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Mantra

Mantra

Mantra Yoga

Normalerweise wird das Wort Mantra mit der Bedeutung ­„Klangschwingung“ übersetzt. Die wörtliche Bedeutung im Sanskrit ist jedoch: „Die Kraft, die den Geist aus der Fessel befreit.“ Im Sanskrit hat das Wort Mantra verschiedene Wurzeln: Mananat – „Fessel des Geistes“, Trayate – „freisetzen“ oder „befreien“, Iti – „durch“ oder „so“, ­Mantraha – „die Kraft der Schwingung“. Was ist das für eine Kraft, die den Geist durch das Wort von seiner Fessel befreit?

Laut Yoga hat der grobstoffliche Geist oder die mentale Natur zwei Attribute, die ihn in Gefangenschaft halten. Das eine ist Mala und bedeutet „Unreinheiten“. Das andere ist Vikshepa und bedeutet „Zerstreuung“. Der in Erscheinung tretende Geist enthält Unreinheiten und ist zerstreut.

Was sind diese Unreinheiten? Sie sind die Ursache, weshalb wir uns von den tamasischen und rajasischen Lebensqualitäten anziehen lassen und in einer bestimmten Weise erfahren, handeln, und uns verhalten. Der Geist drückt ein tamasisches oder rajasisches Wesen in einer bestimmten Weise aus. Mala ist die Bereitschaft, von tamasischen und rajasischen Lebensaspekten angezogen zu werden. Die Definition von Vikshepa ist das Gefühl der Unzufriedenheit mit unserem augenblicklichen Leben:

Wir wollen mehr, etwas anderes, eine andere Art des Vergnügens. Ablenkung des Geistes ist Vikshepa. Der Geist springt nur von einem zum anderen, weil er sich selbst vergnüglich stimmen will. Wenn es kein Verlangen nach Amüsement gäbe, wäre der Geist absolut ruhig, still und friedlich. Wenn du darüber nachdenkst, wirst du verstehen, wie wichtig eine innere Ruhe für dein Leben ist. Das Verlangen nach Vergnügen ist Vikshepa.

Der Sinn von Mantra ist es, den Geist von dem Muster zu befreien, das ihn ununterbrochen nach Vergnügen suchen lässt. Mantra will den Geist davor schützen, dass er sich von den tamasischen und rajasischen Lebensqualitäten anziehen lässt, die selbstsüchtige Ambitionen und Verlangen befriedigen und die Ego-Identität im Vordergrund halten.

Mantra ist Schwingung. Das größte Mantra ist Anahata Nada, der unangeschlagene Ton. Der Klang des schwingenden Kerns im Atom – das ist Anahata Nada. Im Grunde genommen bedeutet es „Nichts“, denn es ist der tonlose Klang. Hier kommt die yogische Physik ins Spiel. Wo Bewegung ist, ist unweigerlich auch Schwingung, und sie erschafft wiederum einen subtilen Ton.

Die Atome sind ununterbrochen in Bewegung und erzeugen eine Gruppe von Schwingungen. Wie werden wir uns dieser Schwingungsgruppen bewusst? Es geschieht, indem die Achtsamkeit angeregt wird und wir tief in unseren psychischen Körper eindringen. Vergiss bitte nicht, dass der Geist der eine Aspekt von Mantra Yoga ist, der psychische Körper ein anderer und die Klangschwingung der dritte Aspekt.

Mantra Meditation – Der mentale Aspekt

Zuerst möchten wir uns dem Geist zuwenden, der laut yogischer Deutung keine physische, sondern eine feinstoffliche Kraft ist. Um die Funktion des Geistes als nicht-physische Kraft zu beleuchten, gibt Yoga das Beispiel einer einzelligen Amöbe. Die Amöbe hat kein Gehirn und keine Nerven, trotzdem reagiert sie auf Stimuli. Legt man der Amöbe ein Reiskorn hin, wird es konsumiert, ein Tropfen Säure wird jedoch nicht berührt. Was befähigt die Zelle, den Reis zu nehmen und die Säure zu meiden?

Yoga sieht das als eine Kraft, die jede Art Lebenskraft, Energie und Ausdruck lenkt. Es wurde als Mahat, der größere Geist, bezeichnet. Mahat ist in vier Bereiche unterteilt: Manas, Buddhi, Chitta und Ahamkara. Mahat wird als die Energie betrachtet, die die gesamte Struktur des Menschen durchzieht, sich jedoch in besonders dynamischer Form in Manas, dem denkenden, rationalen Aspekt zeigt und zum Ausdruck bringt.

Ebenso zeigt er sich in Buddhi, dem unterscheidenden, analysierenden und verstehenden Aspekt, in Chitta – dem Aspekt des Bewusstseins, durch den registriert und gespeichert wird, und in Ahamkara – dem Ich-Bewusstsein oder der individuellen Identität. Diese vier verschiedenen Bereiche stehen im Austausch mit der Welt der Sinne: Name, Form und Idee, Zeit, Raum und Objekt. Dieses ist kurz zusammengefasst die yogische Vorstellung von Geist.

Mantra Meditation – Der psychische Aspekt

Der psychische Körper ist ein tieferer Aspekt des feinstofflichen und des Kausalkörpers, oder des Unterbewussten und des Unbewussten. Der unterbewusste Bereich wird als feinstofflicher Körper bezeichnet und das Unbewusste als der Kausalkörper. Die ungefähre Grenzzone zwischen Unterbewusstem und Unbewusstem wird als der psychische Körper bezeichnet, der sich folgendermaßen beschreiben lässt:

Durch die vier Bewusstseinsstufen – grobstofflich, feinstofflich, kausal und transzendent – werden im Yoga zweierlei Erfahrungen gemacht. Das Grob- und das Feinstoffliche stellt die äußeren Erfahrungen dar. Das Kausale und das Transzendente stellt die inneren Erfahrungen von Geist oder Bewusstsein dar. Der psychische Körper ist die Zone, in der sowohl innere als auch äußere Erfahrungen visualisiert und erfahren werden.

