Der richtige Yogalehrer

Wie wähle ich einen Yogalehrer?

Yoga kann man nicht so einfach lernen wie Biologie, Botanik oder Chemie. Yoga ist eine Wissenschaft, die nicht nur des Wissens willen gelernt werden sollte, sondern darüber hinaus, um den positiven Einfluss auf den Körper und auf das Bewusstsein auszuweiten. Deshalb ist es so wichtig, einen qualifizierten Lehrer zu finden, von dem wir Yoga lernen können. Eine der wichtigsten Qualifikationen eines Yogalehrers ist es, ein ausgewogenes Gemüt und eine harmonische Persönlichkeit zu besitzen. Wenn er ruhelos, unsicher und unbeständig ist und sich in Lebensstürmen und emotionalem Aufruhr verstricken lässt, dann kann er höchstens Tutor sein.

Es gibt überall auf der Welt Tausende von Lehrern, Professoren, Rednern und Tutoren, die Yoga verbreiten. Neben dem Wissen, das diese Lehrer vermitteln, sollten sie ebenfalls ihre persönliche Schwingung, ihre Anziehungskraft und ihre spirituellen Qualitäten weitergeben. Es kann sonst geschehen, dass du in ihrem Unterricht zwar viele Dinge lernst, über die man hinterher diskutieren kann, aber wenn du genau nachdenkst, musst du feststellen, dass du für dein spirituelles Leben, für den Bereich deiner inneren Persönlichkeit nichts gewonnen hast.

Was kann dir ein Yogalehrer geben? Erfahrung und Wissen. Wissen ist auf den menschlichen Intellekt begrenzt. Erfahrung ist das, was es uns ermöglicht, praktisch Gelerntes in uns aufzunehmen. Was nennen wir in Yoga eine Erfahrung? Den Lebenssituationen mit Ruhe, Mut und Verstehen zu begegnen. Das Leben ist kein gerader oder einfacher Weg, es ist ein ununterbrochener Wechsel von Auf und Ab, und zwar auf sozialer, wirtschaftlicher, emotionaler und spiritueller Ebene.

Die wahre Yogalehre oder die Inspiration, die dir ein Yogalehrer geben kann, hat nichts mit Anweisungen und Instruktionen zu tun. Er gibt sie durch seine persönliche Ausstrahlung, was etwas ganz anderes ist, als intellektuelles oder akademisches Wissen. Ein Lehrer mag vielleicht Latein oder Sanskrit, die Bibel, die Veden und den Koran studiert haben, aber das ist nur akademisches Wissen. Ein anderer hat vielleicht nichts von alledem gelernt, kein Latein, Griechisch oder Sanskrit, hat die heiligen Schriften nicht gelesen, und trotzdem ist es möglich, dass er den heiligen Gleichmut besitzt, voller Verstehen und innerer Harmonie ist und aus seiner ganzen Persönlichkeit heraus lebt. Genau das kann er dir weitergeben, und es dies ist das, was wir spirituelle Ausstrahlung nennen.

Wenn du dir einen Yogalehrer wählst, solltest du nicht nach Zeugnissen Ausschau halten. Natürlich sind Zeugnisse manchmal wichtig, wenn du z.B. eine Institution eröffnen willst, aber für einen Schüler sind sie ganz und gar unwichtig. Schau nicht auf Zeugnisse und den Wissensberg, den ein Yogalehrer hat, sondern prüfe, ob die beiden Hirnhemisphären im Einklang sind. Bei den meisten Menschen sind diese beiden Seiten ununterbrochen im Kampf. Was die rechte Seite denkt, verwirft die linke Seite. Was die linke Seite akzeptiert, kritisiert die rechte Seite. Hier liegt der Ursprung von Konflikt im menschlichen Verhalten. Bei einem Yogalehrer sollten diese beiden Kräfte im Kopf harmonisch nebeneinander existieren.

Es gibt ein von den Hindus heiß geliebtes Buch: Die Bhagavad Gita. Lies das zweite Kapitel, Vers 57 bis 73, dann wird die Frage nach den Kriterien für einen Yogalehrer beantwortet sein. Arjuna war Befehlshaber einer Armee und Krishna war sein Wagenlenker. Krishna war eine sehr wichtige Persönlichkeit in unserer Geschichte; er spielte viele hervorragende Rollen, auch die eines Yogalehrers. In Vers 56 fragt ihn Arjuna: "Wie kann man einen Menschen beschreiben, dessen Bewusstsein ohne Schwankung ist, der das weltliche mit dem göttlichen Bewusstsein vereinigt hat? Wie spricht und denkt jemand, der frei ist von einem schwankenden, herumstreunenden Bewusstsein?"

Krishnas Antwort geht bis zu Vers 73. Unter anderem sagt er: "Der Lehrer sollte in der Lage sein, jederzeit entweder nach außen zu gehen oder sich nach innen zu ziehen, wie eine Schildkröte. Dieses Tier ist in der Lage, seine Gliedmaße, wenn nötig, unendlich auszuweiten, und wenn es in Gefahr ist, kann es sich in seinen Panzer zurückziehen. Ebenso solltest du dich im Alltagsleben voll einbringen, aber in dem Moment, wenn Gefahr droht, solltest du dich zurückziehen."

Du weißt doch, dass es die Interaktion zwischen den Sinnen und den Sinnensobjekten ist, die zu Unfällen führt. Trotzdem bist du nicht in der Lage, dich zurückzuziehen. Der Lehrer sollte vollkommene Gewalt über sein Verhalten und seine Sinne haben. Dieses Kapitel der Gita enthält viele wunderschöne Verse, jeder sollte sie studieren. Sie sollte ein Leitfaden für alle sein, die wissen wollen, wie ein Yogalehrer sein sollte. Es ist wichtig, dass Schüler einen Maßstab haben, nach dem sie ihren Yogalehrer aussuchen können.

(Aus: YOGA Nr. 43) - Satsang mit Swami Satyananda Saraswati


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