Satsang mit Swami Satyananda

Frage: Beim Lesen von Swamiji's `Teachings' fällt mir auf, dass viele Menschen gerne Sannyasa nehmen würden, aber verwirrt sind mit der Verbindung zwischen Sannyasa und Ehe, Eigentum, Geld, Macht usw. Was kannst du uns dazu sagen und was für einen Kodex haben Sannyasins, die außerhalb des Ashrams ihres Gurus leben?

Sie sind als Sannyasins geschult und es wird von ihnen erwartet, so zu leben. Das bedeutet, sie verzichten auf persönlichen Wohlstand und Vergnügen, um anderen zu helfen, indem sie ein System, eine Technik benutzen, wodurch Körper und Bewusstsein in Harmonie gebracht werden, so dass eine Atmosphäre geschaffen wird, die das Erwachen der Spiritualität im Individuum fördert.

Gleichzeitig wird von Sannyasins erwartet, dass sie freiwillig all ihren Besitz außer wenigen persönlichen Dingen, aufgeben. Jede Ansammlung von Geld, Bankkonten, Wertgegenständen oder Grundstücken sind integraler Bestandteil der Institution, um im Sinne und mit den Zielen des Ashrams benutzt zu werden.

Ein Sannyasin, der dieser Tradition angehört, lebt im Zölibat, ist also nicht verheiratet und lebt in keiner Partnerschaft. Wenn sie heiraten, nachdem sie in Sannyasa eingeweiht wurden, sind sie traditionellerweise nicht länger als Sannyasins zu betrachten.

Familien (Ehepartner und Kinder), die gerne Sannyasa nehmen möchten, können dies tun und als Karma Sannyasins leben, in das sie der Guru einweihen kann.

Was das persönliche Leben und den Besitz betrifft, möchte ich folgendermaßen zusammenfassen: Von unseren Sannyasins, besonders solchen, die unter voller moralischer und spiritueller Obhut unseres Gurus und seines Nachfolgers stehen, wird erwartet, dass sie, wenn sie für eine Institution verantwortlich sind, ihr Leben so führen, wie oben beschrieben und so arbeiten, dass sie dem Ruf unserer alten Tradition oder darüber hinaus der Yogalehre nicht schaden.

In diesem Fall wird von den Sannyasins erwartet, dass Organisation und Geldangelegenheiten in jeder Hinsicht mit unserer Vorstellung übereinstimmen, dass sie ihren gesunden Menschenverstand benutzen und die Gesetze des Landes respektieren.

Wenn Zweifel oder Schwierigkeiten, oder Unsicherheit über Verhaltensweisen in bestimmten Situationen auftauchen, (sei es eine intime persönliche Sache, körperlich oder medizinisch, moralisch oder ethisch, politisch oder spirituell, finanziell oder organisatorisch), dann sollte sich der Sannyasin sofort mit dem Guru oder seinem Nachfolger oder seiner Vertretung in Verbindung setzen und sich, wenn nötig, für eine gewisse Zeitspanne im indischen Ashram aufhalten, bis Zweifel oder Schwierigkeiten behoben sind.

Um Fehler in der Organisation und der Lehre zu vermeiden und mit den Regeln des Mutterashrams stets im Einklang zu leben, wird von den Swamis, die außerhalb von Indien leben, erwartet, mindestens alle zwei Jahre einen Monat im Ashram in Munger zu verbringen. Ohne den regelmäßigen Kontakt wird es für Sannyasins sehr schwer sein, die Verbindung mit dem Guru, seinem Nachfolger und dem Ashram aufrecht zu erhalten. Diese Verbindung ist lebensnotwendig, nicht nur für die Übermittlung von Lehre und Energie, sondern auch für ein erfolgreiches Sadhana und das Sannyasa Leben.

(Aus: Yoga Magazine, September 1989, Indien; Yoga Heft Nr. 34)

Ist jeder berechtigt, voll Sannyasa zu nehmen? Was muss man tun, was muss man sein?

Swami Satyananda: Wenn du Sannyasa als Teil einer großen religiösen oder okkulten Organisation betrachtest, dann gibt es sicher Qualifikationen; wenn du bestimmte Qualifikationen erfüllst, dann wirst du Professor oder Bischof. Wenn du Sannyasa jedoch als persönliche Wahl betrachtest, wodurch jeder Einzelne spirituell wachsen kann, dann sind keine äußeren Qualifikationen notwendig. Die Qualifikationen sind ganz und gar persönlicher Natur. Meine ich es ernst? Will ich es wirklich? Nehme ich Sannyasa für meine spirituelle Erbauung? In einem solchen Fall ist ein Minimum an Qualifikationen ausreichend, um Sannyasa zu nehmen.

