Muladhara Chakra

Muladhara Chakra

Was ist das Muladhara Chakra?

Das Sanskritwort Mula bedeutet „Wurzel“ oder „Fundament“, und genau das ist die Bedeutung dieses Chakras. Muladhara Chakra (auch Wurzelchakra genannt) ist die Wurzel des gesamten Chakra Systems, und der Einfluss, der von diesem Chakra ausgeht, berührt die Wurzel unseres ganzen Seins. Die von diesem Zentrum ausgehenden Lebensimpulse durchziehen den ganzen Körper und entfalten sich als größtmögliche, grenzenlose Wahrnehmung auf der Ebene, die als Sahasrara bekannt ist. Es scheint ein großer Widerspruch darin zu liegen, dass uns dieses erdgebundene und fundamentale Chakra zu dem höchstmöglichen Bewusstsein lenken soll. 

In der Samkhya Philosophie wird Muladhara als Mula Prakriti betrachtet, als Materie, aus der Transzendenz möglich ist. Das ganze Universum mit all seinen Formen muss irgendeine Basis haben, von der aus sich die Formen entwickeln und zu der sie nach ihrer Auflösung zurückkehren können. Der Ursprung aller Evolution ist Mula Prakriti. Muladhara ist als Basis von Mula Prakriti für alles verantwortlich, was sich in der Welt der Namen und Formen manifestiert.

In Tantra ist Muladhara die Wohnstatt von Kundalini Shakti, der Ausgangspunkt, in dem das Potenzial höherer Verwirklichung liegt. Es heißt, dass dieses große Potenzial hier in Form einer zusammengerollten Schlange ruht. Wenn sie erwacht, bewegt sie sich durch Sushumna Nadi in der Wirbelsäule nach oben, bis sie Sahasrara erreicht, wo das Erleuchtungserlebnis erst möglich wird. Daher wird das Erwachen von Muladhara in Kundalini Yoga als so wichtig erachtet.

Die Lokalisierung von Muladhara Chakra

Im männlichen Körper befindet sich Muladhara an der Innenseite des Beckenbodens zwischen Skrotum und Anus. Muladhara liegt inmitten eines Nervenbündels, von dem aus alle Empfindungen weitergeleitet werden, und das mit den Hoden verbunden ist. Im weiblichen Körper befindet sich Muladhara am Eingang zum Muttermund.

Sowohl im männlichen als auch im weiblichen Körper befindet sich an der Stelle des Muladhara Chakras eine rudimentäre Drüse, die einem Knoten gleicht. In Sanskrit nennt man sie Brahma Granthi, den Knoten von Brahma. Solange sich dieser Knoten dort halten kann, ist die an dieser Stelle angesammelte Energie blockiert. In dem Moment, wenn sich dieser Knoten löst, erwacht Kundalini Shakti.

Erst, wenn ein Mensch nach dem göttlichen Bewusstsein greift, sich einer größeren Kraft hingibt und nach einem höheren Ziel strebt, als das des instinktiven, animalischen Lebens, kann sich Brahma Granthi allmählich lösen. Mit diesem Streben geht einher, dass sich das Bewusstsein allmählich aus dem Wurzelzentrum herauslöst.

Vielen Menschen fällt es schwer, sich vorzustellen, dass sich Kundalini in Muladhara Chakra befindet und geben ihr lieber einen Platz in Manipura, denn sie wollen nicht gerne diese heilige Kundalini Shakti mit dem so unheiligen sexuellen System in Verbindung sehen. Wir wissen jedoch, dass diese winzige Drüse in Muladhara Chakra niemals versiegende Energie spendet, und dass viele psychische und spirituelle Erfahrungen in Muladhara beginnen. Man sollte also nicht glauben, Muladhara sei unrein, nur weil dieses Energiezentrum mit dem Sexualbereich in Verbindung steht.

