Anahata Chakra

Bild des Yantras vom Anahata Chakra

Was ist das Anahata Chakra?

In Kundalini Yoga ist das Anahata Chakra (Herzchakra) von großer Bedeutung, denn hier wird sich Kundalini ziemlich lange aufhalten. Es wird zwar gesagt, dass das Erwachen von Manipura aufwärts konstant bleibt, aber es wird sicher einen längeren Aufenthalt in Anahata geben.

Es gibt die weitverbreitete Auffassung, dass sich das menschliche Bewusstsein im augenblicklichen Zeitalter durch Anahata bewegt. Das bedeutet, dass das Anahata Chakra bei vielen Menschen aktiv wird. Allerdings besteht ein großer Unterschied zwischen Erwachen und Tätigwerden. Bei den meisten Menschen ist das Anahata Chakra noch nicht wirklich aktiv, vielmehr beginnt es gerade, ein wenig zu arbeiten. Muladhara ist dagegen äußerst aktiv und bei den meisten Menschen der augenblicklichen Zeit nahezu vollständig erwacht.

Die wörtliche Bedeutung von Anahata ist im Sanskrit „unangeschlagen“. Das Anahata Chakra hat diesen Namen, weil es in enger Beziehung zum Herzen steht, das in einem ununterbrochenen Rhythmus pocht, schlägt und vibriert. In vielen der alten Schriften wird darüber gesprochen, dass es einen Klang gibt, der nicht empirischer, nicht materieller, sondern transzendenter Natur ist. Dieser Klang ist immerwährend, ebenso wie das Herz, das treu und ohne Unterbrechung von der Zeit vor der Geburt bis zum Tod schlägt.

Die Lokalisierung des Anahata Chakra

Anahata befindet sich im Inneren der Wirbelsäule in Höhe der Brust. Das Kshetram ist das Herz, und wenn Anahata auch als das Herzzentrum bezeichnet wird, ist damit nicht das biologische Herz gemeint. Obwohl es physiologisch gesehen dem Herzgeflecht zugeordnet werden kann, liegt dieses äußerst feinstoffliche Energiezentrum doch weit außerhalb dieser physiologischen Dimension. Wegen der Verbindung zum Herzen, wird das Anahata Chakra auch Herzchakra genannt.

In Yoga nennt man das Herzzentrum auch Hridayakasha, was auf den „Raum der Reinheit inmitten des Herzens“ verweist. Da dieses Chakra mit einem Bereich des Gehirns verbunden ist, der für alle schöpferischen Kunstformen wie Malerei, Tanz, Musik, Dichtkunst usw. zuständig ist, ist es sehr sensibel.

Die traditionelle Symbolik des Anahata Chakras

Obwohl die meisten der tantrischen Schriften dem Anahata Chakra das Scharlachrot der Bandhuka Blume zuordnen, ist es für mich persönlich blau. Der Lotos hat zwölf Blütenblätter, auf denen in zinnoberrot die nachfolgenden Silben geschrieben stehen:

kam, kham, gam, gham, ngam, cham, chham, jam, jham, nyam, tam, tham

Den inneren Bereich bildet ein Hexagon, als Symbol für das Luftelement, das Vayu Tattwa. Das Hexagon wird aus zwei ineinander verschlungenen Dreiecken gebildet und symbolisiert die Vereinigung von Shiva und Shakti. Das mit der Spitze nach unten gerichtete Dreieck ist Ausdruck der Kreativität, Shakti. Das nach oben gerichtete Dreieck ist Ausdruck für Bewusstsein, Shiva.

Das Tiersymbol in der Mitte des Hexagons ist eine schwarze Gazelle, der Eigenschaften wie Wachsamkeit und Leichtfüßigkeit zu eigen sind. Darüber steht dunkelgrau das Bija Mantra yam geschrieben. Im Bindu dieses Mantras finden wir die göttlichen Aspekte, Deva Isha, die alles durchdringende göttliche Form, leuchtend wie die Sonne und Devi Kakini als Wohltäterin aller. Ihre Farbe ist Gelb, sie hat drei Augen und vier Arme, sie ist gütig und hat eine heitere Ausstrahlung.