Der psychische Körper wird zum Verbindungsglied zwischen den äußeren, physischen und mentalen Erfahrungen und den tiefen, innerlichen Schwingungsebenen unserer gesamten Persönlichkeit. Die ganze Theorie von Kundalini Yoga, einschließlich der Chakras, der Nadis und dem Erwachen von Kundalini, basiert auf den Erfahrungen des psychischen Körpers. Deshalb bezeichnet man die Chakras als psychische Zentren. Muladhara, Swadhisthana, Manipura und Anahata sind die vier psychischen Zentren, die in den äußeren Erfahrungsbereich von grobstofflich und feinstofflich gehören. Vishuddhi, Ajna, Bindu und Sahasrara gehören zur inneren Dimension.

Muladhara repräsentiert die Selbstidentität und Sicherheit, Swadhisthana die tiefen Samskaras, Manipura die äußere, in Erscheinung tretende Dynamik und Anahata die Emotionen und Gefühle. Diese vier zählen zu den äußeren Erfahrungen. Dann folgen die vier Chakras der inneren Erfahrungen: Transzendenz, Reinheit, Ausdehnung und Offenheit sind Erfahrungen von Vishuddhi; die intuitive Fähigkeit, etwas aus dem Unbekannten herauszuziehen und es in Bekanntes zu übersetzen, wird durch Ajna dargestellt; in Bindu herrscht Gewahrsein der Quelle, der Punkt, an dem makrokosmische und mikrokosmische Erfahrungen in eine einzige zusammenfließen; und Sahasrara steht für Erleuchtung.

Alle diese Erfahrungen ereignen sich im psychischen Feld, das aus verschiedenen Schwingungsformen besteht. Diesen Schwingungen wurden Klänge zugeordnet, die vom niederen Geist – Manas, Buddhi, Chitta und Ahamkara – verstanden werden können. Es sind fünfzig Klänge, und jeder Klang oder jede Schwingungsform zeigt sich in Symbolform auf den Blütenblättern der verschiedenen Chakras.

Durch Wiederholung dieser bestimm­ten Klangschwingungen in der Meditation werden die jeweiligen Chakras aktiviert. Allerdings müssen dabei die Konzentration und die Bewusstheit sehr intensiv sein, sonst erreicht man nichts. Ob es sich um ein einsilbiges Mantra handelt oder um eines, das seitenlang ist, die Wirkung der Meditation ist ohne geistige Intensität, Konzentration und Achtsamkeit gleich null.

Kräfte, die sich hierdurch entwickeln, sind: Konzentration, Bewusstheit, Intensität und Visualisierung des psychischen Körpers im physischen Rahmen. Die Chakras existieren zwar nicht im physischen Körper, aber hier werden sie visualisiert. In den verschiedenen Körperbereichen haben sie ihren ganz bestimmten Platz. Muladhara befindet sich in der Dammregion, Swadhisthana in der Kreuzbeinregion, Manipura im Lendenbereich, Anahata in der Brustregion, Vishuddhi im Halsbereich, Ajna im Mittelhirn, Bindu oben im Kopf und Sahasrara in der Kopfkrone.

Dieses sind die Bereiche im physischen Körper, die mit den Chakra Punkten im psychischen Körper korrespondieren. Das Wahrnehmen der Chakras und von Kundalini findet im psychischen Körper statt, und man kann auf diesem Weg viele der tiefen, mentalen Erfahrungen umschiffen. Kundalini Yoga wird deshalb als eine der schnellsten Yoga Methoden betrachtet, durch die man viele Stufen umgehen kann. Dazu ist es jedoch erforderlich, sich der Persönlichkeit anders zu nähern und sie anders verstehen zu können, und dazu ist nicht jeder in der Lage.

Der Aspekt der Klangschwingung

Der dritte Aspekt ist das Mantra, die Klangschwingung, die in fünfzig Klänge unterteilt wurde. Verschiedene Kombinationen dieser Klänge werden zu unterschiedlichen Mantras. Nimm als Beispiel das Mantra Om Namah Shivaya „Ich grüße Shiva“. Das ist ein intellektuelles Begreifen oder Übersetzen dieses Mantras.

Viele Menschen geben dem Mantra eine falsche Interpretation, wenn sie glauben, es gehöre nur zu einem bestimmten Gott oder einer bestimmten Göttin, und dann beginnen Fragen und Zweifel: „Will man mich ummodeln, bekehren? Soll ich an etwas glauben, von dem ich nichts weiß? Wie kann ich an diesen nackten, mit Schlangen geschmückten Shiva glauben?“ Diese Art der intellektuellen Deutung ist jedoch nicht der Sinn von Mantra.

Durch die Wiederholung des Mantras Om Namah Shivaya werden diese Klänge stimuliert und Kräfte aus den Inhalten der verschiedenen Chakras wachgerufen, die mit diesen bestimmten Klängen verbunden sind. „Na“ könnte ein Klang aus jedem der Chakras sein, so wie auch „Ma“, „Shi“, „Va“ oder „Ya“. Sahasrara enthält als das höchste Chakra eintausend Blütenblätter, von denen jedes eine verschiedene Kombination der fünfzig Klänge auf kosmischer Ebene darstellt.

Dieses sind also die drei Aspekte von Mantra Yoga:

der Geist, der psychische Körper und die Klangschwingung. Als Nächstes werden wir folgende Punkte diskutieren: Was bedeuten die verschiedenen Mantra Arten? Auf welche Weise beeinflusst und verändert das Mantra die mentale Persönlichkeit? Auf welche Weise erweckt ein Mantra die psychische Persönlichkeit?

Die Arten von Mantras

Lasst uns zuerst die verschiedenen Mantra-Arten verstehen. Im Allgemeinen sind Mantras bestimmte Silben oder Worte, die Yogis, Sadhus, Forscher und Denker benutzen, um eine bestimmte Veränderung in unserem inneren System hervorzurufen. Traditionellerweise kann man zwei Hauptgruppen von Mantras erkennen. Eines ist das universale Mantra, das andere ist das individuelle.