 

Was ist Sannyasa? Wörtlich bedeutet es vollständige Hingabe. Nun, es ist wichtig, das Wort Hingabe richtig zu verstehen. Wenn du mit Worten betonst, dass du dich hingibst, ist das nicht genug. Wenn du mir sagst: 'Ich will dir alles geben', so ist das nicht genug. Was gibst du hin und wie gibst du hin? Als menschliches Wesen hast du Emotionen, Intelligenz, ein Gedächtnis, Sprache, Stärke, Gesundheit, Rücklagen, Freunde, Gesellschaft. Das ist dein Vermögen; das ist dein Geld. Benutzt du es oder verschwendest du es für dich? Eines Tages kommt es dir in den Sinn: 'Hey, was mache ich? Ich will das, was ich habe, für einen ganz bestimmten Zweck verwenden.'

Das ist dein Sankalpa. Von diesem Tag an werden deine Gedanken, deine Energie, dein Bewusstsein, dein Prana, dein Tag, deine Nacht, dein Essen, dein Schlafen, deine Freunde, alles und alles nur noch für diesen Zweck verwendet. Das ist die genaue Bedeutung von Sannyasa. Deshalb sind Sannyasins nicht verheiratet. Wenn du eine Frau hast, musst du dich um sie kümmern. Du musst ihr dein Bewusstsein, dein Geld, deine Liebe, deine Unterstützung und viele andere Dinge deines Vermögens geben. Aus diesem Grunde gibt es für einen Sannyasin das Zölibat.

Sannyasa ist einer der ältesten Orden. Es hat nichts mit Mönchsein zu tun. Mönche und Priester haben einen anderen Orden. Bitte vermische nicht Sannyasa mit der Mönchstradition. In der alten griechischen Zivilisation gab es eine Tradition der Mönche. Das Wort Mönch stammt aus dem Wort Mono und bedeutet allein. Ein Sannyasin ist kein Mönch. In Europa wurde ich oft vorgestellt als Swami Satyananda, ein hinduistischer Mönch. Aber ich sagte immer, dass ich kein Mönch bin, sondern Sannyasin.

Ein Sannyasin ist jemand, der sich der Selbsterkenntnis, dem Atma Gyana vollkommen hingegeben hat. Dich selbst zu erkennen, wer du bist, dass ist der Sinn von Sannyasa. Im Moment denke ich vielleicht: 'Ich bin Swami Satyananda, und das ist genug.' Nein. Ich bin nicht Swami Satyananda. Ich bin nicht dieser Name, diese Form, dieser Geist, dieses Prana, diese Sinne. Ich bin das Selbst. Aber wer ist das? Ist es Licht? Ist es Kraft? Ist es Weisheit? Ist es Shoonya? Was ist es? Existiert es überhaupt?

Um deine wahre Natur zu entdecken, um über dein Körperbewusstsein hinauszugelangen, über den Geist, die Sinne, um die Verbindung zwischen dem Atma und dem Ganzen zu begreifen, musst du all deine mentalen, psychischen, emotionalen und physischen Schätze in diese Richtung lenken. Dann nimmst du Sannyasa, und dann musst du bestimmte Regeln für dich aufstellen. Du kannst nicht einfach nachsichtig und milde sein.

Ich will nicht sagen, dass Sannyasa der Weg der Unterdrückung ist, aber Menschen mit Wünschen und Leidenschaften, mit Gewalt und Heftigkeit sollten nicht Sannyasa nehmen. Sie können ihre Ressourcen vielleicht ein bisschen umlenken, aber nicht vollkommen. Wenn man mit Bewusstsein, Körper, Sinnen und Gefühlen nur ein einziges Ziel vor Augen hat, dann ist man reif, Sannyasa zu nehmen und den Pfad zu gehen, sich selbst gewisse Regeln setzend.

Sannyasa ist absolut und total auf die Verbindung mit dem Guru bezogen. Wenn du keinen Guru hast, dann bist du kein Sannyasin. Sich selbst darbringen, sich selbst hingeben, sich jemandem anderen vollkommen hingeben, das ist der innere Geist von Sannyasa. Wenn du dich selbst hingibst und Sannyasin wirst, dann muss da jemand sein, dem du dich hingeben kannst, und das ist der Guru. Dies ist ein Aspekt von Sannyasa.