Im Mittelpunkt des Lotos ist ein nach unten gerichtetes Dreieck, in dem Akhanda Jyotir brennt, die unbewegliche, ewige Flamme, als Symbol für die individuelle Seele, Jivatma. In einigen der tantrischen Schriften wird gesagt, dass sich in dem Dreieck ein Shivalingam befindet. Es ist der gold schimmernde Bana Linga.

Unter dem eigentlichen Lotos von Anahata ist ein kleinerer Lotos mit roten Blütenblättern, und darin verborgen steht der Baum, der Wünsche erfüllt, Kalpa Taru. Viele Heilige empfehlen das Visualisieren des Kalpa Taru oder eines stillen Sees inmitten des Hexagons von Anahata. Auf dem See ist ein wunderschöner blauer Lotos. Vielleicht hast du dieses Symbol schon gesehen, denn es ist das Emblem von einigen Ashrams und spirituellen Missionen.

Anahata gehört zu Maha Loka, der ersten Ebene der Unsterblichkeit. Das Vayu von Anahata ist Prana, das sich durch Nase und Mund bewegt. Das Tanmatra ist das Fühlen oder Berühren. Das Jnanendriya ist die Haut und das Karmendriya sind die Hände. Anahata gehört zu Manomaya Kosha, der Hülle, die aus Gedanken und Gefühlen gewebt ist.

Vishnu Granthi, der zweite psychische Knoten, befindet sich in diesem Herzzentrum. Er ist Ausdruck der emotionalen Fesseln, der Tendenz, Entscheidungen gefühlsmäßig zu treffen, statt sich vom spirituellen Licht führen zu lassen. Vishnu Granthi wird dann entknotet, wenn sich die Wellen der Emotionen glätten und somit das spirituelle Erwachen nicht mehr blockiert, sondern gefördert wird.

Wer auf den Herzlotos meditiert, so heißt es, wird unter Yogis besonders geschätzt und verehrt. Er ist weise und voll nobler Taten. Die Sinne sind vollkommen unter seiner Kontrolle und es fällt ihm leicht, sich zu konzentrieren. Er spricht inspirierend und hat die Fähigkeit, einen anderen Körper willentlich zu betreten.

Schicksal und freier Wille

Die tantrischen Schriften beschreiben Anahata als das Chakra, in dem sich Gedanken und Wünsche materialisieren und in Erfüllung gehen. Es gibt zwei grundlegende Denkrichtungen, das von Abhängigkeit geprägte Denken und völlig freies, unabhängiges Denken. Bis zu Manipura Chakra trifft das erstere zu, aber in dem Moment, wenn Shakti das Anahata Chakra durchdringt, wird das Zweite vorrangig gegenüber dem Ersten.

Solange sich das Bewusstsein in den unteren Chakras befindet, wirst du ganz und gar davon abhängig sein, was durch dein Schicksal vorherbestimmt ist. Der Sanskritbegriff dafür ist Prarabdha Karma. Ein Erwachen / eine Aktivierung in den unteren Chakras wird das noch nicht wesentlich verändern. Wenn jedoch das Bewusstsein durch Manipura Chakra weiter nach oben steigt, kannst du schon einige der Lebenssituationen beherrschen, obwohl du noch immer von deinem Prarabdha Karma beeinflusst und daran gebunden bist. Du weißt, dass du dich darüber hinaus bewegen kannst, aber du weißt noch nicht wie.

