Karma

Was ist Karma?

Die Bedeutung des Wortes Karma

Das Wort Karma stammt von der Sanskritwurzel Krit und das bedeutet, die Ausführung einer Handlung. Sowohl "Kriya" als auch "Karma" stammen von der Wurzel Krit. Kriya bedeutet Aktivität und Karma bedeutet Handlung, aber auch Manifestation.

Normalerweise wird das Wort Karma als Handlung übersetzt, doch tatsächlich ist Karma die Manifestation der menschlichen Natur, etwas, das sich spontan, natürlich und bedingungslos zum Ausdruck bringt. Diese gesamte Schöpfung ist nichts weiter als die Manifestation von Karma. Die gesamte Schöpfung, das ganze Universum, das ganze Leben ist die Manifestation von Karma und der Same von Karma wurde durch den kosmischen Willen in die Schöpfung gelegt.

Wie entsteht Karma?

Stelle dir die unmanifeste Dimension vor und bewege dich aus dieser Dimension nach außen in die manifeste Dimension. Wo entspringt Karma? Als es nichts in der Welt gab außer unendlichem ewigem Raum, als die Schöpfung noch nicht existierte, gab es nur einen Gedanken. Dieser Gedanke war von Raum umhüllt. Und Raum wird als das Höchste erachtet.

Die Veden sagen, „Kham Brahman“. Kham verweist auf das Ätherelement, die Leere, und dieser Raum, die Leere, wurde Brahman genannt, das Allerhöchste, denn es ist die Basis aller anderen Elemente und all dessen, was sich weiter entwickelt. Es dehnt sich stets weiter aus. In diesem ewigen Raum pulsiert Energie und drückt sich in Form eines Gedankens, einer Idee aus: „Ich bin eins. Ich will zu vielen werden.“ Das Aufsteigen dieser Schwingung im Raum geht einher mit dem Beginn eines karmischen Prozesses. Der Same von Karma ist ein Gedanke, eine Schwingung. Und dieser Gedanke enthält den Wunsch nach Mannigfaltigkeit.

Karma und der Schöpfungsprozess

Wie will "eins" zu "vielen" werden? Durch welche Methode, welche Handlung, welche Ausdruckskraft? In dem Moment, wenn du "viele" denkst, setzt du Vervielfachung voraus und sie erfordert eine Handlung. Diese Handlung ist Schöpfung, Ausführung, sie bringt etwas zum Ausdruck. Daher ist der ursprüngliche Same der Schöpfung Karma: „Ich will mich selbst in vielen Formen sehen. Ich will mich vervielfältigen. Ich will mich in Erscheinung bringen.“ Wenn der Same erst einmal gelegt wurde, wird Energie freigesetzt, um ihm eine manifeste Form zu geben.

Energie und Bewusstsein sind die beiden ewigen Grundlagen des Lebens. Diese beiden werden zum Fundament der Welt, von dem aus der Akt der Schöpfung beginnt. Durch Karma entwickelt sich das Leben, das Erschaffene weitet sich aus, das Universum formt sich. Und zur Zeit der Auflösung ist es ebenfalls Karma, durch das sich all dies wieder auflöst.

Die manifeste Schöpfung, die manifeste Natur ist als Prakriti bekannt. In diesem Sanskritwort ist Pra die Vorsilbe und bedeutet, das Höchste, das Beste, das Stärkste. Krit steht für Ausführung oder Ausdruckskraft. Das "i" am Ende bedeutet Energie und steht für den Shakti Aspekt. Die wörtliche Bedeutung des Wortes Prakriti ist also, die Energie, die Kraft, durch die sich das Höchste und das Beste zum Ausdruck bringen kann.