Es kommt aus einer tiefen Ergebenheit heraus, dass du dich mit Leib und Seele hingibst. Ohne Ergebenheit kannst du dich nicht hingeben. Aus der Geschichte wissen wir, dass Menschen zu Märtyrern wurden. Viele Menschen haben ihr Leben zum Wohle von irgendetwas hingegeben. Warum? Es geschieht aus totaler Ergebenheit und Hingabe, dass du ein Märtyrer wirst oder dich selbst opferst.

Wenn du jemanden liebst, bist du ihm ergeben. Du dienst einer Gemeinschaft, einem Land, einer Person. Warum? Du tust es aus Ergebenheit. Sannyasa ist das Ergebnis von totaler Ergebenheit einem anderen gegenüber. Wenn du das nicht hast, dann bist du ein Mönch, aber kein Sannyasin. Dann bist du ein Entsagender, ein Einsiedler, aber das sind alles selbstsüchtige Menschen, denn sie können sich niemandem hingeben. Dies also ist der eine Aspekt von Sannyasa.

Ein anderer Aspekt ist das vollkommene Schenken. Bevor du Sannyasa nimmst, sind dein Körper, dein Geist, deine Sinne, deine Ambitionen, deine Ziele, deine Gefühle und deine Fähigkeiten auf das Vergnügen für dich selbst gerichtet, denn du betrachtest sie als dein Eigentum. Aber wenn du einmal Sannyasa genommen hast, dann ist alles gebucht, alles ist zu einem einzigen Punkt hingelenkt. Du kannst keine deiner Fähigkeiten oder Schätze mehr für dein eigenes Vergnügen beanspruchen; das wäre Missbrauch.

Ein Sannyasin macht also eine perfekte Stiftung, eine Treuhandschaft seiner physischen, mentalen, intellektuellen, emotionalen, sozialen und ökonomischen Schätze. All diese Schätze werden nur dem einen Ziel zur Verfügung gestellt, den Befehl des Gurus zu erfüllen. Was immer der Guru für dich entscheidet, du wirst es machen. Wenn er dich auffordert, in einer Höhle zwölf Stunden am Tag zu meditieren, dann tust du es.

Alle Energien müssen in die Richtung gelenkt werden, den Befehl des Gurus zu erfüllen. Wenn der Guru will, dass du im Garten, auf dem Hof, in der Küche, im Büro oder in den Yogaklassen arbeitest, dann tust du es. Benutze alle deine Energien, und lenke sie so, dass du den Befehl des Gurus ausführen kannst. Auf diese Weise befreist du dich von deinem Ego. Das ist der Geist von Sannyasa.

Der Sannyasa Pfad ist aus diesem Grunde auch nicht so einfach. Ich will niemanden entmutigen; ich kann jeden in Sannyasa einweihen. Es wäre einfach, wenn Sannyasa nur mit der Kleidung angezogen werden kann. Es wäre auch einfach, nur den Namen oder die Tradition und Kultur zu ändern, und noch einfacher wäre es, die Religion zu ändern; hierfür brauchst du nur ein Zertifikat, und das ist alles.

Wenn Sannyasa bedeuten würde, in die Einsamkeit zu gehen und in einer Höhle zu leben, dann könntest du das ohne große Schwierigkeiten. Wenn es bedeuten würde, nur eine Mahlzeit pro Tag zu dir zu nehmen, wäre das auch zu bewältigen. Wenn es bedeuten würde, mit einem Minimum für dein Leben zurechtzukommen, würdest du das auch schaffen. Aber dich vollkommen und total einem anderen Wesen, vielleicht deinem Guru hingeben, unterordnen und alles akzeptieren, was er sagt, das ist sehr schwer. Es erfordert, dass du dein Ego klein und demütig machst, und die Unterordnung des Ego ist sehr schwer.

Mönche haben andere Regeln, aber Sannyasa in Verbindung von Guru und Jüngerschaft ist sehr schwer. Trotzdem glaube ich, dass Menschen, die dazu neigen, Sannyasa zu nehmen, ihre Unabhängigkeit im Leben beweisen und sich als freie Menschen bewegen, als Teil der klassenlosen oder kastenlosen Gesellschaft. Wenn ein Sannyasin jemand ist, der bereit ist, ohne Fesseln und Bindungen zu leben, dann glaube ich, dass viele Menschen qualifiziert sind, Sannyasa zu nehmen.

(Aus: Yoga Heft Nr. 14) - Satsang mit Swami Satyananda


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