Die unteren Chakras gehören der empirischen Welt von Körper, Bewusstsein und Sinnen an. Menschen, die ihr Schicksal als unabänderlich betrachten, haben Muladhara und Swadhisthana noch nicht überschritten. Manipura wird noch als erdgebunden betrachtet, obwohl es sich auf der Grenze zwischen Sterblichkeit und Unsterblichkeit befindet. Menschen, die durch Stärke und Willenskraft ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und es in eine positive Richtung lenken, was zu Erfolg und Selbstverwirklichung führt, befinden sich im Bereich von Manipura.

Anahata liegt nahezu gänzlich außerhalb dieser empirischen Dimensionen. Hier erkennt man, dass es so etwas wie Schicksal gibt, dass man aber trotzdem über diese Vorbestimmung hinausgehen kann. Stelle dir vor, du wirfst etwas in den Himmel.

Wenn du in der Lage bist, einen Gegenstand aus dem Feld der Schwerkraft hinauszuschleudern, kann es nicht mehr von den magnetischen Erdkräften angezogen werden. So wie ein Raumschiff mit ungeheurer Geschwindigkeit startet, um die Schwerkraft der Erde zu überwinden, so wird das Bewusstsein in Anahata bis zur Geschwindigkeit des freien Willens angetrieben, um sich aus dem Sog der latenten Samskaras herauszubewegen.

Erst nach Erreichen von Anahata Chakra wirst du ein Yogi sein. Bis dahin bist du ein Yogaschüler, ob du nun in Muladhara, Swadhisthana oder Manipura weilst. In Anahata wirst du zum Yogi, weil du im yogischen Bewusstsein gefestigt bist, also nur noch von der Kraft deines eigenen Bewusstseins abhängig bist und nicht mehr davon, was du vorher als ein von außen auf dich zukommendes Schicksal betrachtet hast.

Wunscherfüllung

In dem Moment, wenn das Anahata Chakra erwacht, hat man die Freiheit, sich von seinem vorherbestimmten Schicksal loszusagen. Laut Tantra befindet sich an der Wurzel von Anahata der Wunsch erfüllende Baum, Kalpa Taru oder Kalpa Vriksha. Wenn dieser Baum Früchte trägt, bewahrheitet sich alles, was man denkt oder wünscht.

Normalerweise haben wir unendlich viele Wünsche, doch sind sie meistens nichts anderes als Tagträume. Wenn sie sich alle erfüllen würden, müssten wir uns ernsthaft fragen, ob wir die Erfüllung unserer Wünsche wirklich wollen. Die meisten Menschen ziehen es vor, vom Schicksal abhängig zu sein, anstatt die Verantwortung für ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und so sollen sie es auch haben. Es gibt eine schöne Geschichte, die gern erzählt wird, um das bildlich zu machen.

Ein Wanderer saß unter einem Baum. Er war sehr müde und hatte Durst. Er dachte an einen klaren Bach, und sofort hörte er Wasser neben sich plätschern. Nachdem er etwas Wasser getrunken hatte, wünschte er sich etwas zu essen, um seinen Hunger zu stillen. Auch das Essen stand sofort vor ihm. Nun fühlte er sich müde und dachte sich, dass er gerne schlafen würde.
Plötzlich stand ein weiches Bett neben ihm. Er legte sich schlafen. Der unwissende Mann wusste nicht, dass er sich unter dem Wunsch erfüllenden Baum befand. Spät abends wachte er wieder auf, die Sonne war untergegangen und es war dunkel. Er sprang auf und ein Gedanke schoss ihm in den Sinn: „Mein Gott, es ist ja furchtbar dunkel, womöglich kommen Tiger und fressen mich!“ Und so geschah es.

So kann es jedem ergehen, der die Fähigkeit der Wunscherfüllung weckt, ohne sich richtig vorzubereiten. Wenn das Bewusstsein in Anahata erwacht, du dir aber der Kraft deiner Gedanken nicht bewusst bist, oder zu einer negativen, pessimistischen Einstellung neigst, dunkle Vorahnungen, Ängste und andere negative Gedankenabläufe in dir trägst, wirst du sofort ihre Beute werden.

