Kundalini Yoga

Bild von Chakras im Kundalini Yoga

Was ist Kundalini Yoga?

Alle Yoga Formen lassen sich in drei Gruppen einteilen. Durch die Übungen der ersten Gruppe entsteht ein Zustand, der dem Zustand der Hypnose vergleichbar ist – die Wahrnehmung der Außenwelt lässt nach. Die Übungen der zweiten Gruppe erweitern das Bewusstsein durch einen psychologischen und transzendenten Ablauf. Die Übungen der dritten Gruppe sind sehr wirkungsvoll, es ist jedoch kein psychologischer Vorgang, sondern hier wird mit den Muskeln und Drüsen des Körpers gearbeitet.

Durch Übungen der ersten Gruppe löst sich das Bewusst­sein des Schülers so weit auf, bis er in einen Zustand kommt, der als Jada Samadhi bekannt ist und sich wie eine Art Lei­chenstarre ausdrückt. Durch die Übungen der zweiten Grup­pe wird eine Ausdehnung des Bewusstseins erzeugt, sodass sich die Psyche vollkommen öffnet, was unabhängig vom Kör­per geschieht. Mit den Übungen der dritten Gruppe ent­wickelt man bestimmte Fähigkeiten und Körperdrüsen, die die Körperzellen verändern.

Große Yogis haben die Erfahrung gemacht, dass im physischen Körper bestimmte Muskeln, Drüsen und Organe existieren, die sich im Laufe der fortschreitenden Evolution manifestieren, die aber zur heutigen Zeit bei den meisten Menschen unentwickelt sind.

Erweckung der Kundalini

Meditation kann durch bestimmte psychologische und psychosomatische Vorgänge eingeleitet werden. Für diejenigen, denen diese Übungen Schwierigkeiten bereiten, gibt es Übungen, durch die verschiedene psychosomatische Drüsen im Körper erweckt werden, in denen ebenso eine gewisse Energie schlummert. Das ist Kundalini Yoga. Er gehört zu den kraftvollsten Yoga Formen. Durch Kundalini Yoga können ruhende Fähig­kei­ten erweckt werden, die in der psychischen Struktur des Men­schen eingebettet sind.

Das menschliche Gehirn ist noch lange nicht vollkommen entfaltet, nur ein Neuntel seines Potenzials arbeitet in uns, während acht Neuntel im tiefen Schlummer liegen. Wären wir im Besitz dieser latenten Kräfte, wüssten wir sicher mehr über die Geheimnisse und Kräfte des Universums. Man kann allerdings nicht sagen, dass diese Zentren im Tiefschlaf liegen, es ist nur so, dass wir mit unseren Sinnesorganen nicht wahrnehmen, was dort abläuft, denn es gibt keine Zirkulation zwischen den unbewussten Bereichen mit dem dort angesammelten Wissen und den bewussten Bereichen.

Die Chakras im Kundalini Yoga

Durch Kundalini Yoga können wir eine Verbindung zwischen unserem Wachbewussten und dem Unbewussten herstellen. Damit können wir das Wissen, das im Unbewussten ruht, dem Intellekt, dem Verstand und der Wahrnehmung zugänglich machen. Durch das Sadhana der Kundalini Übungen werden verschiedene Zentren und Energiekreisläufe erweckt und, indem wir mit diesen Kreisläufen Verbindung aufnehmen, können wir direkt auf die schlafenden und untätigen Gehirnbereiche einwirken.

Am unteren Ende der Wirbelsäule, in Verlängerung derselben, liegt zwischen dem Geschlechtsbereich und dem Urogenitalsystem eine Drüse. Sie ist noch nicht entwickelt und braucht einen kleinen Anstoß, um zu erwachen. In den Yoga Shastras ist diese Drüse als Muladhara Chakra bekannt, als das Wurzelzentrum. Aus diesem Körperorgan steigen die astral erzeugten Bilder auf, und durch seine Entfaltung können die geistigen und okkulten Fähigkeiten, die im Muladhara Chakra ruhen, hervortreten.