Die universalen Mantras sind hinreichend bekannt und wurden von verschiedenen Traditionen für meditative und kontemplative Übungen angewandt. Beispiele langer universaler Mantras sind:

Maha Mrityunjaya Mantra

Om Trayambakam Yajamahe Sugandhim Pushti Vardhanam Urvarrukamiva Bandhanat Mrityor Mukshiya Ma Amritat.

Gayatri Mantra

Om Bhur Bhuvah Svah Tat Savitur Vareniyam Bhargo Devasya Dhimahi Dhi Yo Yonah Prachodayat.

Beide Mantras setzen sich aus verschiedenen Klängen zusammen. In jedem Mantra liegt die Betonung auf einem bestimmten Klangtyp. Im Mahamrityunjaya Mantra ist der vorherrschende Klang „Am“, während es im Gayatri Mantra der Klang „Ha“ ist. Um eine bestimmte Veränderung im aktiven, peripheren Bewusstsein herzustellen, wurden diese Kombinationen von verschiedenen yogisch denkenden Menschen zusammengestellt.

Beispiele für weniger lange universale Mantras sind:

Om Namah Shivaya
Om Namo Bhagavate Vasudevaya
Om Namo Narayana
Hare Krishna

Zu den kurzen Mantras zählen Soham und Om. Sie alle gehören zur Kategorie der universalen oder allgemeinen Mantras, die von jedem, der nach innerem Verstehen der mentalen, feinstofflichen und psychischen Persönlichkeit strebt, wiederholt werden können.

Die zweite Gruppe besteht aus individuellen oder persönlichen Mantras. Diese Mantras werden entsprechend dem Bedarf für bestimmte Ziele benutzt. Sie können sowohl einsilbig sein, dann nennt man sie Bija Mantras, als auch aus Klangkombinationen bestehen. Zur Yoga Tradition gehören diese beiden Arten der individuellen Mantras, während andere spirituelle Traditionen ihre eigenen Mantra Gruppen geschaffen haben.

Sie alle erwecken bestimmte Zentren oder lassen eine bestimmte Fähigkeit des Geistes verstehen. Lasst uns die tantrischen Mantras Hrim und Klim betrachten. Es sind Kombinationen verschiedener Konsonanten und Vokale, die eine dynamische Veränderung des der Persönlichkeit innewohnenden Energiemusters erzeugen. Die vedischen oder vedantischen Mantras wie Aham Brahmasmi und Tattwamasi verändern den normalen Bewusstseinszustand und lassen die Sinne durch das „Nachinnenziehen“ der mentalen Fähigkeiten zurücktreten.

Die universalen Mantras kann jeder auch ohne direkte Führung üben. Die individuellen Mantras werden jedoch im Allgemeinen vom Lehrer an den Schüler weitergegeben. Das geschieht mit Blick auf den Persönlichkeitstyp und hängt davon ab, welche Art der Veränderung oder Stimuli gebraucht wird, um die verschiedenen Persönlichkeitsbereiche zu erwecken. Das ist die grundlegende Beschreibung universaler und individueller Mantras.

Was bewirkt ein Mantra?

Es ist wichtig zu erkennen, wie Mantras die mentalen Muster verändern und Heilung erzeugen, unabhängig davon, zu welcher Tradition sie gehören. Yoga sieht hier die mentale Struktur als das vorherrschende, aktive Bewusstsein und als schlafende Energie. Das psychische Muster oder die psychische Persönlichkeit ist hingegen aktive Energie und schlafendes Bewusstsein.

Obwohl die Quantität von Energie und Bewusstsein gleich sein mag, ist in einem Aspekt das Bewusstsein aktiver, und in einem anderen die Energie. Die Fähigkeiten von Buddhi, Manas, Chitta und Ahamkara sind die verschiedenen Ausdruckskräfte unseres aktiven Bewusstseins. Prana, die Chakras und Kundalini sind die verschiedenen Erscheinungsformen von aktiver Energie. Das ist der Hauptunterschied zwischen dem mentalen und dem psychischen Körper.

Gleichgültig wie das Mantra lautet, wenn wir damit beginnen, es in der Meditation so zu wiederholen, dass der Geist darauf fixiert ist, beginnt die Konzentration. Das ist der erste Schritt, wenn wir meditieren. Zu anderen Zeiten, wenn wir nicht konzentriert sind, springt der Geist von einem Punkt zum nächsten, immer auf der Suche nach Stimuli und Abwechslung.

Hier sind die Geisteskräfte und die Energien zerstreut. Buddhi, Manas, Chitta und Ahamkara sind zerstreut. Die Wiederholung eines Mantras hilft uns, die Zerstreuung dieser vier mentalen Bereiche zu beenden. In dem Moment, wenn die Zerstreuungen aufhören, zieht Stille in diese Bereiche ein. Sie werden ruhig, die Aktivität ist beendet.

Zerstreuung ist wie das Öffnen eines Fensters und den Wind durch Kleidung und Papiere streichen zu spüren. So geht es in unserer Persönlichkeit ununterbrochen zu. Alles wird in den Zimmern von Buddhi, Manas, Chitta und Ahamkara durcheinander gewirbelt. Sind die Fenster geschlossen, breitet sich sofort Stille aus. Die gleiche Wirkung tritt am Anfang durch das Mantra ein. Gedankenstille ist der erste Hinweis auf Mantra-Konzentration.

Zum anderen werden die mentalen Vorgänge durch ein Mantra ausbalanciert, denn die Fähigkeiten und Energien, die in jedem Bereich existieren, werden gleichmäßig verteilt. Was bedeutet das? Wir nehmen als Beispiel wieder den Wind, der durch die offenen Fenster bläst. Wenn du dich direkt vom Wind berühren lässt, wirst du die Kraft spüren. Wenn du irgendwo außerhalb der Windrichtung im Hintergrund sitzt, wirst du ihn nicht spüren, obwohl er genauso stark ist. Der einzige Unterschied ist der: weil du außerhalb der Windrichtung sitzt, wirst du nicht von ihm berührt.

