenen Ebenen unseres Körpers und unserer Persönlichkeit auflösen können. Gleichzeitig wird der Geist darin geschult, den Anforderungen eines immer komplexer werdenden Lebens besser gerecht zu werden. Es handelt sich um die Übung Yoga Nidra.

Mit wachsender Akzeptanz bewegt sich Yoga in alle Richtungen der Gesellschaft. Er ist nicht mehr denjenigen vorbehalten, die sich aus dem normalen Leben herausbewegt haben. Er wird nicht mehr nur Frauen zugestanden oder ausschließlich in Yogahäusern, - schulen oder Hobbyräumen praktiziert und hat auch nicht mehr den Kopfstand als einziges Markenzeichen.

Die Vielzahl yogischer Übungen, Yogaschulen und -traditionen ist manchmal verwirrend, das Interesse an Yoga jedoch wächst zusehends, erfasst die verschiedensten Medien und selbst in der Werbung sind Asanas äußerst beliebt. Dieses Phänomen ist wahrscheinlich das Ergebnis eines immer komplexer werdenden Alltags in allen Lebensbereichen und der gleichzeitig auftretenden Sehnsucht nach Harmonie und Entspannung.

Zudem wächst ein Empfinden dafür, dass jedem Einzelnen eine große Verantwortung obliegt, nicht nur das eigene Leben in Ordnung zu halten, sondern sich auch für die Mitmenschen und das gesellschaftspolitische Leben einzusetzen.

Der Yoga Nidra Zustand in den großen Schriften

Der Begriff Yoga Nidra verweist auf einen Zustand der absoluten Achtsamkeit, dem Erkennen und Einssein mit dem Höchsten Selbst (Atma), dem Höchsten Bewusstsein. Viele traditionelle und yogische Schriften erwähnen diesen besonderen Zustand. Er drückt sich in folgendem Mythos aus:

Brahma, Vishnu und Shiva stehen für die göttlichen Aspekte des Erschaffens, Erhaltens und Zerstörens. Während Zeiten der Zerstörung ruht Gott Vishnu auf einem Meer aus Milch und wird von einer neunköpfigen Schlange beschützt. Wenn Brahma in Erscheinung tritt, um etwas Neues zu erschaffen, sitzt er auf einem aus Vishnus Nabel herauswachsenden Lotos.

Obwohl Vishnu während endloser Zeiten der Zerstörung und der Neuerschaffung im tiefen Schlaf verharrt, hält er trotzdem einen winzigen Spalt der Wahrnehmung geöffnet. So ist das Wissen über die große, alles durchdringende kosmische Kraft beim Neuerschaffen verfügbar, da es während der stets wiederkehrenden Zyklen „Erschaffen – Erhalten – Zerstören“ nicht verloren geht. Dieses Aufrechterhalten der Wahrnehmung auch im tiefsten Schlaf zeichnet den Zustand von Yoga Nidra aus und diesen Zustand zu erreichen, ist das Bestreben eines jeden spirituell erwachten Menschen.

Yoga Nidra ist demnach ein Bewusstseinszustand, in dem wir uns auf der Grenzlinie zwischen äußerer und innerer Welt befinden, nicht ganz wach, aber auch nicht im absoluten Tiefschlaf. Yoga ist Bewusstheit und Nidra ist Schlaf und damit umfasst Yoga Nidra zwei jedem Menschen bekannte Zustände. Sie bewusst zu machen und zu nutzen, ist eine Kunst, die Yogis und weise Menschen beherrschen.

Yoga Nidra als Übung

Swami Satyananda Saraswati hat Yoga Nidra aus den tantrischen und yogischen Wissenschaften extrahiert, er hat seine eigenen Erfahrungen hinzugezogen und sie mit seiner Nächstenliebe und Wissen um menschliche Zusammenhänge für andere so formuliert, dass es jedem möglich ist, sie an jedem Ort und zu jeder Zeit anzuwenden. Yoga Nidra, auch bekannt als bewusster, dynamischer oder psychischer Schlaf, trägt den Stempel der Bihar School of Yoga und ist heute mit einem Trademark-Zeichen versehen.