Prakriti ist die Kraft, die für die Entstehung des Universums und aller Lebensformen verantwortlich ist. Wenn Leben aus Prakriti hervortritt, untersteht es dem Gesetz von Karma. Alles in diesem Universum unterliegt diesem Gesetz und es gibt nichts, das frei von Karma ist. Der Baum, der wächst, unterliegt dem Gesetz des Karmas, die Sonne, die scheint, unterliegt Karma, das Feuer, das brennt, ist an Karma gebunden. Der Wind, der bläst unterliegt Karma. Tiere unterliegen Karma, Insekten fliegen und krabbeln durch Karma. Menschliche Wesen leben aufgrund von Karma. Das Universum, die Galaxien und Planeten wurden erschaffen, überleben und werden zerstört aufgrund von Karma.

In den alten Schriften wird gesagt, Samsariti iti samsarah. „Das, was krabbelt, was sich bewegt ist Samsara.“ Der Hinweis auf Bewegung ist hier mit Kriya verbunden. Kriya und Karma sind die Gesetze der Schöpfung. Jede Daseinsform der Schöpfung unterliegt dem Prozess von Karma, eine Bakterie, ein Tier, ein Vogel, ein Baum, ein Fels und ein menschliches Wesen. Sie unterscheiden sich darin, dass ein menschliches Wesen aufgrund seiner Fähigkeit, Intelligenz einzusetzen, weiß, dass es Karma ausführt, während die anderen Lebensformen dies nicht wissen. Doch dieses Verstehen ist fehlerhaft. Wir sind uns zwar bewusst, dass wir etwas machen und bezeichnen es als das Ausführen von Karma.

Wir bringen Karma mit den Sinnen in Verbindung und glauben, dass Karma durch die Vermittlung der Sinne ausgeführt wird. Aber Karma wird nicht von den Sinnen ausgeführt; es ist Karma, das die Sinne veranlasst, das im Leben benötigte angemessene Karma auszuführen. Die Sinne besitzen keine unabhängige Intelligenz, sondern das Karma Prinzip, das Gesetz und die Disziplin von Karma bringen die Sinne, den Körper und den Geist zur Ausführung von Karma, und das ist es, was wir wahrnehmen. Die sichtbare, wahrnehmbare Welt, die ein menschliches Wesen durch die Sinne erfahren kann, ist von Karma durchdrungen.

Karma und Dharma

Karma hat jedoch einen Gefährten, ohne den es sich nicht selbst ausdrücken, sich nicht manifestieren kann. Zusammen mit ihrem Gefährten führt Prakriti Karma aus, wir führen Karma aus, das Universum führt Karma aus. Wäre aber der Gefährte nicht existent, könnten Karmas nicht korrekt ausgeführt werden. Der Gefährte hat den Namen Dharma. Die gesamte Schöpfung führt Karma entsprechend ihres Dharmas aus.

Dharma bedeutet Angemessenheit oder Ordnung. Es ist kein religiöses Konzept, viel später erst wurde es mit Religion in Verbindung gebracht. Dharma entstand gleichzeitig mit dem Entstehen von Karma, sie sind Zwillinge und unterstützen sich gegenseitig. Betrachte nur die Natur, alles geschieht entsprechend einer Ordnung, eines Dharmas. Ein Baum wächst entsprechend seines Dharmas, die Jahreszeiten verändern sich entsprechend des Dharmas. Karma und Dharma, Ausführung und Ordnung, sind die beiden Grundsteine von Leben und Schöpfung.

Wie lässt sich Karma in der manifesten Welt verstehen?

Karma in der nicht manifesten Dimension, also auf einer Ebene, wo Karma nur ein Ausdruck des Wissens ist, zu verstehen, ist nicht nötig. Was es aber zu verstehen gilt ist, dass wir unser eigenes Leben betrachten müssen. Wir müssen die Karmas, die bei jedem Menschen auftauchen und ihn im Leben führen, verstehen und lernen, mit ihnen umzugehen. Wenn wir erst in der Lage sind, unser eigenes Leben zu bewältigen, dann ist es nicht schwer, das Gesetz von Karma auch in der nicht manifesten Dimension zu verstehen. Die Frage lautet also, wie sich die Karmas in unserem Leben zeigen.