Wenn das Fenster jedoch geschlossen ist, findet sich die Stille im ganzen Raum. Egal, in welche Richtung du dich bewegst, ob Norden, Osten, Süden oder Westen, überall fühlst du die Stille. Nirgends im Raum wird der Wind blasen. Das ist mit der gleichmäßigen Verteilung von Energien und Fähigkeiten in jedem Bereich des Geistes gemeint. Die zweite Stufe von Mantra ist das gleichmäßige Verteilen der mentalen Aktivitäten, sodass der Geist homogener wird.

Auf der dritten Stufe der Mantra Meditation werden mentale Verspannungen beseitigt. Wenn wir mit einem bestimmten Erlebnis, einer Idee oder objektiver Bewusstheit konfrontiert sind, dann gibt es in einem Bereich Anspannung und in einem anderen Entspannung, wie der Effekt einer stehenden Welle. Das ist es, was normalerweise passiert, wenn wir den Aufprall von Ideen, Eindrücken oder Situationen in einem der vier geistigen Bereiche erleben. Manchmal verursacht ein besonders ausgeprägtes Gefühl oder Verlangen Spannung und Störung. Bei solchen Störungen bauen sich Spannungen in einem Bereich des Bewusstseins auf. Das kann durch einen einzigen Gedanken passieren.

Menschen fallen wegen eines einzigen Gedankens oder einem einzigen Gefühl in eine Depression. Sie geraten in Panik wegen irgendeiner sich verändernden Umweltsituation. Aus dieser Spannung heraus entsteht das Gefühl: „Ich schaffe das nicht.“ Die Beseitigung von Spannung oder der hochgradigen Aktivität des Bewusstseins findet also in der dritten Stufe von Mantra Yoga statt. Der Effekt einer stehenden Welle verwandelt sich in eine fließende, horizontale Welle.

In diesem Verlauf wird es möglich, die in bestimmten Teilen des Bewusstseins vorhandenen Schwächen durch das Üben von Mantras auszubalancieren. Es sind Schwächen, die uns unfähig machen, mit Situationen umzugehen, oder sie berauben uns eines gewissen Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens. Wenn die Aktivitäten des Bewusstseins sanfter oder gradliniger werden, gewinnen wir Selbstvertrauen, wir verbessern unsere Lebenseinstellung und fühlen eine innere Stärke aus der Tiefe aufsteigen.

Wenn du nicht schlafen kannst, kann sich das durch ein Mantra normalisieren, dann nämlich, wenn die Ebbe des Bewusstseins aufsteigt und die Flut zurückweicht. Weiterhin verbessern sich das Gedächtnis, die Konzentration, die Ausdruckskraft und die Interaktion. Der dritte Aspekt von Mantra ist die Verbesserung der bewussten Fähigkeiten, die wir nutzen, um unsere Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Auf der vierten Stufe der Mantra Meditation geht es darum, den Geist so feinfühlig zu machen, dass er wie ein Seismograf wird, der in der Lage ist, die feineren Schwingungen bei Menschen, von Orten und Alltagssituationen zu erkennen. Diese durch innere Harmonie, Ausgewogenheit und Balance geschaffene mentale Sensibilität wird jede Welle in der Umgebung aufgreifen, die mit deinen Gefühlen nicht harmoniert. Wenn jemand ärgerlich ist und in den Raum hereinkommt, wirst du diesen Energiestoß spüren.

Wenn du auch ärgerlich bist, wirst du es nicht fühlen, weil du dich mit einem Schild schützt. Wenn jemand in einer anderen Stimmung oder Geisteshaltung ist, wird dir das auffallen, weil du deine Aufnahmekräfte nach außen ausgedehnt hast. Die Sensibilisierung des Bewusstseins ist der vierte Aspekt von Mantra Yoga. Mit dieser sensiblen geistigen Achtsamkeit ziehen wir die Bewusstseinskräfte nach innen, um den psychischen Körper, in dem die Energie durch die Mantra Übung erwacht ist, betreten zu können.

Dieses ist der Ablauf, wie Mantra Yoga die mentale Persönlichkeit verändert und auslotet. Als Nächstes werden wir uns der Auswirkung der Übung widmen, die die psychische Ebene beeinflusst.

Wie das Mantra die psychische Persönlichkeit erweckt

Nachdem die bewussten Fähigkeiten harmonisiert worden sind, kann der psychische Körper betreten werden. Dies geschieht mithilfe von Konzentration, Achtsamkeit, Intensität und Sensibilität, die sich in den anfänglichen, durch den Mentalkörper bewegenden Übungen entwickeln konnten. Die erste Wahrnehmung des psychischen Körpers geschieht in Form von Prana, und die Anwendung eines Mantras vertieft diese Wahrnehmung. Wir alle bringen unser Prana in der einen oder anderen Weise – dynamisch oder passiv, äußerlich oder innerlich – zum Ausdruck, sind uns jedoch dessen nicht bewusst.

Dieser unbewusste pranische Ausdruck kann ein Ungleichgewicht verursachen, das sich bis zur Ebene des Mentalkörpers hinunterbewegen und zu pranischen Blockaden führen kann. Diese werden als Energiemangel im Körper erlebt, als geistige Müdigkeit oder Lethargie und Unlust, irgendetwas zu tun oder zu denken. Diese Unlust ist kein Vorgang des Bewusstseins, sondern Teil der pranischen Aktivität, die sich in den Mentalkörper hinein filtert und zu Symptomen führt wie Lethargie, etc. Pranische Blockaden sind also der erste Aspekt psychischen Ungleichgewichts, die mithilfe eines Mantras korrigiert werden können.