Wenn das geschieht, läufst du Gefahr, von Anahata zurückzufallen. Und wenn du von Anahata herunterfällst, ist kaum eine Chance, noch einmal beginnen zu können. Um einen Absturz an diesem Punkt zu vermeiden, ist es angebracht, stets so wachsam wie eine Gazelle zu sein, die für jedes auch noch so feine Geräusch empfindsam ist. Deswegen ist die Gazelle das Tiersymbol von Anahata. Ihr ist nicht Ruhelosigkeit zu eigen, sondern Wachsamkeit.

Wenn alles, was du dir wünschst, eintritt, dann ist das zwar einerseits sehr erfreulich, doch wird es andererseits dringend notwendig, dass du ununterbrochen deine Einstellung dir und anderen gegenüber überprüfst. Vor zweifelnden Gedanken musst du dich hüten. Ich möchte Beispiele dafür geben: Du bemerkst schnelles Herzklopfen und denkst: „Vielleicht sind das die ersten Anzeichen von Angina Pectoris“. Du hast Schmerzen im Unterleib und denkst: „Mein Blinddarm muss raus oder vielleicht habe ich Gallenblasenentzündung.“

Solche Gedanken können viele Probleme aufwerfen und Störungen nach sich ziehen. Ebenfalls musst du dich davor hüten, an anderen Menschen zu zweifeln: „Vielleicht ist dieser Mensch mir feindlich gesinnt.“ „Mein Sohn ist krank, hoffentlich stirbt er nicht.“ „Mein Freund lässt nichts von sich hören, hoffentlich hatte er keinen Unfall.“ Es ist also notwendig, ernsthaft und wachsam alle mentalen Spielereien und Fantasien zu kontrollieren.

Alle möglichen Gedanken, die den Körper, die Kinder, die Frau, den Mann, die Familie, das Geld, die soziale, wirtschaftliche oder politische Lage betreffen, prasseln ständig auf uns ein. Solange Kundalini schläft, haben diese Gedanken keine Kraft, aber wenn sie in Anahata Chakra erwacht, werden all diese Gedanken plötzlich Realität. Wenn wir auf dieser Stufe nicht sehr wachsam sind, werden wir unsere eigene Hand in zerstörerischer Weise gegen uns selbst richten.

In der alten tantrischen Schrift Saundarya Lahiri wird diese Art Wunscherfüllung sehr treffend als Chintamani, der Wunsch erfüllende Edelstein, beschrieben. Chinta bezieht sich auf den Prozess des selektiven Denkens, und Mani bedeutet Edelstein. Chintamani bedeutet daher „Der Edelstein des korrekten und positiven Denkens“.

In dieser Schrift wird Anahata als Garten der Devas bezeichnet. In der Mitte des Gartens ist ein kleiner, göttlicher See, indem sich Chintamani befindet. Den Edelstein zu besitzen, ist nicht unbedingt notwendig. Solange du dir seiner Nähe sicher bist, reicht das aus, um jeden Gedanken wahr werden zu lassen.

Eine neue Art des Denkens entwickeln

Wenn Anahata aufblüht und erwacht, musst du dich in optimaler Gesellschaft − Sangha − aufhalten. Du solltest Menschen meiden, die von ihrem Schicksal abhängig sind und solche suchen, die sich auf ihr Vertrauen verlassen. Du musst unerschütterliches Vertrauen in die Kraft deines eigenen Willens haben. Auch, wenn alles gegen dich gerichtet ist, solltest du unbeirrbar bleiben, nur dann wirst du Erfolg haben.

Willenskraft entsteht nicht durch Suggestion. Wenn du krank bist und sagst dir hundertmal: „Ich bin gesund, ich bin gesund, ich bin gesund...“ wird das als Suggestion bezeichnet. Das ist nicht Willenskraft, denn sie vermag etwas ganz anderes. „Selbst, wenn mein Sohn an einer schweren Krankheit leidet und die Ärzte behaupten, dass er sterben wird, so weiß ich, dass er nicht sterben wird.“ Diese Art des Denkens musst du üben und dazu deinen Willen einsetzen.