Die traditionelle Symbolik

In der traditionellen Symbolik wird das Muladhara Chakra als roter Lotos mit vier purpurroten Blütenblättern dargestellt. Auf jedem Blütenblatt steht ein Sanskritbuchstabe in Gold geschrieben:

vam, sham, scham, sam

In der Mitte ist ein gelbes Quadrat als Symbol für das Erdelement, das von acht goldenen Speeren umgeben ist, vier sind den Himmelsrichtungen zugewandt, und vier befinden sich an den Ecken. Es heißt, dass sie die sieben Kula Berge, die sich vom Grundspeer der Erde erheben, symbolisieren.

Das goldgelbe Quadrat ist das Yantra des Erdelements und wird von einem Elefanten mit sieben Rüsseln getragen. Der Elefant ist das größte aller Landtiere; er ist stark und solide. Das sind die Eigenschaften von Muladhara − eine große, noch ruhende Kraft, die an einem soliden und sicheren Platz ruht. Die sieben Rüssel des Elefanten verweisen auf die sieben Mineralien, die für die Körperfunktionen lebensnotwendig sind. In Sanskrit heißen sie Sapta Dhatu. Der Elefant mit den sieben Rüsseln ist auch Symbol für große Bewusstheit, für unerschöpfliche Kreativität.

Ein tiefrotes, nach unten gerichtetes Dreieck reitet auf dem Rücken des Elefanten inmitten des Quadrats. Das Dreieck ist das Symbol für Shakti, der schöpferischen Energie. Es ist die Energie, die Erschaffung und Vielfalt möglich macht. In dem Dreieck ist der Dhumra Lingam oder auch Swayambhu; seine Farbe ist rauchgrau.

Um den Lingam herum, der den Astralkörper symbolisiert, windet sich Kundalini dreieinhalb Mal. Sie leuchtet wie ein heller Blitz. In der Zahl Drei finden wir das Symbol für die drei Gunas, den drei Natureigenschaften in jedem Individuum. Solange die drei Gunas in Funktion sind, befindet sich die Individualität in den Fängen des Egos. Die halbe Drehung symbolisiert die Transzendenz.

In Tantra nennt man diese zusammengerollte Schlange Mahakala, die unendliche, zeitlose Zeit. Hier liegt Kundalini im Schoß des Unbewussten, außerhalb von Zeit und Raum. In dem Moment, wenn sie sich manifestiert, betritt sie die Dimensionen der Persönlichkeit und Individualität und wird Teil von Zeit und Raum. Das ist das Erwachen der großen Schlangenkraft in individueller Form und im Bewusstsein des Menschen.

Bei den meisten Menschen liegt diese Kraft jedoch in tiefem Schlummer. Im erwachten Zustand repräsentiert Kundalini Shakti unser spirituelles Potenzial. Im schlafenden Zustand ist sie Ausdruck der instinktiven Ebene, die unser fundamentales Dasein möglich macht. Beide Möglichkeiten ruhen in Muladhara.

Über dem nach unten gerichteten Dreieck befindet sich das Bija Mantra lam. Oberhalb des Mantras, in der Mitte von Bindu, residiert der Elefantengott Ganesha, und neben ihm sitzt die Göttin Dakini, die vier Arme und leuchtend rote Augen hat. Sie strahlt wie viele, zur gleichen Zeit scheinende Sonnen und ist Symbol für immerwährende, reine Vernunft.

Das Tanmatra, das mit Muladhara in Verbindung steht, ist der Geruchssinn. In Muladhara werden Gerüche nicht nur mit der Nase, sondern auch auf psychischer Ebene wahrnehmbar. Organ der sinnlichen Wahrnehmung (Jnanendriya) von Muladhara ist die Nase, und Organ der Handlung (Karmendriya) ist der Anus. Mit dem Erwachen von Muladhara geht oft ein Juckreiz im Anusbereich einher, und der Geruchssinn tritt so stark in den Vordergrund, dass aufdringliche Gerüche schwer zu ertragen sind.