Die anfängliche Erfahrung mit einem Mantra wird mentale Entspannung sein, die nicht lethargisch sein wird, sondern dynamisch. Im Zustand der dynamischen Entspannung wird die pranische Struktur ins Gleichgewicht gebracht. Danach werden mithilfe von Konzentration visuelle, mentale Einprägungen des psychischen Körpers in Form der Chakras, Yantras und Symbole erzeugt. Wir erwecken unsere Chakras nicht, sie erwecken sich selbst, und zwar durch die Kombination visueller Eindrücke, dem Einfluss der Schwingung eines Mantras und der Intensität der Konzentration auf mentale, visualisierte Bilder.

Als Beispiel nehmen wir Ajna Chakra. Die Meditation beginnt mit einem Mantra, und wenn das Bewusstsein sensibilisiert ist, lässt sich das Ajna Chakra visualisieren. In dem Moment, wenn wir das Yantra des Ajna Chakras visualisieren, wird die gesamte Achtsamkeit zur Ebene des psychischen Körpers gelenkt. Die visuelle Einprägung ist nur eine Hilfe, so wie wir ein Fernglas benutzen, um Gegenstände in der Ferne besser sehen zu können. In genau dieser Weise nutzen wir visuelle Eindrücke, um die psychische Erfahrung als solche zu erkennen.

Indem wir nur etwas sehen, geschieht noch gar nichts. Erst durch die ununterbrochene Schwingung des Mantras fühlen wir die Anregung innerhalb des Chakras. Vielleicht spürst du Hitze dort aufsteigen, vielleicht fühlst du die kreisende Bewegung oder andere seltsame Empfindungen. Der Kopf wird in andere Dimensionen schweben. Das Mantra und die Intensität der Konzentration arbeiten also im psychischen Körper zusammen.

Wenn Prana sich entspannt hat, folgt das Stimulieren oder das Erwecken der Nadis, das Erwecken der Chakras oder das Erwachen einer bestimmten psychischen Fähigkeit in Verbindung mit einem Chakra. Die Fähigkeiten der einzelnen Chakras werden sich sogar noch mehr zum Ausdruck bringen, wenn die jeweiligen Bija Mantras benutzt werden. Wenn du z. B. das Bija Mantra Yam benutzt, während du dich auf das Anahata Chakra konzentrierst, wirst du mit Sicherheit dort etwas empfinden.

Wenn du das Bija Mantra Om mit Konzentration im Ajna Chakra benutzt, wirst du dort etwas empfinden. Wenn du jedoch das zum Muladhara Chakra gehörende Bija Mantra Lam benutzt und versuchst, damit das Vishuddhi Chakra zu erwecken, wird nichts passieren. Du kannst es versuchen, aber es wird sicher keine Empfindung auslösen. Selbst Konzentration wird nicht möglich sein, weil diese beiden keine ­Verbindung zueinander haben. Es ist, als würdest du dein Fernglas auf einen bestimmten Punkt richten und versuchen, in einer anderen Richtung etwas zu erkennen.

Im psychischen Körper spielen die Klangvibrationen eine besondere Rolle. Das hängt davon ab, wie die Klangschwingungen wiederholt, rezitiert und benutzt werden. Es gibt z. B. eine meditative Übung¸ in der das Mantra Om in unterschiedlicher Weise hintereinander rezitiert wird. Zuerst ist das Om kurz und scharf, dann kurz und weich, dann ist es von mittlerer Länge und wird geflüstert, das vierte Mal ist es länger und lauter. Jedes Mal wird ein anderes Ergebnis oder eine andere Erfahrung hervorgerufen. Das ist ein essenzieller Aspekt bei der Anwendung eines Mantras.

In der yogischen Tradition heißt es, dass es möglich ist, die Chakras und Kundalini allein durch die Anwendung eines Mantras zu erwecken, ohne vorheriges Training in Hatha Yoga oder Raja Yoga. Es heißt weiter, dass es sogar möglich ist, Samadhi auf direktem Wege zu erlangen, allein durch die Anwendung eines Mantras. Natürlich braucht es seine Zeit, bis ein bestimmter Grad an Intensität erreicht ist, und nur wenige Menschen haben diese Intensität von Anfang an.

Um die Intensität und Konzentration allmählich aufzubauen, muss man verschiedene Vorbereitungen durchlaufen. Deshalb können wir uns auch nicht gleich dem Mantra widmen. Wer das ohne entsprechende Vorbereitung versucht hat, ist verrückt geworden. Wenn nämlich die Mantra Übung überhandnimmt, brennt der Geist durch.

Mantras stimulieren die Energien, die schwer zu lenken sind. Manchmal wird Muladhara derart aktiv, dass es unmöglich ist, die Gefühle der Unsicherheit unter Kontrolle zu halten. Man fällt in tiefe Depression. Es ist schwer, den sexuellen Trieb zu kontrollieren. Und es gibt absolut keine Kontrolle über solche Energieausdrucksformen, ohne dass ein Meister, der nicht allein an Liebe und Mitgefühl glaubt, sondern, auch wenn nötig einen Stock benutzt, nahe beim Schüler ist. Deshalb versuche keine Ergebnisse durch sofortige Mantra Übung zu erzielen.

Der Tradition entsprechend ist das höchste universelle Mantra, das benutzt werden kann, um den psychischen Körper zu erwecken und zu betreten, das Ajapa Mantra Soham mit dem Atem. Drei der großen Upanishaden sprechen von der Ajapa Japa Technik als dem letzten Schritt vor der Erleuchtung. Die Erfahrung des psychischen Körpers variiert von einem Menschen zum anderen, entsprechend seiner psychischen und mentalen Evolutionsebene, und entsprechend dem Chakra, das innerhalb der jeweiligen Persönlichkeit besonders aktiv ist. Das ist die Vorstellung, wie ein Mantra das psychische Gebilde verändert.