Kosmisches Karma

Die ganze Schöpfung, das Universum und die Galaxien sind das Ergebnis von kosmischem Karma. Dieses Karma entspringt der Interaktion zwischen Bewusstsein und Energie und dieses Karma ist ewig und alldurchdringend. Im Bewusstsein entsteht eine Idee, ein Gedanke und eine Erwartung. Wir sind ein Produkt dieser kosmischen Interaktion, die vor unendlich langer Zeit noch vor der Schöpfung begann. Die Schöpfung war das Produkt der Interaktion von Bewusstsein und Energie. Das Leben entsteht aus dem Zusammenwirken von Bewusstsein und Energie. Das Gleiche gilt für das menschliche Verhalten und die menschliche Reaktion.

Die Schöpfung ist das Ergebnis von Karma, das kosmischer Natur ist. Als begrenzte Wesen können wir die Logik oder den hinter dem kosmischen Karma liegenden Grund nicht verstehen. Daraus ergibt sich, dass nicht wir die Meister unseres Lebens sind. Das ist der Schluss, den die alten Schriften und die Heiligen gezogen haben. So bedeutet Karma Ausdruckskraft. Es bedeutet nicht einfach nur Handlung. Alles, was im Leben erfahren und zum Ausdruck gebracht wird, ist Karma.

Die Software des Lebens

Wir sind nicht die Macher, wir sind nur die Akteure. Und wir agieren entsprechend der Software, die das Leben lenkt. Das Beispiel eines Computers kann uns dies verdeutlichen. Einen Computer übernehmen wir mit einem einfachen Betriebssystem; die Hardware ist leer, nur das Betriebssystem ist vorhanden. Das Betriebssystem kann Win7, Windows XP, Windows 97 oder Windows 95 sein. Auch die Betriebssysteme entwickeln sich immer weiter.

Wenn dann der Computer bei uns zuhause steht, installieren wir die für unsere Bedürfnisse notwendige Software. Ein Filmproduzent braucht die dafür notwendige Software. Als Wissenschaftler oder Hotelbesitzer brauchst du eine andere Software. Verschiedene zusätzliche Softwares können den individuellen Bedürfnissen entsprechend installiert werden, doch zuerst, als wir in dieses Leben gekommen sind, gab es nur das grundlegende Betriebssystem.

Das Betriebssystem

Der erste Baustein des Betriebssystems ist die Basis-Software mit den vier Instinkten. Sie sorgen in diesem Leben für die Erschaffung von Karmas. Verlangen ist ein Instinkt, der Karma erschafft, Schlaf schafft Karma, Sinnlichkeit und Leidenschaft sind verantwortlich dafür, dass Karma geschaffen wird und auch Ängste und Unsicherheiten schaffen Karma.

Die zweite Software ist die einem Wesen innewohnende unveränderliche Natur. Die Natur eines Zitronenbaums ist es, Zitronen zu erzeugen und nicht Mangos oder Bananen. Die Natur eines Mangobaums ist es, Mangos zu produzieren, nicht Aprikosen oder Orangen. Die einer Persönlichkeit innewohnende Natur wird sich immer manifestieren. Du wirst einen Aspekt von Karma begreifen, wenn du dir deiner Natur bewusst wirst und über sie hinausgehst. Ob du arrogant, bescheiden, kompliziert, einfach, offenen Geistes, materialistisch, sensibel oder stark bist, du kennst deine Natur. Deine dir innewohnende Natur ist das wichtigste Karma, das du bisher gelebt hast.

Die dritte Software besteht aus den Samskaras, den Einprägungen im Bewusstsein, die wir als ganzes Set erhalten haben und die unser Leben prägen.

Der vierte Baustein enthält die Software der Sinne, ihrer Anwendung und ihrer Beziehung zu den Sinnesobjekten. Durch sie suchen wir Glück, Vergnügen, Zufriedenheit und Erfüllung. Die Sinne werden auch Teil des menschlichen Karmas.