Muladhara spielt eine wichtige Rolle, wenn es um das Erwecken des Ajna Chakras geht. Es gehört zu Bhu Loka, der ersten Ebene der menschlichen Existenz. Muladhara ist das wichtigste Zentrum für Apana und gehört zu Annamaya Kosha, der Nahrungshülle, die mit der Aufnahme von Nahrung und dem Ausscheiden von Kot verbunden ist.

Wer sich in seiner Meditation auf das Muladhara Chakra konzentriert und Kundalini als Meditationsobjekt wählt, wird Herr über die Sprache und König unter den Menschen. Er erlangt alle Arten des Wissens und wird jederzeit ausgeglichen und fröhlich sein. Mit diesem Gemütszustand wird ihn keine Krankheit mehr berühren können.

Die Nadis harmonisieren

In Muladhara entspringen die drei wichtigsten Nadis und bewegen sich durch die Wirbelsäule nach oben. Ida, die Mentalkraft, entspringt an der linken Seite von Muladhara, Pingala, die Vitalkraft, an der rechten Seite und Sushumna, die spirituelle Kraft, in der Mitte. Laut Tantra ist der Ausgangspunkt der drei Nadis höchst impulsiv. Wenn die positiven und negativen Kräfte von Ida und Pingala ganz und gar ausbalanciert sind, wird ein Erwachen der schlafenden Kundalini von hier ausgelöst.

Normalerweise ist dieser ausgeglichene Zustand zwischen Ida und Pingala nur sporadisch und nur für sehr kurze Zeit möglich. Das kann jedoch schon ausreichen, um ein Erwachen auszulösen, wenn auch nur ein sehr mildes, wobei Kundalini nicht weiter als bis zu Swadhisthana oder Manipura vordringt, um dann zu Muladhara zurückzufallen.

Die Übungen des Hatha Yoga, insbesondere Pranayama, reinigen die psychischen Wege und geben ihnen Ausgewogenheit zurück. Deshalb werden sie in Kundalini Yoga als so wichtig erachtet. Ist dieser ausgeglichene Zustand zwischen Ida und Pingala stabil und beständig geworden, wird das in Muladhara erzeugte Erwachen sehr stark, und Kundalini wird mit großer Kraft aufsteigen. Alle Hindernisse auf dem Weg werden überwunden, und sie wird schließlich in Sahasrara ihr Ziel erreichen.

Pranotthana − und nicht Kundalini

Bestimmte Erfahrungen während der Meditation treten häufig dann ein, wenn Shakti von Muladhara zum Gehirn aufsteigt. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht das Erwachen von Kundalini, sondern eine Freisetzung pranischer Kraft mit dem Namen Pranotthana. Diese Vorstufe des Erwachens beginnt in Muladhara. Shakti wird sich auf dem Weg von Pingala Nadi durch die Wirbelsäule bis zum Gehirn bewegen, um sich dann in alle Winde zu zerstreuen. Dieser Vorgang bewirkt eine teilweise Reinigung der Chakras.

Bei dieser Art des Erwachens kann die Wahrnehmung von Shakti selten aufrechterhalten werden. Es bereitet den Aspiranten jedoch auf das eigentliche Erwachen von Kundalini vor, was völlig anders und sehr viel kraftvoller sein wird. Nach dem Erwachen von Kundalini wird dieser Mensch niemals wieder so sein wie vorher, denn die aufsteigende Kraft wird von einem psychischen Erwachen begleitet, was nie verloren gehen kann. Selbst, wenn sich Kundalini wieder zurückziehen sollte, wird das Potenzial immer da sein.

Muladhara und die sexuelle Ausdruckskraft

Das Erwecken von Muladhara Chakra ist außerordentlich wichtig. Zum einen ist es die Wohnstatt von Kundalini, und zum anderen ist dies die Ebene, auf der Ignoranz und Trägheit – Tamas − vorherrschend sind. Alle Leidenschaften sind in Muladhara versammelt. Alle Schuldgefühle, alle Komplexe, alle Qualen haben ihre Wurzel im Muladhara Chakra.