Diese Erweckung wird nicht durch unnatürliches Hämmern und Stoßen geschehen. Vielmehr gibt es Yoga Übungen, durch die dieses Organ mit mehr Prana versorgt wird. Ob man es nun als Muskel, als Drüse, Chakra oder Nervengeflecht bezeichnet, in Yoga ist es das Wurzelzentrum, in dem sich die Lebensenergie zusammengerollt hat. Wenn sie erwacht, steigt sie durch alle anderen psychischen Zentren durch die Wirbelsäule nach oben.

Das nächste psychische Zentrum liegt am untersten Ende der Wirbelsäule. Sein Name ist Swadhisthana Chakra, was so viel bedeutet wie das eigene Zuhause. Dann folgt das Manipura Chakra. Es liegt in Höhe des Nabels in der Wirbelsäule und sein Name bedeutet Stadt der Juwelen. Das vierte Zentrum, ebenfalls in der Wirbelsäule, liegt hinter dem Herzen, Anahata Chakra; Anahata bedeutet unangeschlagener Ton.

Das fünfte Zentrum ist das Vishuddhi Chakra und liegt in der Halswirbelsäule, Vishuddhi bedeutet Läuterung. Das sechste Zentrum liegt am oberen Ende der Wirbelsäule, in Höhe der Epiphyse; sein Name ist Ajna Chakra. Ajna ist der Befehl, der Auftrag, und hier kann alles Wissen intuitiv erfasst werden.

Am Hinterkopf tragen hinduistische Priester normalerweise einen längeren Haartuff, hier liegt ein weniger bekanntes Zentrum. Sein Name ist Bindu Visarga und bedeutet, die Quelle des dort entspringenden Nektars. In der Krone des Kopfes befindet sich hinter der Fontanelle das Sahasrara Chakra, der tausendblättrige Lotus.

Wer sich auf den spirituellen Weg begibt, wird versuchen, die im Muladhara Chakra ruhende Lebenskraft zu erwecken und sie durch alle noch schlummernden Energiezentren nach oben zu bewegen. Ebenso wie ein Elektriker eine Lampe an den Energiekreislauf anschließt, so verbindet der Yoga Schüler die erwachte Lebenskraft mit diesen Zentren, sodass sie in Bewegung kommen und ihre geistigen Kräfte wirksam werden.

Mula Bandha

Wenn alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, lässt sich die Kundalini Energie auf diesem Wege erwecken, aber man muss die Regeln genau beachten. Eine der wichtigen Übungen ist Mula Bandha, das Kontrahieren des Dammbereichs. Wenn die Lebenskraft aufbricht, ist der ganze Körper durch Mula Bandha unter Kontrolle. Normalerweise wird das Zusammenziehen der Muskeln durch eine Art Blockade unter Kontrolle gehalten, und es ist schwierig, diese Blockade zu lösen.

Der größten Schwierigkeit begegnen wir in Kundalini Yoga und Tantra, wenn diese Blockade aufgelöst und zur Entspannung gebracht werden soll. Es ist so, als wenn Rektum, Wirbelsäule, Verdauungsperistaltik, ja jede Muskeltätigkeit des Dehnens und Zusammenziehens blockiert sei. Jetzt ist es wichtig, dass der Guru neben dem Schüler steht und dafür Sorge trägt, dass alle Blockaden sich lösen können. Um Kundalini zu erwecken, werden Kriya Yoga Techniken (Kriyas) benutzt und diese werden immer vom Guru (oder einem autorisierten Yogalehrer) an den Schüler weitergegeben.

Diese Kriya Yoga Techniken bestehen aus Übungsreihen, welche eine Kombination vom Pranayama, Asanas und Mantras sind. Diese Übungen sollten von einem Anfänger nicht bloß aus einem Buch gelernt werden, sondern in Form einer Ausbildung durch einen Guru oder geeigneten Lehrer vermittelt werden.