Yoga Nidra wird in Shavasana ausgeführt. Dies ist ein Asana, eine Körperhaltung, in der der Körper gut ausgestreckt auf einer Unterlage auf dem Boden liegt, er kann leicht zugedeckt sein, ein kleines Kissen unter dem Kopf ist sogar denkbar (das Bett ist allerdings ungeeignet).

Obwohl hier von einer klassischen Yogaübung die Rede ist, gibt es keine akrobatischen Verrenkungen und keine anstrengende Sitzhaltung (obwohl auch das möglich ist), sondern eine Haltung, die wirklich an Schlaf erinnert. Außer einer klaren, immer wiederkehrenden Aufforderung, „Bleibe wach, dehne die Achtsamkeit aus“ gibt es keine Regeln für das, was erlaubt und was verboten ist.

Ein in unserer Kultur gut bekanntes Sprichwort lautet: „Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.“

Um geistige Höhen zu erreichen, wurde oft das Leibliche kasteit, was auch gern dem Yoga zugeschrieben wird. In der Übung Yoga Nidra tritt etwas ganz anderes in den Vordergrund: Der Geist verbindet sich mit dem Körper, die Wahrnehmung dehnt sich in jeden Teil des Körpers, in jede der Billionen Zellen aus und macht sie, eine nach der anderen und gruppenweise bewusst. Den Geist mit dem Körper zu verbinden, führt zu absoluter Präsenz, und in der Gegenwart, im Hier und Jetzt, gibt es keine Probleme, keine Anspannung und keinen Stress.

Bekanntlich leben wir in drei verschiedenen Welten, dem Wachbewussten, dem Unterbewussten und dem Unbewussten (Wachzustand, Traumzustand und Tiefschlaf). Zwischen jeder der Welten gibt es eine gut bewachte, wenngleich auch illusionäre Grenze, und diese Trennung verhindert ein Erkennen des Einsseins. Die fehlende Verbindung zwischen den verschiedenen Bewusstseinsstufen macht uns zerrissen, wir sind allein gegen den Rest der Welt, mit Stress angefüllt von einer zur anderen Welt hetzend, ohne innere Verbundenheit und Sicherheit.

Es gibt für uns keinen Übergang, keine Brücke von einer Welt zur anderen. Für die Yogis existiert jedoch eine Brücke. Sie dehnen die Wahrnehmung aus, bringen den Geist auf ein hohes Niveau, um daraus einen vierten Bewusstseinszustand entstehen zu lassen. Dieser beinhaltet, dass sich die Wahrnehmung so weit ausdehnt, dass sie in allen Bewusstseinszuständen aufrechterhalten bleibt, sogar bis hin zum Tiefschlaf. Das ist das Geheimnis der Yogis.

Yoga Nidra in anderen Lebensbereichen

In Yoga Nidra liegt die Kraft, den sich ständig ausbreitenden psychosomatischen Erkrankungen, deren Ursprung meist verborgen bleibt, Einhalt zu gebieten, denn im Yoga Nidra Zustand legen wir das Verborgene frei. Wir können dann die wild wuchernden Lebensängste erkennen und besiegen, und damit kann sich die Einstellung zum Leben vollständig verändern. Aus persönlichen, tief verwurzelten Schwächen können Stärken werden, mit denen nicht nur der eigene Lebensweg gemeistert, sondern auch der Zugang in größere gesellschaftliche Zusammenhänge positiv beeinflusst werden kann.

Bei genauem Hinschauen wird man Yoga Nidra in Schulen, Universitäten, Gefängnissen, in Betrieben und deren Management, in der Politik und vielen anderen Bereichen finden. Diese oft ehrenamtlichen Angebote sind mehr oder weniger noch immer Freizeitangebote. Zu einer für uns alle entscheidenden und wirksamen gesellschaftlichen Anerkennung fehlt noch der Durchbruch. Um diese zu erlangen, ist eine professionelle und umfassende Qualifikation zur Vermittlung erforderlich, um beispielsweise auch für Führungskräfte in Wirtschaft und Politik die positiven Effekte für die Personalführung aufzeigen zu können.