Physiologisch ist dieses Chakra mit den Ausscheidungsorganen und dem Genitalsystem verbunden. Ganz allgemein wird es für jeden Menschen als notwendig erachtet, dieses Chakra zu erwecken und sich aus dieser Bewusstseinsebene herauszuentwickeln. Das ganze Leben des Menschen, seine Wünsche, seine Handlungen und das, was er vollbringen will, ist von sexuellen Wünschen geprägt.

Was immer wir im Leben tun, ist ein Ausdruck dieses unteren Chakras. Unsere niederen Samskaras und Karmas sind hier verwurzelt, und genau wie in den niederen Inkarnationen, ist das ganze Sein von der sexuellen Persönlichkeit geprägt. Das war eine wichtige Erkenntnis von Sigmund Freud, der behauptete, dass alles vom Sexualtrieb beeinflusst wird, die Wahl der Kleidung, die Nahrung, die Freunde, die häusliche Einrichtung und vieles mehr.

All die schizophrenen, neurotischen, verrückten Menschen, die nicht aus ihren Schuldkomplexen herausfinden konnten, sind psychisch erkrankte Menschen, die nicht in der Lage waren, Shakti aus Muladhara zu befreien. Deshalb musste ihr Leben aus dem Gleichgewicht geraten.

Sexuelle Erfüllung und sexuelle Frustrationen beherrschen unser Leben. Wenn das sexuelle Verlangen einen anderen Platz in unserem Leben einnehmen kann, wird sich alles verändern. Oft sind es bittere Erlebnisse und durch das sexuelle Leben aufgewirbelte Probleme, die uns frustriert reagieren lassen. Aus der Verbitterung heraus sagen wir dann: „Nie wieder“. Aber das ist keine Lösung, denn es ist nur eine Reaktion aus Enttäuschung und keine permanente, aus der inneren Natur kommende Überzeugung.

Ehe Muladhara Chakra nicht gereinigt ist, wird das korrespondierende Zentrum im Gehirn immer im Tamas Zustand bleiben. Ohne den Lebensstil verändern zu müssen, können wir unser Leben schöner gestalten. Sexuelle Beziehungen sind keine Sünde, wir müssen jedoch erkennen, dass sich das Motiv, diesen Akt auszuführen, umwandeln lässt. In Tantra wird deutlich ausgesagt, dass dem Geschlechtsakt drei verschiedene Beweggründe zugrunde liegen, die sich nach der Ebene und der Frequenz des jeweiligen Bewusstseins richten.

Einige Menschen sind nur daran interessiert, Nachkommen zu zeugen, denn das ist die Ebene, auf der sich ihr Bewusstsein befindet. Andere sind nur an dem damit verbundenen Vergnügen interessiert; das ist die Ebene ihres Bewusstseins. Wenige Menschen führen den Akt aus, um das Fenster zu Samadhi zu öffnen. An der Fortpflanzung liegt ihnen nichts und auch nicht an der Befriedigung von Begierden. Sie möchten nur eine Erfahrung wachrufen und sie umwandeln. Durch diese Erfahrung öffnen sie die höheren Zentren.

Diejenigen, die nur den uns als normal erscheinenden Geschlechtsverkehr haben, müssen zuerst ihr Muladhara Chakra erwecken. Eine Frau kann durch den Geschlechtsakt Muladhara und Swadhisthana erwecken, wenn ihr Partner ein Yogi ist. Für den Mann gilt im Allgemeinen, dass er, will er diese Chakras erwecken, Kriya Yoga und Techniken wie Vajroli und Asanas praktizieren muss.

Ein wichtiger Punkt ist hier hinzuzufügen. Jemand, der seine niederen Impulse unter Kontrolle hat, oder ein Yogi, der ein höheres Sadhana ausführt, muss seinen Partner oder seine Partnerin bzw. die eheliche Beziehung nicht aufgeben. Wenn du glaubst, dass du als Yogi dem Sex entsagen musst, warum gibst du dann nicht auch Essen und Schlafen auf? Yoga zu praktizieren erfordert nicht, alles Mögliche aufzugeben, entscheidend allein ist die Veränderung des Motivs und der Betrachtungsweise.