Wie das Mantra in der Meditation geübt wird (Definition)

Wenn Mantras in einer bestimmten Weise angewendet werden, nennt man das Japa Yoga oder den Yoga der Mantra Wiederholung. Japa Yoga ist Teil der Mantra Yoga Wissenschaft. Es gibt vier verschiedene Stufen der Mantra Wiederholung, die sich folgendermaßen klassifizieren lassen:

  • Baikhari
  • Upanshu oder Madhyama
  • Manasi oder Pashyanti
  • Para

Baikhari ist die verbale Wiederholung. Dies ist die Anfangsstufe von Japa Yoga. Wenn das Mantra laut gesprochen wird, sollten Sprache und Intonierung, Konzentration und Achtsamkeit von Klarheit geprägt sein. Die richtige Aussprache wird als wichtig erachtet. Wenn Intensität, Konzentration und Klarheit während der Übung vorherrschen, wird die Wirkung des Mantras intensiver. Es wird den geistigen Rahmen, die innere Einstellung und das Verhalten verändern. Das Gleiche gilt auch für Kirtan. Manchmal verändern wir die Aussprache eines Kirtans entsprechend unserer Gewohnheit, und hier müssen wir sehr achtsam sein.

Baikhari besteht aus fünf Möglichkeiten, die nachfolgend aufgeführt werden:

  1. Laute, kontinuierliche, verbale Wiederholung (Chanting).
  2. Verbale Wiederholung mit dem Atem.
  3. Verbale Wiederholung mit der Mala.
  4. Verbale Wiederholung kombiniert mit körperlichen Akti­vitäten.
  5. Kirtan, Rezitieren und Singen von Mantras in verschie­denen Melodien oder Ragas.

Die erste Methode besteht darin, das Mantra kontinuierlich in gleichbleibender Tonhöhe ohne jede Fluktuation verbal zu wiederholen (Chanting). Wenn das gleiche Mantra mit verschiedenen Hö­hen und Tiefen gesungen wird, wird es ein Kirtan. Die zweite Methode besteht in verbaler Wiederholung synchron mit dem Atem. Natürlich ist es nicht möglich, während des Einatmens das Mantra zu wiederholen, jedoch während des Ausatmens.

Die Einatmung ist also normal, und das Mantra wird während des Ausatmens rezitiert. Die dritte Methode ist die verbale Wiederholung mit einer Mala. Diese Form ist ähnlich der fortwährenden verbalen Wiederholung. Mit der Mala wird die Achtsamkeit jedoch auf die Bewegung jeder einzelnen Perle gelenkt, wodurch der Geist bei dem Mantra bleibt. Die vierte Methode ist die verbale Wiederholung in Verbindung mit körperlichen Aktivitäten, z. B. gehen, still sitzen, im Garten oder in der Küche arbeiten, reisen. Das geht natürlich nicht, wenn man selbst fährt oder ein Flugzeug lenkt.

Upanshu oder Madhyama ist die nächste Stufe von Japa Yoga. Upanshu bedeutet „geflüsterter Klang“. In Baikhari Japa kann das Mantra entweder allein oder in einer Gruppe geübt werden. In beiden Fällen kann das Mantra laut gesprochen werden. Wenn jedoch Menschen anwesend sind, die die Übung nicht verstehen oder keinen Bezug dazu haben, kann das Mantra auch geflüstert werden. Das Flüstern trägt dazu bei, die Achtsamkeit auf das Mantra gerichtet zu halten, auch dann, wenn man trotz starker mentaler Aktivität introvertiert wird. Upanshu Japa kennt vier Methoden, die folgend aufgeführt sind:

  1. Kontinuierliche geflüsterte Wiederholung.
  2. Geflüsterte Wiederholung mit dem Atem.
  3. Geflüsterte Wiederholung mit der Mala.
  4. Geflüsterte Wiederholung im Einklang mit körperlicher Aktivität.

Auf dieser Stufe gibt es kein Chanten oder Kirtan.

Manasi oder Pashyanti ist die Stufe des mentalen Japas. Manasi bedeutet „mental“ und Pashyanti bedeutet „mit dem inneren Auge gesehen“. In Manasi Japa gibt es die folgenden Methoden:

  • Fortwährende mentale Wiederholung aus sich selbst her­aus.
  • Gedankliche Wiederholung mit dem Atem.
  • Gedankliche Wiederholung mit der Mala.
  • Gedankliche Wiederholung mit Konzentration auf ein Symbol.
  • Gedankliche Wiederholung mit Schreiben in Chidakasha.
  • Gedankliche Wiederholung mit körperlicher Aktivität.

Dieses sind die unterschiedlichen Methoden von Manasi Japa. Die gedankliche Wiederholung mit Konzentration auf ein Symbol, ein Yantra oder ein Bild einer Gottheit oder des Gurus – ist verständlich. Die Methode, zu sehen, wie das Mantra in Chidakasha geschrieben wird, wird selten benutzt. Hier sieht man das Yantra oder das Symbol nicht, sondern nur die geschriebenen Buchstaben oder Silben des Mantras werden in Deutsch, Sanskrit oder jeder anderen Sprache visualisiert.

Ein solcher Verlauf könnte so aussehen – Du schreibst in Chidakasha: „Om Namah Shivaya“, und während das Mantra gedanklich rezitiert wird, bewegt sich der Blick durch die Buchstaben, die gerade wiederholt werden. Der Geist folgt der Aussprache durch Beobachten der Buchstaben, die geschrieben werden.

Para oder transzendente Wiederholung ist die letzte Stufe von Japa Yoga. Para hat nur eine Form und das ist Ajapa, die fortwährende Mantra-Wiederholung ohne jede Anstrengung. Oft passiert es, dass wir ein Mantra chanten, und wenn wir aufhö­ren, geht die Wiederholung unbewusst weiter und verlässt uns nicht.