Wir werden mit diesem Betriebssystem in unserem Computer, dem Bewusstsein, geboren. Verschiedene Softwares kommen dann, wenn es nötig ist hinzu. Die Auswahl entsteht aus der Zugehörigkeit zu einer Kultur, Tradition, Gesellschaft, Familie, zu Gurus oder Lehrern. In verschiedenen Lebensabschnitten benutzen wir diese unterschiedlichen Softwares, um uns zu erheben, um uns Auftrieb zu geben und um den Weg, der vor uns liegt, zu finden.

Wir empfangen zur Zeit unserer Geburt ein grundlegendes Betriebssystem, mit dem wir hier leben. Nachdem wir aber dieses wunderschöne Instrument, diesen Computer mit einem einfachen Betriebssystem, erhalten haben, können wir eine spezielle Software benutzen, um uns entsprechend unserer Neigung im Leben vorwärts zu bewegen.

Freiheit von Karma

Ist es möglich, sich von den Karmas in diesem Leben zu befreien? Freiheit von Karma können nur solche Menschen erlangen, die keinerlei Bindung mehr haben an alles, was um sie ist. Nichts kann sie beeinflussen. Wenn diese Art der Loslösung von Karma eintritt, dann sind zwei Zustände möglich. Der eine ist Videhamukti, das ist die Freiheit von den Begrenzungen durch die Sinne. Der andere ist Jivanmukti, die Freiheit von der Fessel des Karmas im Leben.

Als jemand, der ein berufs- oder/und familienorientiertes Leben führt, kannst du dich so weit entwickeln, dass du frei wirst von der sensorischen Anziehungskraft. Es hängt nicht davon ab, wie viel du meditierst oder wieviele Zeiten du im Ashram verbringst. Es sind die Bedingungen, in denen du lebst und in die du hineinwächst, die dir ein Leben frei von Karma nicht erlauben. Ein Sannyasin dagegen ist allein, niemand vor ihm, niemand hinter ihm, niemand über und niemand unter ihm. Wenn ein Sannyasin wirklich überzeugt und entschlossen ist und sich entsprechend bemüht, dann kann er den Zustand eines Jivanmukta erlangen und frei sein vom Leben, denn es gibt nichts, was ihn dann noch am Boden festhält, außer dem Guru und Gott.

Auszug aus dem Buch "Karma & Karma Yoga" von Swami Niranjanananda Saraswati

Swami Satyananda über Karma

Vor vielen Jahren, als ich mit meinem Guru im Sivanandashram in Rishikesh lebte, war ich sicher, dass ich in Stille und Versenkung leben würde, wenn ich den Ashram einst verlasse. Aber mein Auftrag war ein anderer, und ich begann 1964 mit dem Ashram in Monghyr. Es kamen viele Menschen, um bei mir zu bleiben, trotzdem blieben sie nie länger, als drei oder vier Monate. Es gab keine Arbeit für sie im Ashram! Sie lernten und übten eine Menge Asanas, Pranayama, Mantra, Meditation usw., aber dadurch konnten sie keine innere Stabilität erlangen, denn ihr Gemüt wurde dadurch nicht gereinigt.

Nach und nach schufen wir mehr Arbeit im Ashram - Gartenarbeit, Druckerei, Schreibarbeit, Küchenarbeit, wir begannen, eine Yoga-Zeitung zu verlegen, und seitdem kommen wöchentlich mehr und mehr Menschen. Sie bleiben oft viele Jahre, fünf, zehn, zwölf Jahre und mehr und nehmen viele Schwierigkeiten auf sich, die das Ashramleben mit sich bringt.

Sonntags lasse ich die Abteilungen schließen. Manchmal richte ich es so ein, dass die Swamis an drei aufeinander folgenden Tagen nicht arbeiten dürfen. Dann werden sie sehr unruhig, sie kommen immer wieder in mein Zimmer und bitten mich um Arbeit. Und so machen sie an sich selbst die Erfahrung, dass die Natur im Menschen ein Verlangen nach Arbeit hervorruft. Das ist die positive Seite der Begierde im Leben.