Seit Jahrtausenden macht die Menschheit diesen großen Fehler: Der Mensch kämpft gegen sich selbst. Er möchte dem Sex entsagen, ist aber nicht in der Lage, es zu tun. Deshalb ist es so wichtig, dass das Muladhara Chakra erwacht, denn dann erst kannst du innerlich frei werden für etwas Neues.

Mit dem Erwachen von Muladhara richtig umgehen

Wenn aufgrund von Yoga Übungen und anderen spirituellen Disziplinen ein Erwachen in Muladhara stattfindet, dann rückt vieles in die bewusste Wahrnehmung. Es ist mit einem Vulkanausbruch vergleichbar, durch den Dinge an die Oberfläche gestoßen werden, die unter der Erde verborgen waren. Mit dem Erwachen von Kundalini geht ein Erkennen unbewusster Ebenen der menschlichen Existenz einher, die vorher überhaupt nicht im Bereich der Wahrnehmung lagen.

Wenn Muladhara erwacht, passieren seltsame Dinge. Das Erste, was viele Übende erfahren, ist das freie Schweben des Astralkörpers. Man hat das Gefühl, im Raum zu schweben und den Körper zurückzulassen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Kundalini Energie durch ihren Auftrieb den Astralkörper vom physischen Körper loslöst. Dieses Phänomen ist auf die astrale und möglicherweise mentale Dimension beschränkt und ist etwas anderes, als das, was normalerweise Levitation genannt wird, in der der physische Körper tatsächlich abhebt.

Außer der astralen Levitation tauchen manchmal Hellsichtigkeit und Hellhören auf, oder in der Region des Steißbeins werden verschiedene Empfindungen wahrgenommen, wie Wärme oder etwas, was langsam durch die Wirbelsäule nach oben kriecht. Diese Empfindungen entstehen durch das Aufsteigen von Shakti, der erwachten Kundalini.

In den meisten Fällen wird Shakti allerdings zu Muladhara zurückkehren, nachdem sie Manipura erreicht hat. Gelegentlich fühlt jemand, wie diese Energie bis zum Kopf aufsteigt, aber normalerweise ist nur ein winzig kleiner Teil von Shakti in der Lage, Manipura zu überschreiten. Ernsthaftes und permanentes Bemühen ist notwendig, um Kundalini weiter aufsteigen zu lassen. Hat sie jedoch Manipura einmal überschritten, dann sind keine größeren Hindernisse mehr zu erwarten.

Steigt Kundalini von Muladhara zu Swadhisthana auf, durchlebt der Sadhaka eine äußerst wichtige Zeit, in der sich all seine unterdrückten Urtriebe in Form von Gefühlen manifestieren. Leidenschaften nehmen in dieser Periode ungeheure Formen an, und darauf folgen alle möglichen Verrücktheiten, was den Sadhaka enorm reizbar und instabil macht. Man sieht ihn vielleicht eben noch in tiefer Kontemplation, und im nächsten Moment schmeißt er alle möglichen Dinge um sich.

An einem Tag schläft er vielleicht Stunden, an einem anderen steht er mitten in der Nacht auf, nimmt ein Bad und meditiert. Er wird sehr leidenschaftlich, laut und redesüchtig, zu anderen Zeiten ist er vollkommen schweigsam. Auf dieser Stufe entwickelt der Sadhaka oft eine große Liebe für das Singen.

Während dieser Periode eines intensiven psychischen Auf und Ab ist die Führung eines qualifizierten und verständnisvollen Gurus absolut erforderlich. Auch, wenn einige dieses emotionale Durcheinander als Zeichen eines gravierenden Rückfalls betrachten, wird der Guru dem Aspiranten versichern, dass dies ein essenzieller und notwendiger Teil des spirituellen Lebens ist.

