Die Essenz von Satyananda Yoga

Was ist die Essenz von Satyananda Yoga? Wie können Yogalehrer sie vermitteln?

Die meisten Schulen, die die physische Komponente von Yoga, also Asanas, vermitteln, folgen der Wohlfühl-Methode. Du dehnst deinen Körper, fühlst dich gut, locker und leicht und sagst: “Yoga hat mir wirklich geholfen”. Dieser Wohlfühleffekt ist oberflächlich, denn er lässt uns glauben, dass der Körper den Geist beeinflussen kann.

In der ersten Zeit, als Swami Satyananda mit dem Yoga-Training begann, pflegte er zu sagen, wenn du ein Asana machst, identifiziere dich nicht mit dem Körper. Zunächst nimm Annamaya Kosha (die Nahrungshülle) war, die Bewegungen des Körpers.

Bist du damit vertraut, wie der Körper unter deiner Führung auf die Asanas und Bewegungen eingeht, widme dich Pranamaya Kosha (die Energiehülle). Angenommen, du machst Surya Namaskara; zunächst ist es eine Übung – Rückwärtsbeuge, Vorwärtsbeuge, Streckung, Kontraktion, usw.

Dann solltest du versuchen, den Körper zu sehen oder ihn dir vorzustellen. Du siehst, wie du das Asana ausführst, von den Fingern bis zu den Zehen. Du brauchst deine Vorstellungskraft, um dich selbst zu sehen, wie du die perfekte Haltung ausführst, ehe du beginnst. In diesem Moment erinnere dich an die Steifheit und die Schmerzen, die du kennst. Wenn du dann die Haltung mit dem Körper ausführst, wirst du bemerken, dass etwas in dir nachgibt. Wenn du heute deine Zehen nicht berühren kannst, so wird nach einer Woche etwas nachgeben, deine Muskeln werden sich entspannen und du wirst bis zu den Zehen kommen. Das ist die Verbindung mit Annamaya Kosha. Um Annamaya Kosha zu harmonisieren, um den Körper vorzubereiten, mache dir zunächst ein Bild und führe erst dann die Übung aus.

Ehe du deinen Unterricht oder deine Übung beginnst, sage dir: "Ich werde gleich zwölf Runden Surya Namaskara machen". Setze dich für ein paar Minuten in eine meditative Haltung und sieh dich selbst, wie du Surya Namaskara ausführst. Fühle die gleiche Streckung und Kontraktion des Körpers, die du fühlen würdest, wenn du dich tatsächlich bewegen würdest. Nachdem du das Asana mental oder visuell ausgeführt hast, machst du es physisch. Du wirst feststellen, dass dein Körper anders darauf reagiert und es besser macht.

Hast du deinen Körper unter Kontrolle, dann bewege dich zur nächsten Dimension, zu Pranamaya Kosha. Während der mentalen Ausführung des Asanas versuche, den Pranafluss in deinem Körper zu sehen. Stelle dir vor, dein Körper sei durchsichtig, und du könntest den Energiestrom sehen. Stößt Prana auf Steifheit oder Schmerz, dann ist der Energiefluss an dieser Stelle blockiert. Setze deine Willenskraft ein und lasse Prana hindurch fließen. Beginne erst mit dem Asana, wenn der Weg für die Energie frei ist.

Dein Geist hat sich jetzt mit etwas verbunden, das feiner ist als das Physische. Verweile darin für einige Zeit, dann bewege dich weiter zu Manomaya Kosha (die Mentalhülle). Frage dich, ob du entspannt, friedlich, angespannt, beunruhigt bist. Dann verbinde dich mit Ida und Pingala. Bist du angespannt oder unruhig, schließe vor der Ausführung des Asanas die Augen, aktiviere das Ida Prinzip - nicht mit Pranayama, sondern durch die Willenskraft. Bist du eher lethargisch, aktiviere Pingala. Erkenne deine augenblickliche innere Haltung und den Energieflusses, und versuche, sie vor der yogischen Übung auszubalancieren.

Als Yogalehrer solltest du deine Stärken und Schwächen, Ambitionen und Bedürfnisse kennen. Vertiefe dich, denke nach und schreibe alle Eigenschaften auf, die du als deine Stärken, deine Schwächen, deine Ambitionen und deine Bedürfnisse erachtest. Jedes Mal, wenn du Yoga machst, mache dir deutlich: Das ist meine Schwäche, die ich überwinden will, und dies ist die Stärke, die ich weiter ausbilden will. Diese Ambition besteht nur in meiner Phantasie und, ich will daran arbeiten, dieses Bedürfnis zu befriedigen. Definiere für dich deine Prioritäten in Bezug auf deine Persönlichkeit und deine Bedürfnisse, um die Qualität deines Lebens zu verbessern. So entsteht ein Sankalpa.

Angenommen, du verbindest deine Yogaübung mit dem Sankalpa, deine Willenskraft zu stärken, dann werden dir Asanas, Pranayamas, Mudras und Bandhas dabei helfen, sie zu erlangen, also eine Stärke oder Charaktereigenschaft zu entwickeln. Ebenso werden sie helfen, die Schwächen und die Mankos auszugleichen und die gesetzten Ziele und die Bedürfnisse im Auge zu haben.

Bewege dich zu jeder Ebene, die durch die Übung berührt wird, achtsam und schrittweise. Zunächst Annamaya Bewusstheit, um den Körper von den physischen Blockaden wie Steifheit und Müdigkeit zu befreien. Als zweites Pranamaya Bewusstheit, um die verschiedenen Organe verstärkt mit Prana zu beleben. Dann zu Manomaya Bewusstheit, um Geist und Körper miteinander zu verbinden. Es folgt Vijanamaya Bewusstheit, (Erkennen der psychischen oder höheren Mentalhülle), um die Stärken und Schwächen zu erkennen, um den Weg aus den Schwächen heraus zu finden und Charakterstärke und einen gesunden Geist zu entwickeln.

Beginne damit, deine Erfahrungen mit Yoga auf diese Weise zu vertiefen und erkenne die Wirkung. Dann erst vermittle Yoga in dieser Weise an andere Menschen. Auf diese Weise werden sie viel mehr von Yoga aufnehmen, als es normalerweise in einem nur auf den Körper ausgerichteten Unterricht möglich ist.

Swami Satyananda hat die sich ausdehnende und feiner werdende Wahrnehmung in unserer Yoga Praxis nachdrücklich betont, und darin unterscheidet sich Satyananda Yoga von den meisten der anderen Yoga Systemen. Über den Körper erlangen wir Zugang zum Geist, über Prana erlangen wir Zugang zum Bewusstsein. Der gesamte Yoga wird eingesetzt, um innere spirituelle Harmonie und Balance zu gewinnen.

Mangrove Mountain, Australia, März 2004


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