Die erste Vorbereitung, um dich mit dem Erwecken von Anahata vertraut zu machen, ist eine Veränderung der ganzen Denkweise. Wenn du zu den Menschen gehörst, deren Gedanken und Wünsche entgegen aller anderslautenden Prognosen häufig wahr werden, dann ist es angebracht, gewisse Vorsicht mit der neuen Denkweise walten zu lassen.

Du musst extrem optimistisch und positiv in deiner Einstellung werden und immer voller Zuversicht sein. Niemals solltest du dich in Negativität fallen lassen. Körperlich, mental und spirituell musst du mit dir selbst, mit den Menschen um dich herum und der ganzen Gesellschaft in Frieden leben. Auch wenn die Welt voller Konflikte, Gegensätzlichkeiten und Feindseligkeiten ist, solltest du einen tiefen Frieden in dir selbst fühlen können.

Betrachte niemals irgendeine Situation im Leben als schlecht. Selbst, wenn dir ein Mörder, ein hoffnungsloser Spieler oder ein Wüstling über den Weg läuft, ist er für dich trotz allem ein guter Mensch. Jede Situation ist für dich gut und die Zukunft ist immer rosig. Diese Einstellung musst du in jeglicher Situation beibehalten. Es spielt keine Rolle, ob du von Armut, Leiden, Krankheit, Konflikten, Scheidung, emotionalen Krisen und Unstimmigkeiten umgeben oder selbst davon betroffen bist. Alles ist gut und du akzeptierst es.

Mit Entschlossenheit und Meditation stärkst du einen einzigen Gedanken in dir: „Die ganze Welt ist in mir“. Oder anders ausgedrückt: „Ich bin in jedem Wesen“. Wenn du diese universale Einstellung annehmen kannst, wird Kundalini aufleuchten und der Weg zum fünften Chakra, Vishuddhi, dem Zentrum der Unsterblichkeit, ist frei. Hier liegt die Bedeutung und Wichtigkeit von Anahata. Das beste Mantra für das Herzzentrum ist wahrscheinlich Om Shanti. Om ist die kosmische Schwingung des Universums und durchzieht die ganze Schöpfung, und Shanti bedeutet Frieden

Liebe ohne Erwartungen

Das Anahata Chakra ist mit Gehirnbereichen verbunden, die feinere Emotionen auslösen können. Das Erwachen wird daher von einem Gefühl universaler, uneingeschränkter Liebe für alle Wesen begleitet. Es gibt natürlich viele gütige und wohltätige Menschen in der Welt, die aber nicht alle uneigennützig sind.

Ihre Wohltätigkeit ist nicht Ausdruck des Anahata Chakras und des spirituellen Mitgefühls, sondern menschliches Mitleid. Mit dieser Art Mitleid eröffnest du Krankenhäuser, verteilst Nahrung, Kleidung, Geld und Medizin, das ist allerdings menschliche Wohltätigkeit.

Worin liegt der Unterschied zwischen menschlicher und spiritueller Wohltätigkeit? Menschliche Wohltätigkeit enthält immer das Element der Selbstsucht. Wenn ich dich zum Hinduismus bekehren will und dir deshalb etwas schenke, dann ist das Ausdruck menschlicher Wohltätigkeit.

Wenn ich sehr freundlich zu dir bin, weil ich dich zu meinem Anhänger machen will, dann ist das menschliche Freundlichkeit. Wenn jedoch das Anahata Chakra erwacht, sind all deine Handlungen uneigennützig, und du entwickelst spirituelles Mitgefühl. Du begreifst, dass Liebe kein Handel ist, dass sie frei von Erwartung sein muss.