Wenn jemand keine Begierden hat, ist er nicht gezwungen, zu arbeiten, und wenn er nicht arbeitet, wird sein Bewusstsein nicht wachsen. Jemand, der die Gunas(*1) tamas und rajas noch nicht überwunden hat, muss arbeiten. Selbst, wenn er sehr reich ist und im Überfluss leben kann, muss er trotzdem arbeiten. Erst wenn du den Zustand von Sattva Guna erreicht hast, den höchsten Punkt von Gleichgewicht und Gleichmut, kannst du ohne Arbeit sein, ohne Karma. Für die Reinigung der Gedanken und des Gemüts ist Karma wesentlich, und wenn du Karma Yoga praktizierst, erreichst du die Reinheit sehr viel schneller.

Vollbringe darum deine Pflicht
gelassen ohne Gier und Hang;
wer handelt ohne Leidenschaft,
erreicht das höchste Ziel o Held.

Bhagavad Gita III:19

Lasst euch tausendmal betrügen, fragt nicht danach und verschwendet keinen Gedanken an das, was ihr tut. Brüstet euch niemals mit den Gaben, die ihr den Armen zukommen lasst, noch erwartet Dankbarkeit von ihnen. Seid vielmehr ihnen dankbar, dass sie euch die Gelegenheit bieten, eure Nächstenliebe betätigen zu dürfen. - (Swami Vivekananda in Karma Yoga)

Kampf dem Karma

Swami Satyananda definiert Karma, Samskaras und Urformen. Er erklärt auch wie einige Karmas durch Willenskraft, Karma Yoga und spirituelles Leben geändert oder harmonisiert werden können. Aufgezeichnet am 2.9.1980 anlässlich des Transmission Seminars, das Swamiji in Chamarande, Frankreich abgehalten hat.

Karma ist die Kette von Handlungen die von einem Menschen in einem Leben erzeugt wird. Oder, in anderen Worten, es ist das Ergebnis all der Aktivitäten im Leben. Es gibt dreierlei Karma. Jene, die wir jetzt verrichten, jene die wir bereits vollzogen haben und solche, die sich in der Form des Schicksals offenbaren. Das Karma, das wir im Augenblick verrichten, kann immer durch unsere Willenskraft geändert werden. Das Karma, das wir bereits verrichtet haben, kann harmonisiert werden, indem wir ein spirituelles Leben führen. Aber das Karma, das in der Form des Schicksals erscheint, kann nicht widerrufen werden; wir müssen es auf uns nehmen.

Ich möchte Ihnen ein sehr einfaches Beispiel geben. Sie haben einen geladenen Revolver in der Tasche. Das ist eine Stufe. Sie halten einen geladenen Revolver in Ihrer Hand und Sie sind bereit zu schießen. Wenn Sie wollen, können Sie den Revolver zurück in Ihre Tasche stecken. Das ist eine andere Stufe. Sie haben den Abzug gedrückt und der Schuss ist abgefeuert worden. Es ist vollbracht. Die Bestimmung, wie der Revolver, ist abgefeuert worden. Sie kann nicht rückgängig gemacht werden. Sie können Ihre Bestimmung nicht ändern, Sie müssen ihr die Stirn bieten.

Wenn Sie ein unwissender oder weltlicher Mensch sind, werden Sie Ihr Schicksal mit Schmerzen erdulden. Sie werden schreien und weinen und Ihr Herz wird brechen. Aber wenn Sie ein Gyani oder ein Mensch des Wissens sind, dann können Sie Ihrem Schicksal mit Heiterkeit entgegentreten. Sie grämen sich nicht und Sie ruinieren Ihre Gesundheit nicht, Sie blicken ihm einfach entgegen. Als Sokrates gefangen genommen und zum Tode verurteilt wurde, war er glücklich. Er akzeptierte sein Schicksal und zerbrach sich seinen Kopf nicht darüber. Ob Sie den Situationen des Lebens wie eine unwissende Person oder wie ein Gyani entgegentreten, auf jeden Fall ist es die Qualität der Seele die verantwortlich ist für das Erlebnis des Schicksals.