Vorbereitung durch Hatha Yoga

Kundalini Yoga erfordert einen reinen, sauberen Körper, und deshalb sind die Hatha Yoga Techniken, die aus sechs Reinigungsübungen bestehen, Voraussetzung. Eine achtsame Ernährung ist ebenfalls wichtig, denn in dem Moment, wenn Kundalini erwacht, steigen alle in den Därmen angesammelten Gase nach oben und drücken auf das Herz. Entstehen durch die Ernährung starke Blähungen, wird man anstelle von spiritueller Erleuchtung starke Herzschmerzen erleiden.

Es gilt, alle diese Regeln unbedingt zu befolgen, nur so wird die Lebenskraft ohne Probleme durch die verschiedenen Zentren fließen. Natürlich kann eine Vereinigung der individuellen mit der kosmischen Energie nicht von heute auf morgen stattfinden, es braucht Monate und Jahre. Es ist auch möglich, dass die erwachte Energie monatelang an einem Platz festsitzt und Empfindungen wie Hitze, elektrische Aufladung und Magnetismus hervorruft. Sie wird selbständig versuchen, weiter aufzusteigen, es bewegt sich aber nichts, sie bleibt einfach dort, und in manchen Fällen stirbt sie langsam ab.

Der Yogaschüler, der solche Erlebnisse hat, sollte wissen, dass diese Erfahrungen ausschließlich subjektiv sind und dass keinerlei Zusammenhang mit den Kundalini Übungen besteht. Er sollte sein Verhalten und seine Handlungen in dieser Zeit gut überprüfen. Während des Erwachens wird das Verhalten manchmal befremdlich sein, man empfindet Ärger, schläft schwer, fühlt sich lethargisch, intuitive Geistesblitze tauchen auf, die Energie quillt über, Überempfindlichkeit oder gefühlsbetontes Mitleid oder Trägheit treten auf.

Dies sind verschiedene Symptome, die Begleiterscheinungen einer aufsteigenden Kundalini sein können und den Hitzeempfindungen folgen. Hitzeempfindungen allein bedeuten noch nicht, dass Kundalini erwacht ist, dies ist erst dann der Fall, wenn die Symptome im Verhalten ebenfalls vorhanden sind. Es ist eine große Seltenheit, wenn die Lebenskraft direkt in die oberen Zentren schießt, ohne sich in den unteren Zentren aufzuhalten.

Ganz allmählich, vielleicht über Wochen oder Monate hinweg, steigt die Kundalini Energie zum nächsten Zentrum, bewegt sich aber wieder zurück und zeigt sich in Form von allerlei Symptomen und Empfindungen. Reinheit, Intensität und spirituelles Durchhaltevermögen sind jetzt ganz besonders wichtig.

Wenn der Yogaschüler im Bereich seines Unbewussten sehr gestört ist, wenn er unter Einschränkungen und Verboten, die unerfüllt und nicht korrigiert werden konnten, leidet, dann wird die Kundalini Energie wieder hinabsteigen, und er wird wieder ein ganz normaler Mensch. Solange sie nicht das Manipura Chakra erreicht hat, kann sie jederzeit wieder nach unten sinken. Hat sie jedoch einmal Manipura Chakra überschritten, ist die Möglichkeit des Fallens kaum noch gegeben.

Auf dem Wege bis zum dritten Chakra gibt es so viele Versuchungen, und viele Schüler der Geisteswissenschaften geraten durch das Auftauchen übernatürlicher Kräfte und intuitiver Wahrnehmungen auf Abwege. Sie werden zu Heilern oder bringen ihre übernatürlichen Kräfte auf andere Weise zum Ausdruck, aber ihre Kundalini wird nicht mehr weiter aufsteigen.

Von Swami Satyananda Saraswati, Auszug aus: Yoga – Weg zur inneren Freiheit

Swami Satyananda spricht über die Erweckung der Kundalini:


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