Jede Art von Liebe ist durch Selbstsucht verunreinigt, sogar die Liebe zu Gott, denn du erwartest etwas von ihm. Die Liebe, die in dieser Welt am wenigsten selbstsüchtig ist, ist wahrscheinlich die Mutterliebe. Natürlich ist auch sie nicht völlig frei davon, aber die Opferbereitschaft einer Mutter ist so groß, dass ihre Liebe relativ wenig Selbstsucht enthält.

Die mit dem Anahata Chakra assoziierten Eigenschaften können auf vielerlei Weise wachgerufen werden. Das Symbol des Anahata Chakras ist ein blauer Lotos, in dem zwei Dreiecke ineinander verschlungen sind. Das ist das Bild für das Öffnen des menschlichen Herzens. Musik, Kunst, Bildhauerei, Literatur und Dichtkunst, all das sind wichtige Hilfen, um das im Anahata Chakra ruhende Potenzial zu wecken. Wenn sich das Anahata Chakra öffnet, wird sich dein Verständnis für alle Wesen gravierend verändern. Es gibt eine schöne Geschichte dazu.

Auf einer traditionellen indischen Pilgerreise begeben sich die Sadhakas in den Norden zur Quelle des Ganges, schöpfen etwas Wasser und tragen es über den ganzen Kontinent zur Südspitze Indiens. Sie pilgern zu einem bestimmten Tempel und gießen das heilige Wasser über einen Shivalingam. Die Entfernung, die sie während dieser Pilgerreise überwinden, beträgt fast dreitausend Meilen.

Einmal hatte ein Heiliger seine Pilgerreise mit dem mit Gangeswasser gefüllten Behälter nahezu beendet. Als er den Innenraum des Tempels betrat, wo er den Shivalingam mit dem Wasser übergießen wollte, sah er einen Esel, der verzweifelt nach Wasser schrie.

Der Sadhaka öffnete sofort seinen Topf und gab dem Esel daraus zu trinken. Die anderen Pilger riefen entsetzt: „He, was machst du da? Du hast das Wasser den langen Weg hierher getragen, um es Shiva darzubringen, und nun gibst du es einem gewöhnlichen Tier!“ Aber der Heilige sah das nicht so, denn sein Bewusstsein arbeitete auf einer ganz anderen und viel höheren Frequenz.

Auch das, was von Buddha erzählt wird, ist Ausdruck einer hohen Bewusstseinsfrequenz. Buddha machte seinen Abendspaziergang und begegnete einem alten Mann. Die Leiden des Alterns berührten ihn zutiefst. Er sah einen Toten, und wiederum bewegte ihn das sehr.

Wie oft sehen wir alte, leidende Menschen? Sind wir davon so berührt, wie er es war? Sicher nicht, denn unser Bewusstsein ist anders. Das Erwachen eines Chakras verändert die Frequenz des Bewusstseins, und dadurch werden unsere alltäglichen Beziehungen zu Menschen und unserer Umgebung unmittelbar beeinflusst.

Liebe überwindet das Ego

Das Anahata Chakra kann durch Bhakti Yoga erweckt werden. Das ist ein Yoga Weg, der keinen Raum für Egoismus lässt. Du kannst dich Gott oder dem Guru hingeben, wobei es leichter ist, wenn du dich Gott hingibst, denn er rüttelt nicht an deinem Ego. Wenn er es aber tut, wirst du es nicht bemerken.

Wenn du dich dem Guru hingibst, wird er als Erstes dein Ego entlarven, und du wirst eine Menge Schwierigkeiten haben. Wenn du ihn nur gelegentlich triffst, werden die Probleme nicht so sichtbar sein, wenn du jedoch mit ihm lebst, sind sie sehr viel größer. Deshalb halten es viele Menschen für sicherer, einen Guru zu haben, der nicht mehr lebt.