Das passiert oft mit Kirtan oder einem Musikstück. Im Geist hört die Melodie nicht auf, und das geschieht ohne jedes Bemühen oder willentliche Kontrolle seitens des Übenden. Mental ergreift es Besitz von uns. Das ist der Para Aspekt, den wir entsprechend der Sensibilität und des Engagements unseres eigenen Geistes mit dem Mantra erfahren. Dieses sind die vier Stufen von Japa Yoga.

Regeln für das Mantra Sadhana

In Japa Yoga heißt es, dass im Allgemeinen die Mantra-Wiederho­lung zu einem meditativen Vorgang werden sollte. Deshalb muss das richtige Asana gewählt werden. Die richtige Zeit wird festgelegt, entweder am Morgen, am Nachmittag oder am Abend. Versuche, dich an eine feste Zeit für die Mantra Übung zu halten. Wenn du dich für 6 Uhr entschlossen hast, dann solltest du in jedem Fall versuchen, diese Zeit täglich einzuhalten. Wenn einige Tage ausfallen, ist das nicht so schlimm, trotzdem sollte man um Regelmäßigkeit bemüht sein.

Wenn du die festgesetzte Zeit für die Mantra Übung einmal nicht einhalten kannst, holst du sie zu einer anderen Zeit nach. Der Grund, eine regelmäßige Zeit festzusetzen ist folgender:

Während 24 Stunden unbewusster Aktivitäten, ob nun schlafend oder wachend, sollte es eine feste Zeit geben, in der der Geist auf das innere Selbst eingestimmt ist. Diese feste Zeit ist deine ganz persönliche Zeit, und nichts sollte dich während dieser Zeit stören oder ablenken. Im Laufe von 24 Stunden Aktivität sollte es 10 - 15 Minuten, eine halbe oder eine Stunde am Tag geben, die du der Selbstwahrnehmung widmest. Durch Festsetzen der Zeit entwickelt sich die mentale Schulung.

Wenn du normalerweise um 10:00 Uhr frühstückst, wirst du zu dieser Zeit automatisch hungrig sein. Wenn du es gewohnt bist, um 20:00 Uhr schlafen zu gehen, wirst du dich um diese Zeit ­entspannen, müde werden und zu Bett gehen. Du brauchst gar nicht darüber nachzudenken, denn es ist ein Bedürfnis.

In dieser Weise solltest du auch dein Mantra Sadhana betrachten. Nimm es nicht auf die leichte Schulter, denn der dahinterliegende Sinn ist der, ein Bedürfnis zu schaffen, sodass die Übung spontan zur festgesetzten Zeit ohne große Anstrengung erfolgt.

Du wählst dir ein geeignetes Asana, das du während der ganzen Übung beibehältst, sodass keine Bewegung die Konzentration stört. Beginne nicht sofort mit Japa. Erlaube Körper und Geist, ruhig und stabil zu werden. Wenn du dich gut fühlst, Körper und Geist im Zustand der Ruhe und Stabilität sind, dann beginnst du mit der Übung von Manasi Japa.

Wenn du ein Symbol benutzt, konzentriere dich darauf und visualisiere es zuerst. Wenn du das Symbol siehst, beginnst du mit dem Mantra. Versuche nicht, das Symbol erst später in die Mantra Übung einzufügen. Wenn du eine Mala benutzt, beginne das Mantra mit der Mala.

Es ist auch wichtig, eine festgesetzte Rundenzahl für die Mala einzuhalten, bis das Verlangen entsteht, die Rundenzahl zu erhöhen. Du solltest jedoch nicht mit zehn Malas beginnen und nach einer Woche die Rundenzahl reduzieren. Beginne lieber mit einer Mala, und wenn du dich sicher fühlst, erhöhst du auf zwei Malas, dann drei Malas, und im Laufe der Zeit gehst du bis zu zehn Malas.

Anfangs haben wir keine Kontrolle über die Achtsamkeit des Geistes. Wir können zwar still werden, aber die Achtsamkeit lässt sich nicht während der ganzen Übung aufrechterhalten. Wenn sich die Konzentration intensiviert und sich dabei ein Gefühl von Schläfrigkeit oder Dösen bemerkbar macht, dann verändere die Mantra Übung von Manasi zu Upanshu, dem Flüstern des Mantras.

Da Flüstern eine körperliche Aktivität ist, werden wir uns des kör­perlichen Vorgangs bewusst und die Aufmerksamkeit kehrt zurück. Wenn durch Gewohnheit doch noch ein unkontrolliertes „Nach-Innen-Rutschen“ mit Schläfrigkeit und Dösen eintritt, dann wechsle zu Baikhari, dem lauten Mantra-Sagen.

Ablenkung ist anders als Schläfrigkeit. Wenn der Geist abgelenkt wird, weißt du genau, dass er nicht mehr unter deiner Kontrolle ist. Du bist zu dieser Zeit nicht unbewusst, trotzdem solltest du in der Lage sein, zur mentalen Stufe zurückzukehren und die Übung fortzusetzen. Hier brauchst du nicht zu Upanshu oder Baikhari zu wechseln. Das machst du nur, wenn du unbewusst wirst und die Achtsamkeit für das Mantra verlierst, weil du zu tief nach innen gegangen bist und keine Kontrolle mehr hast.

Du kannst mentale Zerstreuung nach einigen Momenten kontrollieren, aber über das Unbewusstsein hast du selbst nach ein paar Minuten keinerlei Kontrolle, im Gegenteil, es verstärkt sich immer mehr. In dem meditativen Verlauf von Mantra beginnen wir deshalb mit Manasi Japa und bewegen uns entsprechend dem gedanklichen Zustand zu Upanshu und dann zu Baikhari Japa.

Die mentale Reinigung ist ein zentraler Aspekt von Japa Yoga. Zu Beginn der Mantra Übung kann eine ganze Gedankenflut aufbrechen. Es ist ein Reinigungsprozess, der durch das Mantra ausgelöst wird, ehe sich Harmonie einstellen kann. Oberflächliche Aspekte von Gedanken, Gefühlen oder Wünschen, die im Geist unnötig sind, sich jedoch zum Ausdruck bringen müssen, weil sie so intensiv geworden sind, werden vom Mantra weggefegt.