Wenn eine solche Explosion nicht stattfindet, wird der gleiche Reinigungsvorgang trotzdem vonstattengehen, allerdings sehr langsam, entsprechend der aufsteigenden Probleme, die sich dann nicht nur in einem, sondern in vielen Leben zum Ausdruck bringen können.

Unter den psychischen Zentren ist Muladhara eines der wichtigsten und aufregendsten, allerdings wird auch viel Beunruhigendes aufgewirbelt. Aus diesem Grund sollte das Muladhara Chakra nicht ohne ein bereits tätiges Ajna Chakra erwachen. Die mentalen Fähigkeiten des Ajna Chakras ermöglichen dem Sadhaka, die Ereignisse objektiv und verständnisvoll zu betrachten. Das macht die ganze Erfahrung weniger beunruhigend und weniger dramatisch.

Ist Ajna erwacht, wird Muladhara das am leichtesten zu erweckende Chakra sein. Es wird dann möglich sein, sich auf Muladhara zu konzentrieren und es mühelos zu steuern. Wenn Körper und Geist die animalischen Fesseln aufbrechen, dehnt sich die Wahrnehmung aus, und der Sadhaka wird in der Lage sein, das in ihm ruhende schöpferische Potenzial zu erkennen.

Quelle: Auszug aus Kundalini Tantra von Swami Satyananda Saraswati

Satsang mit Swamiji

Swamiji, es wird gesagt, dass Kundalini gegen den Uhrzeigersinn um den Lingam gerollt ist. Hat das jemand erfahren oder woher kommt diese Aussage?

Es ist besser, wenn wir "Shiva Lingam" sagen und nicht "Lingam", denn Lingam ist der männliche Penis. Aber Shiva Lingam ist das Symbol des Bewusstseins oder das Symbol von Shiva. Lingam ist ein Sanskritwort und hat zwei Bedeutungen: einmal ist es der Phallus und zum anderen ist es der Kausalkörper. Es gibt drei Körper, den grobstofflichen, den feinstofflichen und den Kausalkörper. Der grobstoffliche Körper ist der, den wir sehen können. Den feinstofflichen Körper kann man in Träumen und Visionen erleben; und mit dem Kausalkörper kommt man im Tiefschlaf oder in Jala Samadhi in Berührung. Shiva Lingam ist das Symbol für das höchste Bewusstsein. Es ist ein sehr interessantes Thema, aber es kann auch in die Irre führen, weil das Wort Lingam sowohl für den Kausalkörper wie auch für den Phallus verwendet wird. Das Wort Yoni wird sowohl für Vagina als auch für den kosmischen Mutterleib verwendet. Man muss also die richtige Bedeutung kennen.

Nun zu Kundalini. Sie ist gegen den Uhrzeigersinn um den Shiva Lingam gerollt, nicht um den Lingam. Laut Kundalini Yoga gibt es für den Shiva Lingam drei Plätze im Körper: das Muladhara Chakra, dort heißt er Adhara Lingam, das Ursymbol; das Ajna Chakra, dort ist es der Dumga Lingam, der rauchige Lingam; das Sahasrara Chakra, dort ist es der Jyotir Lingam, leuchtender Lingam; Jyotir bedeutet Licht. Kundalini windet sich also gegen den Uhrzeigersinn um den Shivalingam.

Dazu eine wichtige Erklärung: das Muladhara Chakra liegt im Beckenboden, unterhalb des letzten Ausläufers der Wirbelsäule. Es ist eine winzig kleine Drüse, wie der Same einer Erbse und hat die Form eines Hodensacks, ähnlich eines Hodens. Und der Schwanzknochen, der oben hervorspringt, sieht aus wie ein menschlicher Lingam; und um diesen windet sich Kundalini.

(Aus: Yogaheft 10) - von Swami Satyananda - Chakra Seminar in Genf 1983


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