Das Ego ist nicht nur ein Hindernis auf dem spirituellen Weg, es ist auch die größte Barriere zu einem harmonischen und angenehmen familiären und sozialen Leben. Um das Ego zu packen, gibt es zwei wichtige Wege. Der eine ist Karma Yoga und der andere Bhakti Yoga. Mit dem Verstand wirst du dein Ego niemals entfernen können. Es kann niemals besiegt oder eliminiert werden, solange du nicht die höchste Form der Liebe entwickelt hast. Genauso wie die Sonne keine Dunkelheit zulässt, so entfernt Liebe das Ego. Diese zwei können niemals nebeneinander existieren.

Um Anahata zu erwecken, sollten wir deshalb unbedingt Bhakti Yoga praktizieren. Wenn Kundalini in Anahata eintritt, ist die Hingabe so vollkommen, dass sich selbst ein überzeugter Atheist verändern wird. Das Öffnen des Anahata Chakras ist jedoch nicht nur der Weg zu Gott oder dem Guru, sondern auch zu Einigkeit und Harmonie im Familienleben. Ebendarum werden in Indien die meisten Hindufrauen schon in jungen Jahren in Bhakti Yoga eingeweiht.

Für Frauen ist es sehr viel leichter ist, das Anahata Chakra zu erwecken, deshalb wird im Alter von vier bis sechs Jahren die Liebe und Hingabe zu Shiva, Krishna, Rama, Vishnu, Lakshmi, Durga usw. in ihnen geweckt. Das ist auch der Grund, warum Frauen empfohlen wird, Anahata als Meditationszentrum zu benutzen, während Männern normalerweise das Ajna Chakra empfohlen wird. In Anahata wohnt sowohl die menschliche als auch die göttliche Liebe, und genau betrachtet entspringen diese beiden Formen der Liebe aus einer Quelle.

Die psychischen Eigenschaften des Anahata Chakras

Vor dem Erwachen des Anahata Chakras kann Schmerz in der Brust auftauchen, das Herz unregelmäßig schlagen oder der Puls schneller werden. Trotzdem fühlt man sich nicht krank, sondern eher gesund und aktiv, und man braucht wenig Schlaf. Man ist in der Lage, ein emotionales Gleichgewicht zu halten und hat die Fähigkeit, sowohl äußerlich als auch innerlich zu kommunizieren. Man hört vielleicht Stimmen oder Klänge, die aus einer anderen Welt kommen, und schwirrende, summende Geräusche oder der Klang einer Flöte wird wahrgenommen.

Der Sadhaka wird vielleicht ein inspirierter Poet, Künstler oder Sänger. Vielleicht wird er hellsichtig oder hellhörig oder psychokinetische Fähigkeiten stellen sich ein. Vielleicht ist er in der Lage, Menschen durch die große Liebe, die er ausstrahlt, zu gewinnen.

Jemand, der Anahata betreten hat, ist äußerst empfindsam für die Gefühle anderer und sein Berührungssinn ist stark ausgeprägt. Er hat auch die Fähigkeit, andere zu heilen, entweder durch Berührung oder, indem er seine eigene spirituelle Energie zu anderen Menschen lenkt, um heilende Veränderung zu bewirken. Viele Wunderheiler nehmen ihre Kraft aus dem Anahata Chakra.

Mit dem Erwachen von Anahata fühlt man sich von dem Anhaften an weltliche Dinge frei, ein nie endender Optimismus breitet sich aus und man erkennt, dass Gutes und Schlechtes nebeneinander existieren, dass es aber eine Welt außerhalb dieser Gegensätze gibt. Nachdem man sich selbst aus dem Anhaften befreit hat, fühlt man sich entspannt, frei und friedvoll. Mit dem Entdecken wahrer Freiheit verlieren die Freuden des dualistischen Lebens an Bedeutung.

Quelle: aus Kundalini Tantra von Swami Satyananda Saraswati

Anahata Chakra Meditation von Swami Satyananda Saraswati:


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