Vielleicht sind es auch Samskaras, die aus der Tiefe des Bewusstseins in Form eines Wunsches oder eines Gefühls nach oben drängen. Während sie verschwinden, wird eine Wolke des Verlangens oder der Furcht erscheinen. Vielleicht ist es eine intensive Gier nach einem Nahrungsmittel oder nach Schlaf. Das Mantra trägt uns also durch einen Prozess der Reinigung, bevor das Ausbalancieren beginnen kann.

Diese Reinigung und der Vorgang des Ausbalancierens kann durch mehr Runden oder intensiveres Üben nicht beschleunigt werden. Du solltest bei deinem normalen Sadhana bleiben, egal ob du nur eine Stunde, drei Stunden oder fünf Minuten übst. Nicht die Wiederholung ist wichtig, sondern die Achtsamkeit für den Rhythmus, die Schwingung und den Verlauf. Es ist nicht möglich, über eine lange Zeit auf das Mantra konzentriert zu bleiben. Die Gedanken werden abschweifen, hierhin und dorthin laufen. Der Geist folgt einfach seiner natürlichen Gewohnheit.

Psychischer Klang, psychischer Atem, psychisches Symbol

Die Mantra Meditation kennt drei wichtige Aspekte:

  • Kontinuierliches Gewahrsein des psychischen Klanges oder Mantras.
  • Das Verbinden des psychischen Klanges mit dem psychischen Atem.
  • Den psychischen Klang und den psychischen Atem mit der Visualisierung des psychischen Symbols zu synchronisieren.

Das Gewahrsein des psychischen Klanges oder Mantras ist eindeutig. Wir müssen uns jedoch einig sein, was die Synchronisierung des psychischen Klanges mit dem psychischen Atem bedeutet. Sich des psychischen Atems bewusst zu sein, beginnt mit der Wahrnehmung des physischen Atems. Wir atmen durch unsere Nasenlöcher ein und aus, können jedoch den Atem in verschiedenen Körperteilen und auf verschiedene Weise erfahren.

Während der Ajapa Japa Meditation wird der Atem z. B. auf dem Weg zwischen Nabel und Hals gesehen und später dann zwischen Nabel und Ajna. Das verlagert sich dann in fortgeschrittenen Stufen in die Wirbelsäule. Es ist also die Bewegung des Atems, die während des psychischen Atems in verschiedenen Körperteilen erfahren, gesehen oder vorgestellt wird.

Der dritte Aspekt beinhaltet die Verbindung des psychischen Klanges mit dem psychischen Atem und der Visualisierung des psychischen Symbols. Das ist natürlich eine fortgeschrittene Stufe. Am Anfang ist es den meisten Menschen nicht möglich, das Symbol zu visualisieren. Deshalb solltest du es dir vorstellen. Wenn sich die Konzentration allmählich intensiviert, wird sich die Form des Symbols zeigen.

Zuerst ist es ein verschwommenes Bild, dann werden die Linien deutlich, dann wird es ein einfarbiges Bild, dann zweifarbig und schließlich wird es ein Bild in vielen Farben. Wenn das vielfarbige Bild spontan auftaucht, nennt man das: Visualisierung. Beginne mit der Vorstellung und der Wiederholung des Mantras.

Diese drei Aspekte sind notwendig. Wenn das Mantra sich selbst wiederholt, ohne dass es mit dem Atem verbunden wird und ohne Wahrnehmung des psychischen Symbols, dann verliert man oft die Kontrolle über den Körper. Das geschieht durch intensives Nachinnenziehen und Konzentration.

Oft fällt z. B. die Mala aus der Hand, obwohl du nicht schläfst, aber das Bewusstsein hat sich vom Körper in eine andere Dimension bewegt. Wenn die Mala fällt, wirst du dir bewusst, dass deine Finger mit der Bewegung aufgehört haben und die Mala am Boden liegt. Dies liegt an dem Verlust der willentlichen Kontrolle über den Körper oder dem Schwinden des Körperbewusstseins.

Paramahamsaji hat erklärt, dass selbst bei Abwesenheit des Bewusstseins eine Stufe existiert, wo die Fähigkeiten des Geistes durch diese Art der mentalen Zerstreuung ermüden. Er gab das Beispiel eines Vogels, der über das Meer fliegt und auf Suche nach einem Lande- und Ruheplatz ist. Sieht der Vogel ein Stück Holz, das oben auf den Wellen schwimmt, ist er erleichtert und ruht sich dort eine Weile aus.

Nach der Ruhepause fliegt der Vogel weiter, erinnert sich jedoch stets an den Platz des Holzes, sodass er dorthin zurückkommen kann, wenn er müde wird. So wie sich der Vogel, der über das Meer fliegt, den Ruheplatz merkt, so ist es in tiefer Meditation, im Verlauf des Nachinnenziehens. Auch hier brauchen wir eine Basis, zu der wir zurückkehren, uns ausruhen und unsere Achtsamkeit und Vitalität erneuern können, bevor wir uns wieder in die feinstoffliche mentale Dimension zurückbewegen.

Das Symbol und der Atem wirken wie das Holz. Sie bilden das Basislager, zu dem der Geist immer wieder zurückgebracht wird, um sich auszuruhen, um achtsam zu werden und jede Art der subtilen Zerstreuung, die in tieferen Schichten unseres Bewusstseins auftauchen kann, zu vermeiden. Nach der Ruhepause und dem Zurückgewinnen unserer Achtsamkeit nehmen wir unsere Mantra Reise frisch und geistesklar wieder auf.

Aus diesem Grund sind die drei Aspekte des psychischen Atems, des psychischen Symbols und des psychischen Klanges bedeutungsvoll. Die Wahrnehmung vom Klang des Mantras ist der psychische Klang.

Auszug aus dem Buch Yoga Darshan von Swami Niranjanananda


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