Nun kommen wir zu einem anderen Aspekt von Karma. Die Karmas die wir bereits begangen haben, haben sich angesammelt, aber sie sind nicht reif. Sie sind in einem schlafenden Zustand, wie Samen, und sie können durch ein einfaches und diszipliniertes Leben gelindert werden. Deswegen besuchen die Leute die Heiligen, gehen auf Pilgerfahrten und werden in Mantras und in das spirituelle Leben eingeweiht, weil spirituelle Einweihung und spirituelle Aktivitäten das Karma harmonisieren. Das effektvollste Mittel jedoch das Karma zu harmonieren ist durch Karma Yoga.

Karma Yoga bedeutet zu handeln ohne selbstsüchtige Motive. Wenn Sie mit Hingabe und Unbeschwertheit arbeiten können, so ist dies Karma Yoga und wird so die Schlacke des Karmas reinigen. Deswegen besuchten in den früheren Zeiten Haushaltsvorstände die Ashrams. Sie lebten für einige Zeit dort und nahmen an den Aktivitäten im Ashram teil. Sie erhielten weder Geld, noch Belohnungen, Zeugnisse oder Diplome.

In den Ashrams lebten Könige und gewöhnliche Menschen gleich in einer sehr natürlichen und harmonischen Weise. Natürlich war der Lebensstil total unterschiedlich von dem, der zu Hause existierte. Er war extra so entworfen, dass ein Bewerber sein Karma auslöschen konnte. In der gleichen Art und Weise in der Sie einem Prozess der Reinigung unterzogen werden, wenn Sie zuviel wertloses Essen in sich hineingestopft haben und Durchfall bekommen, findet die Reinigung des Karmas und des Geistes statt. Am Anfang kann es eine Menge Leiden und Unannehmlichkeiten bereiten, aber es ist Reinigung. Wenn Ihr Geist von Gedanken überwältigt ist und Sie erfahren zu viele Leidenschaften, Aufregungen und Gemütsbewegungen, müssen Sie begreifen, dass Sie die psychologischen Ebene reinigen. Und in diesem Moment wäre es für Sie sehr gut, wenn Sie sich dem Ashramleben widmen würden.

Nun, die Zeiten haben sich geändert, und es kann nicht jeder in einen Ashram gehen, weil sie nicht in jedem Teil der Welt existieren. Heutzutage, wenn Leute daran denken in einen Ashram zu gehen, dann wollen sie wissen, ob es Räume mit Zentralheizung gibt. Sie glauben, ein Ashram ist wie ein Hotel in dem sie Kriya Yoga lernen können. Deswegen mögen die Ashrams die Sie heutzutage sehen nicht genau in Übereinstimmung mit den traditionellen Typen stehen, aber der Lebensstil bietet dieselben Möglichkeiten der inneren Reinigung.

Jetzt möchte ich Karma auf eine andere Weise erklären. Jede Handlung ist ein Impuls und am Ende des Schwungs fällt ein Same. Zuerst ist der Same in Form einer Erinnerung, dann wird die Erinnerung in Samskara, oder, ich möchte sagen, ein Urbild umgeformt. Wenn die Erinnerungen Urbilder werden können Sie sie nicht erkennen, weil sie in symbolischer Form existieren. Ich möchte dazu ein Beispiel geben.

Ein Mann hat seine geliebte Frau verloren, und nach einiger Zeit wird die Erfahrung des Verlusts ein Urbild. Wenn ein Ereignis erst mal in symbolische Form überführt wurde ist es nicht länger bildhaft sondern geht auf die Schwingungsebene. Drei Jahre nach dem Verlust seiner Frau träumt der Mann von einem Lotus in einem See. Er sieht einen Vogel herabstoßen und den Lotus abrupfen. Der Lotus fällt ins Wasser und verschwindet. Das ist die Offenbarung des Urbilds das mit der Erinnerung an den Tod seiner Frau verknüpft ist.

(Aus: Teachings I - Yoga Heft Nr. 49S) - Swami Satyananda Saraswati


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